Das FEZ in Berlin braucht weitere Sanierungen. Was an Gebäude, Haustechnik und Schwimmhalle geprüft werden muss und welche Rolle der Denkmalschutz spielt.

Der markante Kugelbrunnen gehört zum denkmalgeschützten Ensemble des FEZ Berlin in der Wuhlheide. Seit 2025 steht der frühere Pionierpalast einschließlich seiner Freiflächen und Kunstwerke unter Denkmalschutz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Das FEZ in der Wuhlheide gehört für Generationen von Berlinerinnen und Berlinern zur Kindheit. Hinter dem laufenden Freizeit-, Bildungs- und Veranstaltungsbetrieb stehen jedoch technische und bauliche Aufgaben, deren Umfang bislang nicht vollständig erfasst ist. Der Treptow-Köpenicker SPD-Politiker Paul Bahlmann fordert deshalb einen verbindlichen Sanierungsfahrplan. Doch was ist über den Zustand des Hauses tatsächlich bekannt?
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Straße zum FEZ 2, 12459 Berlin
- Projektstatus: Sanierungsbedarf vorhanden, Gesamtplanung bislang offen
- Zuständigkeit: Land Berlin
Das FEZ ist weit mehr als ein klassisches Freizeitzentrum. Auf 13.000 Quadratmetern Innenfläche und 175.000 Quadratmetern Außenfläche befinden sich unter anderem die Astrid-Lindgren-Bühne, das Alice-Museum für Kinder, das Raumfahrtzentrum orbitall, die Landesmusikakademie, Sportflächen und eine Schwimmhalle. 2024 zählte das FEZ nach eigenen Angaben 709.174 Besuche. Allein die Schwimmhalle kam auf 120.483 Besucherinnen und Besucher.

Paul Bahlmann, Vorsitzender der SPD-Fraktion Treptow-Köpenick, fordert für die Sanierung des FEZ Berlin einen verbindlichen Fahrplan mit klaren Prioritäten, Zuständigkeiten und einer gesicherten Finanzierung. / © Foto: Bild: Paul Bahlmann
Wie groß ist der Sanierungsbedarf beim FEZ Berlin?
Das Haus steht damit unter einer Belastung, die sich von vielen anderen Kultur- oder Freizeitbauten unterscheidet. Paul Bahlmann, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick und Kandidat für das Abgeordnetenhaus, sieht vor allem bei Haustechnik und Schwimmhalle Handlungsbedarf.
Ein aktuelles öffentlich zugängliches Gutachten, das sämtliche notwendigen Arbeiten samt Kosten und Zeitplan bündelt, ist derzeit nicht bekannt. Genau darin sieht Bahlmann das zentrale Problem. Statt einzelne Reparaturen nacheinander anzugehen, müsse das Land Gebäude, Haustechnik, Brandschutz, Energieversorgung, Schwimmhalle und Denkmalschutz gemeinsam betrachten.

Am FEZ Berlin laufen immer wieder einzelne Umbau- und Modernisierungsarbeiten. Für die größeren Aufgaben am Gebäudekomplex wird jedoch weiterhin ein übergreifender Sanierungsfahrplan gefordert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wie viele Investitionen gab es am FEZ in den letzten Jahren?
Dass die Größenordnung erheblich sein kann, zeigen frühere Maßnahmen. Bei einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle erhielt das FEZ zunächst knapp acht Millionen Euro Förderung. Während der Arbeiten stieg der Förderumfang auf knapp 11,27 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Landes Berlin und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Ziel war unter anderem, den Endenergiebedarf des Hauses um rund 36 Prozent zu reduzieren.
Auch später investierte das FEZ weiter in seine technische Infrastruktur. Seit September 2023 arbeitet auf den Dächern von Schwimm- und Mehrzweckhalle eine Photovoltaikanlage mit knapp 1.000 Modulen auf rund 1.800 Quadratmetern Fläche. Laut FEZ erzeugt sie jährlich rund 400.000 Kilowattstunden Strom und deckt damit etwa 20 Prozent des Energiebedarfs des Hauses.
Welche Rolle spielt die Schwimmhalle bei der FEZ-Sanierung?
Die Schwimmhalle gehört zu den besonders intensiv genutzten Bereichen. Sie verfügt über acht 50-Meter-Bahnen, Sprunganlagen sowie ein Lehrschwimmbecken. Schulen, Vereine und Familien nutzen die Halle. Die aktuelle Schließung bis Ende August 2026 gehört zum saisonalen Betriebsmodell während der Badesee-Saison; am 1. September soll die Halle wieder öffnen.
Bahlmann warnt deshalb auch vor einer voreiligen Schließungsdebatte. Sein Ansatz sei vielmehr, notwendige Arbeiten zu planen, bevor technische Probleme den Betrieb einschränkten. „Ich sehe aktuell keinen Anlass für Schließungsangst, aber sehr wohl Anlass zum Handeln“, sagt er im Interview mit ENTWICKLUNGSSTADT.
Er kenne den Komplex aus Gesprächen mit der FEZ-Geschäftsleitung und einer Besichtigung im Januar 2026. Zugleich betont er, dass eine politische Einschätzung kein technisches Gutachten ersetzen könne. Gerade bei einem Gebäude dieser Größe müsse die Reihenfolge der Arbeiten von Fachleuten festgelegt werden.
Warum mach der Denkmalschutz die Sanierung des FEZ anspruchsvoller?
Eine zusätzliche Rahmenbedingung kam im Mai 2025 hinzu. Das Landesdenkmalamt nahm den gesamten FEZ-Komplex in die Berliner Denkmalliste auf. Der ehemalige Pionierpalast „Ernst Thälmann“ war am 3. Oktober 1979 eröffnet worden und gilt heute als herausragendes Beispiel der DDR-Moderne. Entworfen wurde das Gebäude von Günter Stahn.
Das Landesdenkmalamt hebt vor allem das zentrale Foyer, die verschiedenen Säle, den Sportbereich mit Schwimm- und Sporthalle, die Bereiche für Arbeitsgemeinschaften sowie die charakteristische Lärchenholzfassade hervor. Auch Kunstwerke wie der Kugelbrunnen und das Mosaik von Peter Sylvester gehören zum denkmalwerten Gesamtbild. Damit muss eine künftige Sanierung des FEZ auch den Erhalt der DDR-Architektur berücksichtigen.
Seit 1995 bilden das FEZ und die Landesmusikakademie gemeinsam eine gemeinnützige Gesellschaft, die vollständig dem Land Berlin gehört. Für eine umfassende Sanierung sieht Bahlmann deshalb zunächst das Land in der Verantwortung. Denkbar seien ergänzend Bundes- und Fördermittel. Welche Programme tatsächlich eingesetzt werden können, hängt allerdings von einem konkreten Sanierungskonzept ab.

Hinter der markanten Holzfassade des FEZ Berlin befinden sich zahlreiche Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote. Dazu gehören unter anderem die Astrid-Lindgren-Bühne, das Alice-Museum, das Raumfahrtzentrum orbitall und die Schwimmhalle. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Warum fehlt ein Sanierungsfahrplan beim FEZ bislang?
Auch organisatorisch ist das Umfeld komplex. In der Wuhlheide arbeiten Bezirk, mehrere Senatsverwaltungen und lokale Akteure zusammen. Grundlage bildet das Standortentwicklungskonzept Wuhlheide, das 2018 und 2019 überarbeitet und im Oktober 2021 vom Bezirksamt beschlossen wurde. Die AG Wuhlheide koordiniert daraus abgeleitete Projekte.
Parallel investiert der Bezirk bereits in das Umfeld. 2026 sollen 15 Eingänge des Volksparks erneuert werden, darunter der Zugang im Parkplatz am FEZ. Dafür stehen 5,2 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln bereit. Direkt gegenüber dem FEZ besteht dagegen mit einer seit Jahren leerstehenden ehemaligen Gaststätte in der Wuhlheide weiterhin ein ungelöstes Entwicklungsthema.
Ist im FEZ eine Grundsanierung bei laufendem Betrieb denkbar?
Für das Hauptgebäude selbst bleibt die entscheidende Frage dagegen offen: Wann kommt eine vollständige Bestandsaufnahme und wann folgen daraus konkrete Bauabschnitte? Weder ein Sanierungsbeginn noch eine Fertigstellung oder ein Gesamtbudget sind bislang öffentlich festgelegt.
Bahlmann hält eine mehrjährige Sanierung bei laufendem Betrieb grundsätzlich für möglich. „Sanierung darf nicht Stillstand bedeuten. Wir müssen so planen, dass das FEZ während der Bauzeit so weit wie möglich weiterlebt“, erklärt er. Voraussetzung seien klar getrennte Bauabschnitte und eine Planung, die Veranstaltungen, Bildungsangebote und Schwimmbetrieb berücksichtigt. Sein Ziel sei ein technisch erneuertes FEZ, das seinen Charakter behält. Ob und wann Berlin diesen Weg einschlägt, muss jedoch auf Landesebene entschieden und finanziert werden.
FEZ-Berlin
Quellen: Interview von ENTWICKLUNGSSTADT mit Paul Bahlmann, Landesdenkmalamt Berlin, FEZ, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Bezirksamt Treptow-Köpenick
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„Seit September 2023 arbeitet auf den Dächern von Schwimm- und Mehrzweckhalle eine Photovoltaikanlage mit knapp 1.000 Modulen auf rund 1.800 Quadratmetern Fläche. Laut FEZ erzeugt sie jährlich rund 400.000 Kilowattstunden Strom und deckt damit etwa 20 Prozent des Energiebedarfs des Hauses.“
Die vorliegende Darstellung weist in ihrer jetzigen Form einige Ungenauigkeiten auf. Auch wenn tatsächlich eine Photovoltaikanlage installiert wurde, ist es wichtig zu beachten, dass sie bislang nicht funktionsfähig ist. Aus diesem Grund bleiben die mit einer solchen Anlage verbundenen umweltfreundlichen Vorteile, wie der Betrieb ohne schädliche Emissionen, die rasche Amortisation des CO2-Fußabdrucks sowie die Schonung natürlicher Ressourcen, nach wie vor ungenutzt. Zusätzlich könnte das Geld, das durch den Einsatz der Anlage eingespart werden kann, sehr sinnvoll in die dringend erforderlichen Projekte für die Kinder- und Jugendarbeit investiert werden.