Das FEZ Berlin braucht weitere Sanierungen. Doch wer bezahlt sie? Land, Bund und Förderprogramme könnten bei der Finanzierung eine Rolle spielen.

Paul Bahlmann von der SPD Treptow-Köpenick vor dem FEZ Berlin in der Wuhlheide. Er fordert einen verbindlichen Sanierungsfahrplan, um den Freizeit- und Bildungsstandort langfristig zu erhalten. / © Foto: Bild: Paul Bahlmann
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Beim FEZ Berlin geht es nicht nur um die Frage, was saniert werden muss. Mindestens ebenso entscheidend ist, wer die notwendigen Arbeiten bezahlt. Frühere Projekte zeigen, dass bei großen Vorhaben in der Wuhlheide häufig mehrere Geldgeber zusammenkommen. Im Interview mit ENTWICKLUNGSSTADT fordert Paul Bahlmann von der SPD Treptow-Köpenick, dieses Modell auch für die nächste Sanierungsphase des FEZ.
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Straße zum FEZ 2, 12459 Berlin
- Projektstatus: Sanierungsbedarf vorhanden, Gesamtplanung bislang offen
- Zuständigkeit: Land Berlin
Das FEZ Berlin hat bereits Sanierungen im Millionenbereich hinter sich, doch weitere Arbeiten stehen an. Nach Ansicht von Paul Bahlmann müssen vor allem Haustechnik, Schwimmhalle und andere Gebäudeteile genauer untersucht werden. Wie hoch der Finanzbedarf ist, bleibt offen, da bislang kein öffentlich bekanntes Gesamtgutachten mit belastbarer Kostenschätzung vorliegt. Bahlmann fordert deshalb zunächst eine fachliche Bewertung und klare Prioritäten. Erst danach lasse sich entscheiden, wie viel Geld benötigt wird und welche Mittel von Land, Bund oder aus Förderprogrammen kommen können.

Das FEZ Berlin in der Wuhlheide gehört zu den größten Freizeit- und Bildungsstandorten für Kinder und Familien in der Hauptstadt. Für den denkmalgeschützten Gebäudekomplex besteht weiterer Sanierungsbedarf. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
FEZ Berlin gehört vollständig dem Land – Verantwortung liegt nicht beim Bezirk
Die Ausgangslage ist vergleichsweise eindeutig: Seit 1995 bilden das FEZ und die Landesmusikakademie Berlin gemeinsam eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft, die zu hundert Prozent dem Land Berlin gehört. Das FEZ erhält zudem jährlich eine Zuwendung des Landes. Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter der Senatsverwaltungen für Jugend, Finanzen und Kultur sowie der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick.
Bahlmann sieht deshalb zunächst das Land Berlin in der Verantwortung. Der Bezirk könne politische Impulse setzen und Entwicklungen begleiten, entscheide jedoch nicht allein über eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Gleichzeitig hält er es für sinnvoll, weitere Finanzierungsquellen einzubeziehen. Gerade die Kombination aus Jugend-, Bildungs-, Kultur-, Sport- und Klimaschutzangeboten könne grundsätzlich verschiedene Förderansätze eröffnen.
Frühere Arbeiten zeigen bereits, dass das FEZ solche Mischfinanzierungen kennt. Bei der energetischen Sanierung der Gebäudehülle wurde die Förderung zunächst mit knapp acht Millionen Euro bewilligt und später auf knapp 11,27 Millionen Euro erhöht. Die Mittel kamen jeweils zur Hälfte vom Land Berlin und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Der markante Kugelbrunnen gehört zum denkmalgeschützten Ensemble des FEZ Berlin in der Wuhlheide. Seit 2025 steht der frühere Pionierpalast einschließlich seiner Freiflächen und Kunstwerke unter Denkmalschutz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Millionen fließen bereits in die Wuhlheide
Auch außerhalb des Hauptgebäudes wird derzeit erheblich investiert. Seit Sommer 2026 sollen insgesamt 15 Eingänge des Volksparks Wuhlheide erneuert werden. Dazu gehört auch der Zugang zum Parkplatz des FEZ. Vorgesehen sind unter anderem neue Stelen, Sitzgelegenheiten, Fahrradständer und Bodenbeläge. Zusätzlich sollen 41 Bäume gepflanzt und rund 2.800 Quadratmeter Pflanzflächen neu angelegt werden.
Für dieses Projekt stehen 5,2 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, kurz GRW, zur Verfügung. Bund und Land finanzieren dieses Programm gemeinsam. Damit zeigt sich unmittelbar vor dem FEZ, wie öffentliche Mittel unterschiedlicher Ebenen für größere Infrastrukturprojekte gebündelt werden können.
FEZ weist an verschiedenen Stellen Mängel auf
Allerdings liegt gerade darin auch eine Herausforderung. Die Wuhlheide ist kein einheitlich verwalteter Standort. Das Bezirksamt verweist selbst auf unterschiedliche Grundstückseigentümer, Betreiber, Interessen und Finanzierungshintergründe. Diese Struktur habe dazu beigetragen, dass das große Freizeitareal trotz seiner überregionalen Bedeutung an verschiedenen Stellen Mängel aufweise.
Bahlmann verweist deshalb auf andere große Freizeitprojekte in Treptow-Köpenick. Besonders deutlich zeigt sich das Finanzierungsmodell beim Spreepark. Der Bund stellte für dessen Sanierung insgesamt 15,48 Millionen Euro bereit. Darin enthalten waren 9,6 Millionen Euro Bundesanteil aus der GRW-Förderung, drei Millionen Euro für die Sanierung und Umnutzung der Werkhalle sowie 2,88 Millionen Euro für das Riesenrad. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor.

2027 soll das Riesenrad im Spreepark in Treptow-Köpenick wieder für Besucher öffnen. / © Visualisierung: realities_united & sbp schlaich bergermann partner
Spreepark und Mellowpark als Finanzierungs-Modell für FEZ
Auch dort greifen also verschiedene Förderwege ineinander. Die ehemalige Werkhalle wird beispielsweise zu einem Kultur- und Veranstaltungsort umgebaut. Der Spreepark lässt sich allerdings nicht eins zu eins auf das FEZ übertragen. Förderprogramme haben jeweils eigene Voraussetzungen, Laufzeiten und Förderschwerpunkte.
Ein weiteres Beispiel findet sich nur wenige Kilometer entfernt. Im Mellowpark soll eine neue BMX-Halle entstehen. Bereits 2020 unterstützte die Bezirksverordnetenversammlung den Ansatz, für das Projekt Mittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ zu beantragen. Die geplante Halle zeigt damit ebenfalls, wie Projekte mit Jugend- und Sportbezug über mehrere politische Ebenen finanziert werden können.

Das Baustellenschild im Mellowpark zeigt die Pläne für die neue klimaneutrale BMX-Halle in Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
FEZ-Sanierung: Erst Gutachten, dann Finanzierung
Für Bahlmann ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge. Bevor Berlin Förderanträge stellt oder größere Summen in den Haushalt schreibt, müsse der tatsächliche Sanierungsbedarf feststehen. Dafür brauche das FEZ zunächst eine fachliche Gesamtbewertung mit Prioritäten, Kosten und möglichen Bauabschnitten. Erst danach könne entschieden werden, welche Teile das Land selbst finanziert und wo Bundes- oder EU-Förderung sinnvoll erscheint.
Dabei spielt auch die AG Wuhlheide eine Rolle. Dort koordinieren Vertreter verschiedener Senatsverwaltungen, des Bezirks und lokale Akteure Maßnahmen, die sich aus dem Standortentwicklungskonzept Wuhlheide ergeben. Das Konzept wurde 2018 und 2019 aktualisiert und im Oktober 2021 vom Bezirksamt beschlossen.

Am FEZ Berlin laufen immer wieder einzelne Umbau- und Modernisierungsarbeiten. Für die größeren Aufgaben am Gebäudekomplex wird jedoch weiterhin ein übergreifender Sanierungsfahrplan gefordert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Nicht überall in der Wuhlheide funktioniert die Finanzierung
Bahlmann geht allerdings einen Schritt weiter. Sollten bestehende Zuständigkeiten größere Vorhaben ausbremsen, müsse aus seiner Sicht auch über strukturelle Veränderungen gesprochen werden. Gerade beim FEZ dürften notwendige Maßnahmen nicht zwischen unterschiedlichen Stellen hängen bleiben.
Dass Geld und Zuständigkeiten Entwicklung tatsächlich über Jahre blockieren können, zeigt ein anderes Gebäude direkt gegenüber dem FEZ. Die ehemalige KONSUM-Gaststätte steht weiterhin leer. In der Vergangenheit wurden eine Jugendherberge, eine Kita, eine Ausbildungsakademie und ein Besucherzentrum geprüft. Für eine frühere Jugendherbergsplanung standen sogar rund 3,1 Millionen Euro bereit, trotzdem kam das Projekt nicht zustande.

Dichtes Gestrüpp verdeckt große Teile der ehemaligen KONSUM-Gaststätte in der Wuhlheide. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Sanierungsplan für FEZ hat oberste Priorität
Beim FEZ selbst will Bahlmann eine solche Entwicklung verhindern. Seine Forderung lautet deshalb nicht, möglichst schnell eine hohe Summe aufzurufen. Zuerst müsse Berlin den baulichen Zustand belastbar erfassen. Danach brauche es einen mehrjährigen Sanierungsplan und ein Finanzierungskonzept, das Land, Bund und geeignete Förderprogramme zusammenführt.
Damit bleibt die entscheidende Zahl vorerst unbekannt: Was die nächste große Sanierung des FEZ tatsächlich kosten wird, steht bislang nicht fest. Sicher ist nur, dass vergleichbare Vorhaben in der Wuhlheide längst zeigen, welche Größenordnung öffentliche Investitionen an diesem Standort erreichen können.
FEZ-Berlin
Quellen: Interview von ENTWICKLUNGSSTADT mit Paul Bahlmann, Landesdenkmalamt Berlin, FEZ, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Bezirksamt Treptow-Köpenick
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