Unter dem stillgelegten Flughafen erstreckt sich ein labyrinthartiges Netz aus Tunneln. Erbaut in den 1920er-Jahren, erzählen sie von den einstigen Flughafenplänen, Zwangsarbeit im Krieg und städtischer Nachnutzung. Mit der Sanierung der Tunnelfugen eines Straßen- und Eisenbahntunnels soll die Stabilität des Bauwerks für die Zukunft gewährleistet werden.

Unter dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof befindet sich ein verborgenes Tunnelsystem. Nun soll ein undichter Eisenbahn- und Straßentunnel saniert werden. / © Foto: Wikimedia Commons, calflier001, CC BY-SA 2.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, calflier001, CC BY-SA
Am Flughafen Tempelhof haben unterirdische Sanierungsarbeiten begonnen: In den verborgenen Tunnelanlagen unter dem Gebäude werden undichte Tunnelfugen ausgebessert. Das etwa fünf Kilometer lange Netz, das in den 1920er-Jahren erbaut wurde, erstreckt sich auf drei Ebenen unter dem Flughafen. Verschiedene Mythen ranken sich um dessen Geschichte: von Fluchtwegen des NS-Regimes bis zu vergessenen Archiven.
Heute kann man die Tunnel im Rahmen von geführten Touren besichtigen. Nun erhält einer von ihnen – ein 4oo Meter langer, ursprünglich als „Frachttunnel“ geplanter Straßen- und Eisenbahntunnel – neue Abdichtungen und Dichtprofile, um die Struktur langfristig zu sichern.
Zweiter Weltkrieg: „Frachttunnel“ wird für Rüstungsproduktion verwendet
Bereits während des Baus des Flughafens in den 1930er-Jahren gab es Planungen, den Standort an das städtische Verkehrsnetz anzubinden. Historischen Unterlagen zufolge führten Gleise vom Güterbahnhof Hermannstraße bis zum Columbiadamm. Sie tauchten unter der Abfertigungshalle des Flughafens in einen 400 Meter langen Eisenbahn- und Straßentunnel. Ursprünglich war er für die effiziente Beförderung von Luftfracht gedacht, dieser Zweck wurde jedoch nie realisiert.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Nutzung des Eisenbahn- und Straßentunnels grundlegend. Er diente zunächst als Lagerraum, bevor die Weser Flugzeugbau GmbH 1944 ihre Rüstungsproduktion hierher verlagerte. Tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mussten in den unterirdischen Hallen das Jagdflugzeug „Focke-Wulf 190“ und den Sturzkampfbomber „Ju 87“ fertigen. Heute erinnert die Kranbahn an der Tunneldecke noch an diese düstere Vergangenheit.
1980er-Jahre: Tunnel transportiert Schweröl statt Luftfracht
Nach dem Krieg transportierten Kesselwagen bis in die 1980er-Jahre Schweröl in dem Tunnel zum flughafeneigenen Heizkraftwerk. Später nutzten verschiedene städtische Institutionen Teile des Tunnels für Lagerflächen, Archive und technische Einrichtungen. Bis heute stellt die Trasse unter dem Flughafen eine Verbindung zwischen den weitläufigen Gebäudeteilen her. Sie dient vor allem dem Logistik- und Autoverkehr.
Neben dem Eisenbahn- und Straßentunnel existieren unter dem Flughafengebäude weitere Versorgungsschächte sowie mehrere historische Bunker. Letztere wurden in den 1980er-Jahren als Schutzräume für die Soldaten während der Manöver der amerikanischen Streitkräfte genutzt. Der Mythos, dass es sich bei den Tunneln um Fluchtwege des NS-Regimes handelte, ist historisch nicht belegt.
Tunnel unter dem Flughafen Tempelhof: Sanierung soll für strukturelle Erhaltung sorgen
Die aktuelle Sanierung des Eisenbahn- und Straßentunnels zielt auf seine strukturelle Erhaltung ab, um den unterirdischen Raum auch für zukünftige Nutzungen stabil und sicher zu halten. Seit geraumer Zeit lassen drei undichte Tunnelfugen Wasser eindringen. Für die Reparatur werden die schadhaften Fugen von außen durch offene Gräben freigelegt. Daraufhin werden die Tunneldecke und die Seitenwände neu abgedichtet und ein neues Dichtband in der Fuge eingebracht.
Mit den aktuellen Arbeiten wird die Bausubstanz für die kommenden Jahre gesichert. Die Tunnel bleiben erhalten – als Denkmal, Mahnmal und funktionale Infrastruktur zugleich.

© Foto: Wikimedia Commons, S-b, CC BY-SA 3.0

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Quellen: Tempelhof Projekt GmbH, Berliner Unterwelten e.V., UI Tempelhofer Damm, Berliner Zentrum Industriekultur
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