Die EXPO 2035 gewinnt an politischer Dynamik: Die Berliner SPD positioniert sich klar pro Bewerbung. Gleichzeitig bleibt die Unterstützung im Senat uneinheitlich, und mit Miami tritt ein starker Mitbewerber auf den Plan. Für die Berliner Regierungskoalition ist es an der Zeit, sich offiziell zu bewerben, oder das Projekt ad acta zu legen.

Während die Berliner SPD die EXPO 2035 als Zukunftsprojekt für die Metropolregion versteht, verschärft sich der internationale Wettbewerb. Mit Miami meldet ein globaler Standort ernsthafte Ambitionen an. / © Visualisierung: EXPO 2035 Berlin GmbH
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Die Berliner SPD hat sich kürzlich laut einem Tagesspiegel-Bericht klar für eine Bewerbung der Hauptstadtregion um die EXPO 2035 ausgesprochen. In einem aktuellen Beschluss wirbt die Partei für das Projekt und sieht in einer Weltausstellung eine strategische Chance für die langfristige Entwicklung von Berlin und Brandenburg. Die Initiative bringt neue Dynamik in eine Debatte, die bislang vor allem von Zurückhaltung auf Senatsebene geprägt war.
Berliner SPD: EXPO 2035 als Motor für Stadtentwicklung und Infrastruktur
Aus Sicht der SPD ist die EXPO weit mehr als ein temporäres Großereignis. Die Partei betont vor allem die strukturellen Effekte, die eine Bewerbung auslösen könnte. Investitionen in Verkehr, Wohnungsbau und öffentliche Infrastruktur könnten gebündelt und beschleunigt werden. Gleichzeitig würde Berlin international als Zukunftsstandort positioniert.
Die SPD argumentiert, dass eine solche Weltausstellung gezielt genutzt werden könne, um bestehende städtebauliche Herausforderungen anzugehen. Dazu zählen unter anderem die Entwicklung neuer Quartiere, die Umnutzung von Konversionsflächen sowie die Modernisierung der Metropolregion insgesamt.
Weltausstellung 2035: Berlin-Brandenburg als gemeinsamer Bewerber?
Ein zentrales Element der SPD-Position ist die enge Zusammenarbeit mit Brandenburg. Die EXPO soll demnach ausdrücklich als Projekt der gesamten Metropolregion verstanden werden. Damit würde sich Berlin von klassischen Weltausstellungen abgrenzen, die meist auf ein einzelnes, klar abgegrenztes Areal konzentriert sind. Ein Ansatz den auch Mitinitiator Daniel-Jan Girl im Gespräch mit ENTWICKLUNGSSTADT unterstrichen hat.
Stattdessen rückt ein dezentrales Modell in den Fokus, bei dem verschiedene Orte und Projekte über Stadt- und Landesgrenzen hinweg Teil der Ausstellung werden könnten. Dieses Konzept passt nach Ansicht der Befürworter zu aktuellen Debatten über nachhaltige Stadtentwicklung und neue Formen internationaler Großveranstaltungen.
EXPO in der Hauptstadt: Unterschiedliche Positionen innerhalb der Berliner Politik
Trotz des klaren Votums der SPD ist die politische Unterstützung für die EXPO aber mitnichten ungeteilt. Innerhalb des Berliner Senats wurde zuletzt stärker über eine mögliche Olympia-Bewerbung diskutiert. Die EXPO galt lange als nachrangige Option, und scheint dies bei der Berliner CDU noch immer zu sein.
Mit dem SPD-Beschluss gewinnt das Thema jedoch an politischem Gewicht. Die Partei fordert nun, die Machbarkeit ernsthaft zu prüfen und frühzeitig Gespräche auf Bundesebene zu führen. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine Bewerbung nur mit breiter politischer Rückendeckung Aussicht auf Erfolg hätte.
Internationaler Wettbewerb verschärft sich: Miami im Rennen
Zusätzlichen Druck erhält die Debatte durch die internationale Konkurrenz. Mit Miami ist inzwischen ein ernstzunehmender Mitbewerber in das Rennen um die EXPO 2035 eingestiegen. Die USA haben ihr Interesse an der Ausrichtung der Weltausstellung deutlich gemacht und Miami als potenziellen Standort positioniert.
Der Einstieg eines global bekannten Standorts erhöht den Wettbewerbsdruck erheblich. Für Berlin bedeutet das: Eine mögliche Bewerbung müsste frühzeitig vorbereitet, klar positioniert und international überzeugend kommuniziert werden.
Die EXPO 2035 als Labor für die Stadt von morgen?
Inhaltlich wird die EXPO 2035 in Berlin vor allem mit Zukunftsthemen verknüpft. Denkbar ist ein Ausstellungskonzept, das sich mit Fragen von Nachhaltigkeit, urbaner Transformation, sozialer Teilhabe und technologischer Innovation beschäftigt. Anders als frühere Weltausstellungen könnte die Stadt selbst zur Ausstellung werden.
Bestehende Quartiere, neue Entwicklungsgebiete und infrastrukturelle Großprojekte könnten als reale Beispiele für urbane Zukunftsmodelle dienen. Damit würde die EXPO nicht nur ein Schaufenster, sondern ein langfristiges Stadtentwicklungsinstrument.
Hat Berlins Regierungskoalition den Mut, sich offiziell für die EXPO 2035 zu bewerben?
Ob Berlin den Schritt zu einer offiziellen Bewerbung geht, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die Unterstützung der SPD und der wachsende internationale Wettbewerb verleihen dem Thema neue Dringlichkeit.
Eine EXPO 2035 wäre eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, für Stadtentwicklung, Investitionen und die internationale Positionierung der Hauptstadtregion. Fraglich ist, ob die Berliner Politik Mut und Willen aufbringen kann, sich offiziell zu bewerben.

Kiezlabore im Berlin des Jahres 2035? Die SPD sieht in der EXPO 2035 eine große Chance für Berlin und Brandenburg. Doch reicht der politische Wille für eine Bewerbung, und kann sich die Hauptstadtregion im internationalen Wettbewerb behaupten? / © Visualisierung: EXPO 2035 Berlin GmbH
Quellen: Global Goals Berlin, tip Berlin, D2030 – Deutschland neu denken e.V., EXPO 2035 Berlin GmbH, Der Tagesspiegel
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Wir sollten uns auf die Expo konzentrierne, da haben wir viel bessere Chancen, die Wahrscheinlichkeit dass wir Olympia kriegen ist 1 zu 1 Million.