Unter dem Flughafen Tempelhof liegt ein weitgehend verborgenes Tunnelsystem. Nun haben die Bauarbeiten am ehemaligen Logistiksystems des Flughafens begonnen. Die Maßnahmen sollen einen zentralen Abschnitt der Tunnelanlage dauerhaft sichern. Drei undichte Fugen machen eine Sanierung dringend erforderlich.

Der rund 400 Meter lange Straßen- und Eisenbahntunnel wird derzeit saniert, nachdem Dehnungsfugen undicht geworden sind und Feuchtigkeit in die Konstruktion eingedrungen ist. / © Foto: Wikimedia Commons, calflier001, CC BY-SA 2.0
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Unter dem denkmalgeschützten Flughafen Tempelhof erstreckt sich ein Tunnelsystem aus den 1920er-Jahren. Es umfasst mehrere Ebenen und verbindet unterschiedliche Gebäudeteile unterirdisch. Der zentrale Abschnitt ist ein rund 400 Meter langer Straßen- und Eisenbahntunnel aus Stahlbeton, der teilweise unter der Abfertigungshalle verläuft.
Ursprünglich plante man den sogenannten Frachttunnel für den Transport von Luftfracht, jedoch setzte man dies nie um. Stattdessen dient der Tunnel bis heute als Verbindung innerhalb des Areals und wird vor allem für Logistik- und Autoverkehr genutzt.
Sanierung des Tunnelsystems unter dem Flughafen Tempelhof: Undichte Fugen machen Eingriff notwendig
Mehrere Dehnungsfugen, die temperaturbedingte Bewegungen im Bauwerk ausgleichen sollen, sind beschädigt und lassen seit Längerem Wasser in die Konstruktion eindringen, was die Konstruktion der Tunnelanlage angreift. Langfristig besteht dadurch ein Risiko für die Standsicherheit der Anlage.
Die Sanierung läuft bereits und erste Fortschritte sind sichtbar. Im GAT-Bereich soll die Fertigstellung voraussichtlich Ende März erfolgen. Im Wirtschaftshof wird ein erster Abschnitt ebenfalls bis Ende März abgeschlossen, während ein zweiter Abschnitt im April folgt. Für den Bauteil D1 verschiebt sich der Zeitplan aufgrund von Veranstaltungsterminen auf Juni, der Abschluss des Projekts ist für Juli vorgesehen.
Untersuchungen der Tunnelfugen: Unterschiedliche Materialien und provisorische Reparaturen festgestellt
Bereits im Jahr 2024 wurden die Fugen untersucht. Dabei zeigten sich Fugenbreiten zwischen 10 und 30 Zentimetern. In den Fugen fanden sich unterschiedliche Materialien, darunter ursprüngliches Korkmaterial sowie bituminöse Abdichtungen und schadstoffbelastete Stoffe.
Zusätzlich wurden Reste früherer Reparaturen festgestellt, die offenbar nur provisorisch ausgeführt wurden. Nach Niederschlägen treten regelmäßig feuchte Stellen im Tunnel auf. Die Feuchtigkeit verstärkt bestehende Schäden und beschleunigt den Verschleiß der Konstruktion.
Sanierungsarbeiten am ehemaligen Logistiksystem des Flughafens: Deckelabdichtung soll die Feuchtigkeit zurückhalten
Die Tempelhof Projekt GmbH führt die Sanierung durch und konzentriert sich vor allem auf die drei schadhaften Fugen. Zum Einsatz kommen sogenannte Deckelabdichtungen. Dabei werden die Fugen von außen über Gräben freigelegt.
Anschließend werden die Tunneldecke und die Seitenwände bis in eine Tiefe von etwa einem Meter neu abgedichtet. Das vorhandene Fugenmaterial wird vollständig entfernt, danach wird ein neues Dichtband eingesetzt. Zusätzlich wird die äußere Abdichtung erneuert und an den Bestand angeschlossen, um eine dauerhafte Lösung zu erreichen.
Rahmenbedingungen der Bauarbeiten am Flughafen Tempelhof: Kampfmittel, Logistik und Denkmalschutz
Die Bauarbeiten finden unter anspruchsvollen Bedingungen statt, weshalb mehrere Aspekte gleichzeitig berücksichtigt werden müssen. Die Außenflächen gelten als möglicher Kampfmittelbereich, daher begleitet der Kampfmittelräumdienst den Aushub. Zusätzlich erfordern nachgewiesene Schadstoffe in älteren Abdichtungen eine fachgerechte Entsorgung.
Gleichzeitig läuft der Betrieb auf dem Gelände weiter, sodass die Baustelle in bestehende Abläufe eingebunden werden muss. Parkplätze, Fluchtwege, Feuerwehrzufahrten und Veranstaltungsflächen bleiben weiterhin in Nutzung, wodurch sich ein hoher Abstimmungsbedarf ergibt. Zudem wird der Denkmalschutz berücksichtigt, indem Materialien wie Pflastersteine gesichert und die angrenzende Natursteinfassade geschützt werden.
Quellen: Tempelhof Projekt GmbH, Berliner Unterwelten e.V., UI Tempelhofer Damm, Berliner Zentrum Industriekultur
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