Die geplante S-Bahnlinie S21 kommt erneut ins Stocken. Für den dritten Bauabschnitt zwischen Potsdamer Platz und Yorckstraße fehlt bislang die Finanzierungszusage, mit Folgen für Planung und Beteiligung. Der Senat betont: Die Fortsetzung sei fest eingeplant.

Die S-Bahnlinie S21 soll die Berliner Innenstadt in Nord-Süd-Richtung unterqueren. Der Tunnelrohbau im Bereich Hauptbahnhof bis Potsdamer Platz ist bereits seit Jahren abgeschlossen. Bislang bleibt die Strecke jedoch ungenutzt. / © Foto: Wikimedia Commons, Jean-François Goyette from Montréal, Canada, CC BY 2.0
© Foto: Wikimedia Commons, Jean-François Goyette from Montréal, Canada, CC BY 2.0
© Foto Titelbild: Depositphotos.com
Für den dritten Abschnitt der Berliner S-Bahnlinie S21 fehlt bislang die finanzielle Grundlage. Zwischen Potsdamer Platz und Yorckstraße/Großgörschenstraße kann die Bahn nicht weiterplanen, eine offizielle Vereinbarung mit dem Land Berlin gibt es noch nicht. Dies geht aus einer Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. Eine für Juli angesetzte Beteiligungsveranstaltung wurde deshalb von der Deutschen Bahn abgesagt.
Der Senat reagierte auf die Berichterstattung: Die Finanzierung solle mit dem neuen Doppelhaushalt 2026/2027 beschlossen werden. Verkehrsstaatssekretär Arne Herz räumte ein, dass frühere Aussagen in der Anfragebeantwortung „fehlerhaft oder missverständlich“ gewesen seien, wie der Tagesspiegel berichtet.
Grüne kritisieren Finanzierungsstopp bei der S21 als Rückschlag für Berliner Nahverkehr
Die Grünen zeigten sich angesichts der unklaren Lage besorgt. Oda Hassepaß bezeichnete die Finanzierungslücke als „Rückschlag“ für die Fahrgäste. Der dritte Abschnitt sei zentral für das Berliner Nahverkehrsnetz. Die Bahn hätte laut ihrer Aussage mit der Planung fortfahren wollen, scheitere jedoch an fehlenden Mitteln. Sie warf , so der Tagesspiegel, der CDU-geführten Verkehrsverwaltung vor, den Ausbau durch Sparmaßnahmen auszubremsen.
Auch der neu geplante Haltepunkt „Perleberger Brücke“, der 2022 nachträglich bestellt wurde, liegt derzeit auf Eis. Die notwendigen baulichen Anpassungen zur Anbindung verursachen hohe Zusatzkosten. Die Verkehrsverwaltung kündigte an, eine vereinfachte und kostengünstigere Variante zu prüfen.
S-Bahnlinie S21: Erster Abschnitt seit Jahren im Verzug — provisorischer Halt am Hauptbahnhof
Der erste Abschnitt der S21 vom Hauptbahnhof in Richtung Wedding sollte ursprünglich 2017 eröffnet werden. Der Bau startete jedoch bereits 2009, seither reiht sich eine Verzögerung an die nächste. Auch der zweite Abschnitt bis zum Potsdamer Platz ist noch nicht genehmigt. Die Bahn wartet derzeit auf einen Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamts.
Die provisorische Station am Hauptbahnhof zeigt deutlich die Schwierigkeiten des Projekts. Ein endgültiger Bahnsteig unter dem Gebäude kann aufgrund technischer Probleme vorerst nicht gebaut werden. Stattdessen wird ein provisorischer Halt außerhalb des Bahnhofs genutzt. Die Sanierung der Humboldthafenbrücke ist Voraussetzung für den Weiterbau.
Planungskonflikte unter dem Regierungsviertel: Gedenkort und Reichstagsgebäude im Fokus
Die geplante Verbindung unter dem Regierungsviertel führte in der Vergangenheit zu Konflikten. Roma-Verbände sorgten sich um das Denkmal im Tiergarten. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas erinnert an bis zu 500.000 Menschen, die zwischen 1933 und 1945 aus rassistischen Gründen verfolgt und getötet wurden. Es wurde errichtet, um an dieses lange verdrängte Verbrechen zu erinnern und den ermordeten Sinti und Roma einen zentralen Gedenkort im Herzen Berlins zu geben. Die Bundestagsverwaltung sorgt sich um den Schutz des Reichstags.
Auch der Abschnitt zwischen Gleisdreieck und Yorckstraße stellt eine planerische Herausforderung dar. Die dort vorgesehene Verknüpfung mit dem U-Bahnnetz erfordert komplexe Bauarbeiten. Am Bahnhof Yorckstraße bestehen seit Jahrzehnten provisorische Zugänge. Die Station gehört zu den wenigen nicht barrierefreien S-Bahnhöfen Berlins. Ein geplanter Umbau kommt bislang nicht voran. Die Grünen sehen darin ein weiteres Versäumnis der Verkehrspolitik.
Quellen: Tagesspiegel, S-Bahn 21, Berlin.de, S-Bahn Berlin
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


