Über 20 Jahre lag über einer Supermarktdecke der historische Ballsaal in Tegel. Erst vor zwei Jahren wurde der Raum freigelegt, nun steht er unter Denkmalschutz und soll verkauft werden. Vielleicht beginnt hier bald ein neues Kapitel für Reinickendorf.

Der historische Festsaal in Tegel steht derzeit zum Verkauf. Über Jahre befand sich im Erdgeschoss ein Lebensmittelmarkt, während darüber der verborgene Trapp’sche Festsaal schlummerte, nun soll der denkmalgeschützte Raum wieder zum Leben erweckt werden. / © Foto: IMAGO / Jürgen Ritter
© Foto: IMAGO / Jürgen Ritter
© Foto Titelbild: Landesdenkmalamt Berlin / Hamid Djadda
Hinter der Fassade eines Altbaus an der Buddestraße verbirgt sich ein rund 400 Quadratmeter großer Festsaal aus dem frühen 20. Jahrhundert. 1906 wurde hier gefeiert und getanzt. Hohe Bogenfenster und historische Details prägen bis heute den Raum. Jahrzehntelang blieb er jedoch unsichtbar. Über 20 Jahre befand sich unter einer eingezogenen Zwischendecke ein Supermarkt.
Erst nach dem Auszug des Discounters ließ Eigentümer Hamid Djadda die Decke entfernen. Vor zwei Jahren kam der Saal wieder zum Vorschein. Inzwischen steht er unter Denkmalschutz. Eine Sanierung wäre jedoch aufwendig. Mehrere Millionen Euro wären nötig, um Brandschutz, Statik und Infrastruktur zeitgemäß zu ertüchtigen. Diese Summe kann der Eigentümer nach eigenen Angaben nicht aufbringen.
Festsaal Tegel zum Verkauf: Eine Million Euro für denkmalgeschützten Kulturstandort in Reinickendorf
Djadda bietet den Saal nun für rund eine Million Euro zum Verkauf an, wie rbb24 berichtet. Das Bauberatungszentrum Reinickendorf begleitet den Prozess. Diskutiert wird vor allem eine kulturelle Nutzung. Bezirksstadträtin Korinna Stephan (Grüne) erklärte laut rbb, eine solche Einrichtung gebe es in Reinickendorf bislang nicht. Sie könne sich vorstellen, dass ein Verein oder eine Stiftung gegründet werde, um das Gebäude zu erwerben und kulturell zu betreiben.
Djadda äußerte sich ebenfalls gegenüber rbb24 zur Perspektive des Hauses. Üblicherweise kämen zunächst Künstlerinnen und Künstler, belebten einen Ort, später stiegen die Mieten, und die Kreativen würden verdrängt. Seiner Ansicht nach bestehe hier die Chance, diesen Kreislauf einmal zu durchbrechen. Eine gemeinwohlorientierte Struktur könne langfristige Stabilität schaffen.
Zwischennutzung im Trapp’schen Festsaal: Kunstprojekt „Vulkan“ zeigt Potenzial für kulturelle Wiederbelebung in Tegel
Einen ersten Eindruck, wie der Saal wirken kann, liefert bereits eine Zwischennutzung. Die Künstlerin Valeska Peschke bespielt den Raum mit ihrer Installation „Vulkan“. Sie sieht Kunst als Motor für Transformation. Die Architektur mit ihren Bögen und der offenen Fläche erinnere sie an Tanz und Bewegung. Ihre Vision sei eine Stiftung, die den Saal erwirbt und dort Ateliers sowie ein Café etabliert.
Die Geschichte des Hauses zeigt, wie wandelbar der Ort ist. Ursprünglich als Ausflugsgaststätte mit Tanzsaal errichtet, wurde der Raum später zum Kino umgebaut und danach als Einzelhandelsfläche genutzt. Der „Filmpalast Tegel“ bot einst mehr als 600 Plätze, bevor der Kinobetrieb 1965 endete. Es folgten Jahrzehnte als Selbstbedienungsladen und Discounter.
Denkmalschutz und Finanzierung: Welche Zukunft hat der Trapp’sche Festsaal in Berlin-Tegel?
Mit dem Denkmalschutz wächst die Verantwortung, die historische Substanz zu erhalten. Zugleich steigen die Anforderungen an Brandschutz und Sicherheit. Ohne tragfähiges Nutzungskonzept und gesicherte Finanzierung bleibt die Zukunft unklar. Fördermittel stehen im Raum, decken jedoch nicht alle Kosten.
Doch der Trapp’sche Festsaal scheint mehr zu sein, als ein Relikt vergangener Zeiten. Er ist ein Stück Tegeler Stadtgeschichte. Ob er erneut zu einem Ort der Begegnung wird, hängt nun von Engagement, Konzept und Kapital ab. Vielleicht beginnt hier tatsächlich bald ein neues Kapitel, nicht als Supermarkt über verborgener Decke, sondern als offener Kulturraum im Berliner Norden.
Quellen: rbb24, Landesdenkmalamt Berlin, Geschichtsforum Tegel, Berliner Morgenpost
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Zitat, „Der „Filmpalast Tegel“ bot einst mehr als 600 Plätze..“
Zum Vergleich, „..die „Komödie am Kurfürstendamm“ [..] Unterirdisch entstehen derzeit technische Einrichtungen für den Theatersaal mit 640 Plätzen.“ https://www.entwicklungsstadt.de/bauprojekt-fuerst-in-der-city-west-sichtbarer-baufortschritt-am-kurfuerstendamm/