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Während Berlin seit Jahren auf den Bau von Fahrradparkhäusern wartet, ist in Eberswalde bereits ein Vorzeigeprojekt entstanden. Direkt am Bahnhof zeigt ein neues Parkhaus, wie Radverkehr gefördert und nachhaltige Materialien eingesetzt werden können. Doch es gibt Hoffnung, denn am Bahnhof Schöneweide soll ein vergleichbares Parkhaus nach Plänen des selben Architekturbüros entstehen.

Eberswalde hat es vorgemacht: Mit einem modernen Fahrradparkhaus direkt am Bahnhof schafft die Stadt sichere und attraktive Abstellmöglichkeiten für über 600 Räder. / © Foto: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

© Fotos: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

 

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Seit November 2022 verfügt der Bahnhof Eberswalde über ein Fahrradparkhaus mit 604 Stellplätzen auf zwei Ebenen. Abgestellt werden können hier nicht nur herkömmliche Räder, sondern auch Lastenräder und E-Bikes. Ergänzt wird das Angebot durch Luftpumpen, Werkzeug und 56 abschließbare Boxen, von denen einige über Stromanschlüsse verfügen.

Architektonisch prägt das Gebäude eine markante Holz-Beton-Konstruktion. Auffällig sind die gekreuzten Stützen und das auskragende Dach aus Lärchenholz, das die Architekten von Leitplan entwarfen. Nach witterungsbedingten Verzögerungen bei der Fertigstellung ist das Parkhaus inzwischen seit Jahren in Betrieb und wird gut genutzt.

Eberswalde schafft neue Kapazitäten: Berlin steckt beim Bau von Fahrradparkhäusern fest

Die Stadt Eberswalde, mit rund 42.000 Einwohnern, reagierte mit dem Neubau eines Fahrradparkhauses auf steigenden Bedarf. Prognosen zeigen, dass mehr Menschen in die Stadt ziehen und Pendlerströme wachsen. Schon jetzt kommen mehr Beschäftigte aus umliegenden Orten in die Stadt, als sie verlassen. Mit dem Parkhaus soll das bislang ungeordnete Abstellen von Fahrrädern rund um den Bahnhof beendet werden.

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In Berlin zeigt sich ein anderes Bild. Obwohl der Bedarf an Fahrradabstellanlagen stark wächst, verzögert sich der Bau von Parkhäusern an Bahnhöfen seit Jahren. Komplexe Planungsverfahren und Personalmangel in den Bezirksämtern bremsen die Umsetzung. Selbst am Hauptbahnhof, wo Infravelo bis 2030 über 1.300 neue Stellplätze vorsieht, gibt es bislang nur erste Planungen.

Immerhin – kürzlich stellte Infravelo ein Projekt vor, welches am Bahnhof Schöneweide realisiert werden soll, nach Plänen von – natürlich – Leitplan. Die Ähnlichkeit der Entwürfe ist offensichtlich, das Büro sitzt im Übrigen in Berlin.

Hauptbahnhof und Ostkreuz im Fokus: zentrale Projekte beim Fahrradparken bleiben hinter dem Zeitplan zurück

Doch das Projekt im Südosten der Hauptstadt deckt den Bedarf natürlich nur in geringem Maße. Die Nachfrage nach sicheren Abstellplätzen ist groß, doch komplexe Verfahren und fehlendes Personal in den Bezirken bremsen die Umsetzung. Am Hauptbahnhof etwa sollen bis 2030 mehr als 1.300 neue Stellplätze entstehen, bislang existieren jedoch nur wenige Hundert.

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Ein besonders prominentes Beispiel ist das geplante Fahrradparkhaus am Ostkreuz. Dort sollen 2.000 Stellplätze und zusätzliche Serviceangebote entstehen. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2027 vorgesehen, inzwischen rechnet man frühestens 2028 mit einer Eröffnung. Auch Projekte in Haselhorst und Mahlsdorf hinken hinterher.

Mobile Anlagen und Bike+Ride-Offensive: Erste gesicherte Stellplätze in Berlin entstehen

Trotz der Verzögerungen gibt es auch neben dem kürzlich vorgestellten Projekt am Bahnhof Schöneweide weitere vereinzelte Fortschritte. So wurden mobile Sammelschließanlagen an vier Standorten eingerichtet: in Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick und Neukölln. Jeweils 20 gesicherte Stellplätze und vier Einzelboxen stehen dort zur Verfügung. Die Anlagen laufen über das System „ParkYourBike“ und werden per Photovoltaik mit Strom versorgt.

Zudem entstehen im Rahmen der Bike+Ride-Offensive neue Abstellanlagen. Bis Ende 2025 sollen an den S-Bahnhöfen Adlershof, Hermsdorf und Lichterfelde Süd mehr als 140 gesicherte Stellplätze hinzukommen. Während in Adlershof bereits erste Plätze nutzbar sind, dauern die Bauarbeiten an den anderen Standorten noch an.

Funktionsfähige Infrastruktur in Brandenburg, stockende Planungen in der Hauptstadt

Das längst abgeschlossene Projekt in Eberswalde zeigt, dass auch kleinere Städte funktionale und architektonisch anspruchsvolle Fahrradparkhäuser realisieren können. Dort profitieren Radfahrende schon heute von einer sicheren und modernen Infrastruktur.

Berlin dagegen muss beweisen, dass die zahlreichen Planungen nicht erneut im Verwaltungsstau versinken. Solange Projekte wie am Hauptbahnhof oder am Ostkreuz auf sich warten lassen, bleibt die Stadt beim Thema Fahrradparken hinter den eigenen Zielen zurück. Der Blick nach Brandenburg macht deutlich, dass es auch anders gehen könnte. In absehbarer Zukunft lässt sich ein fertiges Modellprojekt hoffentlich am Bahnhof Schöneweide begutachten, bis Anfang 2027 soll das neue Parkhaus dann fertig sein.

© Foto: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

© Foto: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

© Foto: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

© Foto: Michael O´Ryan / Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

Quellen: Eberswalde Magazin, Bauwelt, Infravelo, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Bezirksamt Spandau, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Leitplan GmbH Planungs- und Entwicklungsgesellschaft

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4 Kommentare

  1. a.tirpitz 24. September 2025 at 09:49 - Reply

    Soetwas und hundert andere Dinge waren die Gründe, warum seinerzeit sich das Bürgerbegehren in Brandenburg gegen einen Zusammenlegung beider Länder aussprach. Heute dagegen bräuchte man so ein Begehren gar nicht mehr auch nur zu erwägen, denn mittlerweile sehen extrem viele Brandenburger die Hauptstadt als ein hoffnungsloses Gebilde an. (Ich erspare mir hier dabei die viel drastischeren Adjektive, die bisweilen für Berlin benutzt werden)

  2. Max 24. September 2025 at 20:54 - Reply

    @a.tirpitz Dass Brandenburg in den letzten 20 Jahren nicht massiv geschrumpft ist, hat es einzig und allein dem Berliner Wirtschaftsboom zu verdanken. Dass sich Eberswalde ein schickes Fahrradparkhaus an den Bahnhof setzt, das wäre ohne Berlin überhaupt nicht möglich, auch nicht sinnvoll. Denn schon rein funktional existiert es überhaupt, damit Eberswalder über den Tag ihr Rad dort sicher abstellen können, während sie nach Berlin pendeln und dort arbeiten.

    Es ist schön für die Brandenburger Speckgürtel-Kommunen und die Städte in der 2. Reihe, wenn sie dadurch profitieren und jetzt eigene Akzente setzen können, weil sie dank warmer Steuereinnahmen durch Gewerbe und in Berlin arbeitenden Gutverdienern entspannt in die Zukunft blicken können. Aber bitte hört doch mit dieser tolldreisten Heuchelei auf. Ohne Berlin wäre Brandenburg ein trauriges, sandiges, gottverlassenes Ödland, wo der Wolf dem Menschen Gute Nacht sagt.

    Davon abgesehen kann man ganze Bibliotheken darüber füllen, was in Brandenburg so alles nicht so gut läuft… oder gar meilenweit hinterherhinkt. Nicht zu vergessen, dass es in der brandenburgischen Peripherie fernab Berlins wirklich ganz ganz düster aussieht, wenn man über Infrastruktur spricht.

    Grüße von einem Brandenburger, der in der Realität lebt…

    • Böhme 26. September 2025 at 06:36 - Reply

      Gut und völlig richtig gekontert! Andererseits ändert das nichts daran, dass eine Zusammenlegung beider Länder Brandenburg massiv schaden würde – sage ich als Berliner!

      Und zum Thema: Fahrradparkhäuser sind absoluter Nonsense. Wenn sie neu eingeweiht werden, sehen sie gepflegt und schick aus. Nach kurzer Zeit werden sie von den „Vandalen“ geschlachtet, in die Parkhäuser wird gepisst und gegebenenfalls sogar geschissen, Fahrräder werden beschädigt, Fahrräder werden nicht wieder abgeholt und werden zu Fahrradleichen. Und Ergebnis: Immer weniger der Pendler stellen ihre Fahrräder nicht dort ab. Dafür hat das Ganze dann aber Hunderttausende gekostet. Aber der dumpfhohle Steuerzahler zahlt das ja alles – und aus dem linkswoken Lager wird das alles aber bejubelt.

  3. Antje 24. September 2025 at 23:49 - Reply

    Luftpumpen und Werkzeug sind in Eberswalde mittlerweile leider wegen Vandalismus Schäden entfernt.
    https://www.moz.de/lokales/eberswalde/bahnhof-in-eberswalde-stadt-entfernt-ladestationen-am-fahrradparkhaus-77860841.html

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