Tempelhof, Tegel oder Schönefeld: Die EXPO 2035 könnte ganze Entwicklungsräume Berlins transformieren. Doch während die Initiatoren offensiv für das Projekt werben, verliert sich Kai Wegners Senat offenbar im politischen Krisenmanagement. Nun soll das Projekt zwar umgesetzt werden, aber nur gemeinsam mit Brandenburg.

Berlin hätte die Chance, Europas einzige EXPO-Bewerbung auf den Weg zu bringen. Doch das anhaltende Zögern des Regierenden Bürgermeisters lässt die Sorge wachsen, dass das Projekt am Ende politisch scheitern könnte. / © Visualisierung: EXPO 2035, gmp Architekten

© Visualisierung Titelbild: LANGHOF GmbH

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Die Debatte um eine mögliche EXPO 2035 in Berlin spitzt sich weiter zu. Während die Initiatoren der Bewerbung seit Monaten versuchen, politische Unterstützung zu mobilisieren und konkrete Zukunftsbilder für die Hauptstadt zu entwerfen, fehlt bislang vor allem eines: eine klare Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner.

Obwohl sich Wegner zuletzt grundsätzlich offen gegenüber einer Bewerbung zeigte, bleibt unklar, ob Berlin den Schritt tatsächlich wagt; und genau diese Unentschlossenheit könnte das gesamte Projekt scheitern lassen.

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EXPO 2035 und Wegners Zögern: Zwischen Aufbruchsstimmung und politischem Stillstand

Die Initiative hinter der EXPO 2035 kämpft derzeit auf unterschiedlichen Ebenen um Unterstützung. Vertreter aus Wirtschaft, Architektur, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft werben öffentlich für das Projekt, führen Gespräche mit Politikern und versuchen, die EXPO als langfristiges Transformationsprojekt für die Hauptstadt zu positionieren.

Besonders deutlich formulierte dies Initiator Daniel Jan Girl zuletzt noch einmal in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Dort kritisierte er unter anderem die fehlende politische Dynamik und sprach von einem Netzwerk aus Skeptikern und Verwaltungsstrukturen, das die Bewerbung ausbremse.

Initiator Daniel Jan Girl: EXPO als einmalige Chance für Berlin

Gleichzeitig betonte Girl, dass Berlin mit einer EXPO die einmalige Chance hätte, internationale Aufmerksamkeit, Infrastrukturinvestitionen und Innovationskraft miteinander zu verbinden.

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Die Initiatoren argumentieren, dass andere Metropolen weltweit deutlich offensiver mit solchen Zukunftsprojekten umgehen würden, während Berlin erneut Gefahr laufe, sich in politischen Abstimmungen und Zuständigkeitsfragen zu verlieren.

Olympia und EXPO sollen sich gegenseitig stärken

Dabei verstehen die Befürworter die EXPO keineswegs als Konkurrenz zu einer möglichen Olympia-Bewerbung Berlins. Im Gegenteil: Beide Großprojekte sollen sich gegenseitig ergänzen und verstärken.

Die Initiative verweist darauf, dass eine EXPO bereits vor Olympischen Spielen wichtige Infrastrukturmaßnahmen, internationale Sichtbarkeit und politische Mobilisierung erzeugen könnte. In diesem Sinne wird die Weltausstellung als möglicher Wegbereiter für spätere Olympische Spiele verstanden.

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Auch kommunikativ versuchen die Unterstützer deshalb, beide Projekte gemeinsam zu denken: als langfristige Zukunftsstrategie für Berlin und die Region Brandenburg. Während Olympia vor allem sportliche und emotionale Strahlkraft entfalten könnte, sehen die Initiatoren in der EXPO die Chance, konkrete urbane Transformation sichtbar zu machen.

Tegel, Tempelhof oder Schönefeld: Welche Standorte kommen infrage?

Offen bleibt weiterhin die Standortfrage. Diskutiert werden derzeit vor allem drei große Entwicklungsräume: das Tempelhofer Feld, das Umfeld des BER in Schönefeld und das ehemalige Flughafengelände in Tegel.

Besonders Tegel gilt aus Sicht vieler Planer als prädestinierter Standort. Dort entsteht mit der Urban Tech Republic bereits eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Berlins. Die EXPO könnte den Umbau zusätzlich beschleunigen und international sichtbar machen. Forschung, nachhaltige Technologien, urbane Produktion und innovative Mobilität würden thematisch ideal zu einer Weltausstellung passen.

Christoph Langhof möchte die Freiflächen vor dem historischen Flughafen Tempelhof für die EXPO nutzen

Auch das Tempelhofer Feld wird weiterhin diskutiert. Architekt Christoph Langhof hatte bereits öffentlich dafür geworben, die Freifläche temporär für eine EXPO zu nutzen. Befürworter argumentieren, dass kaum ein Ort die Geschichte, Offenheit und symbolische Kraft Berlins stärker verkörpere als das ehemalige Flughafengelände in Tempelhof.

Schönefeld wiederum hätte den Vorteil großer verfügbarer Flächen sowie der direkten internationalen Anbindung über den Flughafen BER. Gleichzeitig könnte eine EXPO dort neue Entwicklungsimpulse für den Berliner Südosten und das brandenburgische Umland auslösen.

Kai Wegners Zögern könnte zum unlösbaren Problem werden

Doch trotz dieser Szenarien bleibt die politische Unsicherheit groß. Zwar äußerte sich Kai Wegner immer wieder grundsätzlich positiv zur EXPO-Idee und brachte selbst Schönefeld als möglichen Standort ins Gespräch. Gleichzeitig fehlen weiterhin konkrete Entscheidungen, belastbare Zeitpläne oder offizielle Gespräche mit Brandenburg.

Gerade dieser Faktor sorgt inzwischen zunehmend für Kritik. Denn eine Bewerbung für eine Weltausstellung benötigt jahrelange Vorbereitung, internationale Abstimmungen und politische Geschlossenheit. Während andere Städte und Länder ihre Konzepte frühzeitig vorbereiten, scheint Berlin erneut wertvolle Zeit zu verlieren.

Wegner möchte die EXPO zwar umsetzen, aber nicht ohne Brandenburg

Für die Initiatoren wächst deshalb die Sorge, dass das Projekt letztlich nicht am fehlenden Potenzial scheitert, sondern an politischer Zaghaftigkeit. Dabei könnte die EXPO 2035 für Berlin weit mehr sein als nur ein internationales Event: nämlich ein langfristiger Impuls für Infrastruktur, Innovation, Stadtentwicklung und internationale Sichtbarkeit.

Kai Wegner äußerte sich heute im Abgeordnetenhaus öffentlich dazu. Der Regierende Bürgermeister betonte, dass er eine Umsetzung zwar befürworte, diese aber nur gemeinsam mit dem Bundesland Brandenburg realisieren möchte. Damit schiebt Wegner die Verantwortung für das Projekt über die Landesgrenze zu Dietmar Woidke nach Potsdam weiter.

Die politische Rückendeckung, die die Initiatoren der EXPO derzeit so dringend benötigen, scheint Wegner ihnen offenbar nicht uneingeschränkt geben zu wollen. So droht aus einer großen Chance für Berlin ein großes Scheitern zu werden. Es sei denn, Dietmar Woidke ist mutiger als Kai Wegner. Doch das bleibt abzuwarten.

© Visualisierung: EXPO 2035, gmp Architekten

ehem. Flughafen Tegel
ehem. Flughafen Tempelhof
Flughafenregion BER / Schönefeld

Quellen: EXPO 2035, gmp Architekten, Global Goals Berlin, LANGHOF GmbH

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5 Kommentare

  1. a.t. 7. Mai 2026 at 17:29 - Reply

    Wie ich schon mal sagte, Herr W. will sich die halbe Party von Dritten bezahlen lassen. Nur daher kommt dieser Schönefeld-Quatsch.
    In Tempelhof wird man schwerlich durch den immensen Planungswust bis dahin durchkommen. Dafür reichen die verbleibene Zeit plus Ausführung nie und nimmer aus…. Bleibt also fast nur noch Tegel.
    Aber wenn es so Berlin-like weitergeht, steht die Stadt noch am Ende ohne etwas da. Weder Expo, noch Olympia.

    • a.t. 7. Mai 2026 at 17:31 - Reply

      Obwohl ich Tempelhof am verführerischesten von den möglichen Locations finde.

      • Max 8. Mai 2026 at 16:15 - Reply

        Das könnte denn Gordischen Knoten Tempelhof lösen. Man plant Parkanlagen, die später bleiben, eventuell ein paar coole Pavillons und andere Deko auf dem Feld. Behutsame Bebbauung am Rand.

  2. Jan 8. Mai 2026 at 13:58 - Reply

    Das Gegenteil ist der Fall. Olympia hätte Brandenburg gebraucht, auch und insbesondere für eine nachhaltige Raumentwicklung, die einen massiven Mehrwert für die wachsende Stadt und das dazugehörige (Um-)Land nach den Spielen geboten hätte.

    Gott sei Dank ist die Berliner Bewerbung derart bräsig, dass München und Ruhr klar die Nase vorne haben.

    Was die EXPO leisten kann, mag mir auch 26 Jahre nach dem Debakel von Hannover nicht wirklich einleuchten. Nur war diese schon auf dem recht zentral gelegenen und stark genutzten Messegelände deplatziert.
    Was soll dann ein fragwürdiges Länder-Pavillon-Potpourri auf unseren einschlägigen Freiflächen für die zukünftige Entwicklung bringen, wenn derartiges nach wenigen Jahren übrig bleibt:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/16/Holl%C3%A4ndischer_Pavillon_2017-09_Foto_9293.jpg

    • Max 8. Mai 2026 at 16:20 - Reply

      Das Ziel muss sein, entweder weiter nutzbare oder leicht recyclebare Pavillions zu erstellen, egal wo die Expo stattfindet.

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