Der Neubau des Heinrich-Hertz-Gymnasiums ist fast fertig. Doch 1.080 Quadratmeter Schulhoffläche fehlen – und der Bezirk lehnt eine Erweiterung ab.

Ein Schild der Berliner Schulbauoffensive steht vor dem fast fertig wirkenden Neubau des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Friedrichshain nahe dem Ostbahnhof. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Neubau des Heinrich-Hertz-Gymnasiums am Berliner Ostbahnhof steht kurz vor der Übergabe. Nach jahrelanger Planung und dem Bau bekommt die bekannte Schule mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil ein modernes Gebäude für 784 Schülerinnen und Schüler. Doch kurz vor dem Abschluss rückt erneut ein Problem in den Mittelpunkt, das die Planungen schon seit Jahren begleitet: Auf dem Grundstück fehlt Platz.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Müncheberger Straße 8 / Lange Straße, 10243 Berlin
- Schulplätze: 784
- Übergabe/Fertigstellung: Anfang September 2026
- Geplanter Schulstart: Anfang Februar 2027
Der Neubau entsteht auf einem ehemaligen Parkplatz nördlich des Ostbahnhofs. Bereits bei der Planung galt das Grundstück als schwieriger Standort. Der Bezirk entschied sich dennoch für das Areal, weil zusätzliche Schulplätze dringend benötigt wurden. Aus dem bisherigen dreizügigen Heinrich-Hertz-Gymnasium wird am neuen Standort eine vierzügige Schule mit 784 Plätzen.
Die Schulgemeinschaft wirkte ungewöhnlich intensiv an der Planung mit. Seit 2020 brachten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte ihre Anforderungen in Workshops ein. Daraus entstand unter anderem das Konzept mit Lern-Compartments, zentralen Gemeinschaftsflächen sowie nutzbaren Dachterrassen. Gerade diese Dachflächen spielen heute eine wichtige Rolle, weil auf Bodenniveau nicht genug Freiraum vorhanden ist.
Heinrich-Hertz-Gymnasium: 1.080 Quadratmeter Schulhoffläche fehlen
Nach Recherchen des Tagesspiegels fehlen dem Heinrich-Hertz-Gymnasium trotz dieser Lösungen mehr als 1.080 Quadratmeter erforderliche Schulhoffläche. Der Bezirk bestätigt grundsätzlich, dass das Grundstück die Anforderungen des Berliner Musterfreiflächenprogramms für ein vierzügiges Gymnasium nicht erfüllt. Das gilt nach Angaben des Bezirksamts erst recht, wenn die beiden grundständigen Züge der Klassen fünf und sechs berücksichtigt werden.
Der Konflikt reicht bis in die frühe Planung zurück. Bereits 2022 wurde öffentlich, dass bei Berechnungen zu den Außenflächen zunächst rund 120 Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Eine Ausnahmegenehmigung ermöglichte die weitere Umsetzung des Neubaus. Das grundlegende Flächenproblem verschwand damit jedoch nicht.

Der Neubau des Heinrich-Hertz-Gymnasiums am Ostbahnhof soll bereits zum 31. August 2026 an den Bezirk übergeben werden, die Schülerinnen und Schüler können jedoch erst im kommenden Jahr einziehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Angrenzende Sackgasse soll nicht Teil des Schulgeländes werden
Die Schulgemeinschaft setzte deshalb zuletzt auf eine Fläche direkt neben dem Neubau. Eine angrenzende Sackgasse soll künftig zur Fußgängerzone werden. Eltern sowie heutige und frühere Vertreter der Schule regten an, zumindest einen Teil dieses Straßenraums dem Schulgrundstück zuzuschlagen. Der zusätzliche Bereich könnte den knappen Schulhof erweitern.
Das Bezirksamt lehnt eine entsprechende Planungsänderung jedoch ab. Nach seiner Darstellung würden Eingriffe in die bereits laufende Planung Arbeiten außerhalb des Schulgrundstücks verzögern und zusätzliche, bislang nicht eingeplante Kosten verursachen. Auch die geplante Gestaltung des öffentlichen Straßenraums soll deshalb unverändert umgesetzt werden.
Sporthalle liegt rund 600 Meter vom Neubau entfernt
Die Folgen des kleinen Grundstücks gehen über den Schulhof hinaus. Für eine eigene Sporthalle reichte der Platz ebenfalls nicht. Deshalb entsteht die Sechsfeld-Sporthalle an der Fredersdorfer Straße. Der Bezirk nennt dafür eine Entfernung von etwa fünf Gehminuten. Die Fertigstellung der Sporthalle ist derzeit für Ende 2026 vorgesehen.
Auch Fahrradstellplätze und Behindertenparkplätze befinden sich außerhalb des eigentlichen Schulgrundstücks. Gerade die Fahrradplätze sollen in dem Straßenbereich entstehen, den die Schulgemeinschaft zumindest teilweise dem Schulgelände zuschlagen möchte. Eltern verweisen dabei auch auf den Schutz der abgestellten Räder im stark frequentierten Umfeld des Ostbahnhofs.
Zuvor fehlte Geld für Möbel im Heinrich-Hertz-Gymnasium
Der Flächenstreit ist nicht das erste Problem kurz vor Abschluss des Projekts. Im Frühjahr 2026 war zeitweise unklar, wie Möbel, Fachraumausstattung und weitere bewegliche Einrichtungen finanziert werden sollten. Während das Land zunächst rund 532.000 Euro für die zusätzlichen 166 Schulplätze bereitstellen wollte, lag der errechnete Gesamtbedarf deutlich höher.
Im Juli zeichneten Senat und Bezirk schließlich einen Finanzierungsweg vor. Der Bezirk meldete 1,8 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes an. Zusammen mit bereits zugesagten rund 530.000 Euro stehen damit etwa 2,33 Millionen Euro für die Erstausstattung im Raum. Die endgültige Freigabe läuft über das vorgesehene parlamentarische Verfahren.
Schulstart am Ostbahnhof ist für Februar 2027 vorgesehen
Baulich befindet sich das Projekt dagegen auf der Zielgeraden. Die HOWOGE will das Gebäude Anfang September 2026 an Friedrichshain-Kreuzberg übergeben. Anschließend folgen die Einrichtung sowie Arbeiten an Fahrradstellplätzen und Behindertenparkplätzen. Der Unterricht am neuen Standort soll nach aktuellem Stand Anfang Februar 2027 beginnen.
Damit bekommt das Heinrich-Hertz-Gymnasium zwar ein modernes Gebäude, doch die Diskussion über den Außenraum dürfte mit der Übergabe nicht automatisch enden. Der Bezirk hält an der bestehenden Planung fest. Die Schulgemeinschaft fordert dagegen weiter eine pragmatische Erweiterung. Ob sich daran noch etwas ändert, ist derzeit offen.
Neubau Heinrich-Hertz-Gymnasium
Quellen: Tagesspiegel, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, HOWOGE, Heinrich-Hertz-Gymnasium
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Eigentlich finde ich einen Teil der grünen Politik ja ganz gut. Aber in Friedrichshain-Kreuzberg fehlt mir insbesondere für das Vorgehen des Baustadtrats das Verständnis. Vielleicht kann man das auch nur aus einer bestimmten Blase heraus verstehen? Schade, dass diese Schule anscheinend ein Opfer dieser Politik zu werden scheint. Vielleicht ändert sich ja mit den Wahlen auch im Bezirk etwas …