Wohnungen sind in Frankfurt knapp, trotzdem stehen Tausende Einheiten leer. Doch hinter den Zahlen verbergen sich sehr unterschiedliche Arten von Leerstand. Nun wird darüber gestritten, ob die Stadt mit einer neuen Satzung eingreifen sollte.
© Titelbild: Stadt Frankfurt am Main
Während in Frankfurt Wohnungen gesucht werden, bleiben zugleich Tausende Einheiten unbewohnt. Wie viele davon tatsächlich kurzfristig vermietet werden könnten, ist allerdings umstritten. Genau diese Frage steht nun im Zentrum einer Debatte über eine geplante Leerstandssatzung.
- Gebiet: Frankfurt am Main
- Thema: Wohnungsleerstand
- Zensus 2022:983 leerstehende Wohnungen
- Leerstandsquote im Zensus: 3,2 Prozent
- Davon mindestens sechs Monate leer:686 Wohnungen
Nach der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus standen am 15. Mai 2022 in Frankfurt genau 12.983 Wohnungen leer. Das entsprach 3,2 Prozent des damaligen Wohnungsbestands einschließlich Wohnheimen. Besonders relevant ist die Dauer: 6.686 Wohnungen und damit 51,9 Prozent des erfassten Leerstands waren bereits mindestens sechs Monate ungenutzt.
12.983 oder rund 7.000 Wohnungen: Warum sich die Leerstandszahlen unterscheiden
Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass fast 13.000 bezugsfertige Wohnungen einfach auf neue Mieterinnen und Mieter warten. Wohnungen konnten etwa wegen eines Mieterwechsels, einer Sanierung oder Modernisierung zeitweise leer stehen. Haus & Grund verweist zudem darauf, dass nach den Zensusdaten bei rund 20 Prozent der leerstehenden Wohnungen laufende oder geplante Baumaßnahmen als Grund genannt wurden.
Inzwischen liegt eine weitere Zahl auf dem Tisch. Haus & Grund Frankfurt beruft sich auf Berechnungen des Instituts GEWOS, nach denen 1,7 Prozent der Wohnungen in Frankfurt leer stehen. Bei rund 420.000 Wohnungen entspräche das rechnerisch mehr als 7.000 Einheiten. Der Eigentümerverein argumentiert außerdem, ein Wohnungsmarkt benötige eine gewisse Reserve, damit Umzüge, Renovierungen und Mieterwechsel möglich bleiben. Die entscheidende Frage lautet also, welcher Teil des Leerstands vermeidbar ist und welcher durch Umbau, Sanierung oder normale Wechsel entsteht.

Schäfergasse 33 in Frankfurt: Vor dem Gebäude sichern Bauzäune und Absperrungen den laufenden Umbau zu 64 neuen Wohnungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wohnungen entstehen in Frankfurt durch Umnutzung
Gleichzeitig versucht Frankfurt, neuen Wohnraum auf mehreren Wegen zu schaffen. Die Umwandlung eines früheren Bürogebäudes in der Schäfergasse in 64 soziale Wohnungen ist ein Ansatz. Auch in Niederrad werden frühere Bürostandorte umgebaut oder neu entwickelt. So entstehen auf dem ehemaligen Siemens-Areal an der Lyoner Straße 624 Wohnungen.
Neue Möglichkeiten gegen langfristigen Wohnungsleerstand eröffnet seit November 2025 das hessische Leerstandsgesetz. Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt dürfen eine eigene Satzung beschließen. Dann kann absichtlicher Leerstand von mehr als sechs Monaten genehmigungspflichtig werden. Sanierungen, Modernisierungen oder etwa Erbauseinandersetzungen berücksichtigt das Gesetz ausdrücklich. Bei bestimmten Verstößen sind Bußgelder von bis zu 500.000 Euro möglich.
Leerstandssatzung in Frankfurt: Entscheidung steht noch aus
Frankfurt arbeitet an einer solchen Satzung, beschlossen ist sie bislang jedoch nicht. Planungsdezernent Marcus Gwechenberger erklärte zuletzt, die Arbeiten seien auf der Zielgeraden. Nach seinem Stand könnte die Vorlage noch 2026 beraten werden. Die Stadt will nach eigener Darstellung nicht gegen kurzfristigen Leerstand vorgehen, sondern Wohnungen erfassen, die ohne ausreichenden Grund über längere Zeit ungenutzt bleiben.
Haus & Grund hält dagegen. Der Eigentümerverein sieht angesichts der GEWOS-Zahlen keinen Bedarf für zusätzliche Regeln und warnt vor Meldepflichten sowie zusätzlicher Bürokratie. Damit dreht sich der Streit weniger darum, ob Wohnungen in Frankfurt leer stehen. Entscheidend ist vielmehr, wie viel dieses Leerstands tatsächlich vermeidbar ist – und wie viele Wohnungen eine kommunale Satzung am Ende wieder auf den Markt bringen könnte.
Quellen: Frankfurter Rundschau, Hessische Landesregierung, Haus & Grund Frankfurt am Main
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