Mit der Umbenennung der Mohrenstraße endet eine jahrelange Debatte um einen kolonial belasteten Straßennamen in Berlins historischer Mitte. Der neue Name ehrt den Philosophen Anton Wilhelm Amo und steht zugleich für eine komplexe gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und Teilhabe. Die Reaktionen auf die Umbenennung sind sehr gemischt.

Am 23. August wurde aus der Mohrenstraße offiziell die Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Der Festakt schließt ein langes Kapitel politischer Auseinandersetzung, eröffnet aber zugleich neue Fragen zur kolonialen Erinnerung in der Hauptstadt. / © Foto: IMAGO, pictureteam
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Mit einem großen Festakt ist die Mohrenstraße in Berlin-Mitte am Samstag offiziell in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt worden. Damit endet eine jahrzehntelange Debatte um einen Straßennamen, der seit langem als rassistisch kritisiert wurde. Der neue Name erinnert an Anton Wilhelm Amo, den ersten schwarzen Philosophen mit Professur an einer deutschen Universität im 18. Jahrhundert.
Die Umbenennung war politisch und juristisch stark umkämpft. Mehrere Anwohner hatten gegen den Beschluss des Bezirksamts Mitte geklagt, konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Mit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts war der Weg endgültig frei für die symbolträchtige Neubenennung.
Berlin-Mitte: Offizielle Umbenennung der Mohrenstraße erfolgte am Samstag
Der Festakt fand bewusst am 23. August, dem Internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel, statt. Mit Musik, Performances und Redebeiträgen wurde die Straße an diesem Tag neu eingeweiht – als sichtbares Zeichen für eine Auseinandersetzung mit Geschichte und ein Bekenntnis zu einer offenen Stadtgesellschaft.
Zahlreiche Menschen wohnten der Zeremonie bei, am Hausvogteiplatz fand ein Straßenfest mit hunderten Besuchern statt. Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger enthüllte die neuen Straßenschilder im Laufe der Zeremonie, begleitet von viel Beifall durch die anwesenden Gäste.
„Möhrenstraße“ oder „No-More-Mohrenstraße“: Neue Namensvorschläge gab es genug
Doch auch nach der offiziellen Umbenennung wird das Thema medial sehr kontrovers angenommen. Teresa Roelcke vom Tagesspiegel begrüßte die Umbenennung: „Auch wenn das M-Wort heute nicht als alltägliches Schulhofschimpfwort verwendet wird – konnotiert mit gleichberechtigter demokratischer Teilhabe ist es ganz sicher nicht. Die wohl bekannteste Assoziation mit dem Wort dürfte die Figur sein, mit der die Schokoladenfirma Sarotti wirbt: ein exotisch eingekleideter Diener. Sogar die Schokoladenfirma schien sich mit den Assoziationen des M-Worts nicht mehr wohlzufühlen, hat ihn 2004 in Magier umbenannt und die Hautfarbe aufgehellt. Wie elegant diese Lösung war, sei dahingestellt.“
Uta Keseling von der Berliner Morgenpost hingegen sieht in der Straßenumbenennung eine vergebene Chance und hat einen ganz pragmatischen Vorschlag: „Ich gebe zu, ich war heimlicher Fan der „Möhrenstraße“. Pragmatischer und vor allem amüsanter wäre Berlin das Problem doch kaum losgeworden, das die Hauptstadt seit Jahrzehnten in Wallung bringt wie sonst nur, sagen wir, Tempolimits. (…) Die Möhrenstraße wäre zu schön gewesen! Eine Ohrenstraße hätte ich auch gut gefunden. Um mit dem – zunehmend zum Denglisch tendierenden – Zeitgeist zu gehen, hätte sich vielleicht auch eine No-more-Mohrenstraße empfohlen.“
Tuba Bozkur: Klares Signal für Respekt und Vielfalt
Die Grünen-Abgeordnete Tuba Bozkurt kommentierte die Umbenennung laut Spiegel weniger launisch, aber deutlich wohlwollender: „Für viele schwarze Menschen war dieser Straßenname eine tägliche Erinnerung an Ausgrenzung – jetzt setzen wir ein klares Signal für Respekt und Vielfalt.“
Die Berliner CDU hatte die Umbenennung bis zuletzt kritisch begleitet. Vertreter der Partei bemängelten insbesondere, dass die betroffenen Anwohner nicht ausreichend in den Prozess einbezogen worden seien. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bezirk Mitte, Sebastian Pieper, äußerte zudem die Ansicht, es handele sich bei der Entscheidung um ein Geschenk der Grünen an eine linke Community.
Berlins CDU kritisiert die Umbenennung, die taz sieht den „Furor der Ewiggestrigen“
Die taz nannte den Protest der CDU in einem Leitartikel den „Furor der Ewiggestrigen“ und ging in ihrer Darstellung noch einmal auf die Einbeziehung der Anwohnerinnen und Anwohner ein: „Schließlich ist es auch nicht zutreffend, dass „die Politik“ hier selbstherrlich entschieden habe. Der Bezirk hat die Bürger an vielen Stellen einbezogen, nicht zuletzt bei der Frage nach einem neuen Namen. Auch weil es nach dem Beschluss des Bezirksamts zur Umbenennung vor fünf Jahren über 1.000 Einwendungen gab, hat sich die Umbenennung bis heute hingezogen.“
Die Berliner Zeitung hingegen nannte die nun erfolgte Umbenennung das „Decolonize-Märchen über Anton Wilhelm Amo“ und kritisierte damit die Namenswahl des Bezirks Mitte: „Die Hintergründe des ehrenwerten neuen Namensgebers im kolonialen Elitenspiel bleiben mysteriös. Spuren führen zu Sklavenhändlern.“
Es geht um einen Namen, aber auch um demokratische Aushandlungsprozesse
Dass das Thema Mohrenstraße nicht nur in den Berliner Medien eine Rolle spielte, sondern auch bundesweit beachtet wurde, machte ein längerer Artikel der FAZ deutlich, der das Dilemma sachlich zu umschreiben versuchte: „Vor Gericht und jetzt wieder auf dem Hausvogteiplatz wurde klar, um was es geht: um einen Namen, aber auch um demokratische Aushandlungsprozesse, vielleicht einen Generationenkonflikt und einen über Herkunft. Eine Rednerin reagierte am Samstag auf den Einwand einiger Anwohner, der Name Mohrenstraße sei historisch und ursprünglich nicht diskriminierend gemeint, mit einem Gedicht über eine Kartoffel, gemeint als Sinnbild des Deutschseins.“
Mit der offiziellen Einweihung der Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist ein langjähriger Konflikt nun formell beendet, die Debatten darüber aber keineswegs. Zwischen Forderungen nach einer konsequenten Dekolonisierung des Stadtbildes und der Kritik an fehlender Pragmatik oder Bürgernähe prallen unterschiedliche Perspektiven aufeinander.
Die Umbenennung steht damit sinnbildlich für den schwierigen Balanceakt zwischen Erinnerungskultur, demokratischer Teilhabe und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Verständigung. Die neue Anton-Wilhelm-Amo-Straße bleibt so nicht nur ein geografischer Ort in Berlins historisch aufgeladener Mitte, sondern auch ein Symbol für den gesellschaftlichen Wandel und die Komplexität historischer Aufarbeitung.

Ein Bürgerfest auf dem Hausvogteiplatz begleitete die Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin-Mitte. / © Foto: IMAGO, pictureteam
Quellen: Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, taz
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„demokratische Aushandlungsprozesse“… wenn ich so einen Schwachsinn höre..demokratisch wäre, wenn die Straße weiterhin Mohrenstraße heißen würde… wenn nicht gegendert würde in Medien und öffentlichlichen Einrichtungen, wenn nicht jeder, der an der Grenze das Wort Asyl ausspricht, auf Jahre hinweg den deutschen Sozialstaat beanspruchen dürfte usw usw .. Es gibt in „Unserer Demokratie“ Unsinn, Irrsinn und Wahnsinn ohne Ende… aber eines gibt es für all diesen Unsinn, Irrsinn und Wahnsinn mit Sicherheit nicht: demokratische Legitimation. Also: sprechen Sie bitte nicht von „demokratischen Aushandlungsprozessen“, wenn sich lediglich eine aggressive Minderheit (von wem auch immer finanziert) gegen eine große Mehrheit, die einfach übergangen wird, durchsetzt! ..Vorübergehend durchsetzt- so möchte ich hoffen!