Große kulturelle und bildungspolitische Ideen prägen Berlin seit Jahren. Doch nicht jedes Vorhaben hält dem finanziellen und politischen Druck stand. Drei Projekte zeigen sehr anschaulich, wie ambitionierte Konzepte ausgebremst werden, schrumpfen oder auf unbestimmte Zeit verschoben bleiben.
Exilmuseum Berlin
Drei-Religionen-Kita
House of One
© Titelbild: Kuehn Malvezzi
Große Bildungs- und Kulturprojekte prägen seit Jahren die Stadtentwicklung Berlins. Sie verbinden architektonische Ambitionen mit gesellschaftlichen Zielen und sollen Orte der Begegnung, Erinnerung oder Bildung schaffen.
Doch nicht jedes Vorhaben kann seine Finanzierung sichern. Einige Projekte geraten ins Stocken, andere werden verkleinert oder ganz neu gedacht. Drei Berliner Beispiele zeigen, wie schwierig die Umsetzung solcher Bildungs- und Kulturprojekte derzeit ist.
Neubau für das Exilmuseum am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg: Fehlende Gelder zwingen zum Umzug nach Charlottenburg

Der Wettbewerbsentwurf von Dorte Mandrup sah einen eigenständigen Museumsbau zwischen Portalruine und heutiger Freifläche vor. Nach dem Stopp des mindestens 130 Millionen Euro teuren Projekts richtet die Stiftung das Museum nun in der denkmalgeschützten Villa Fasanenstraße 24 ein, wo bereits die „Werkstatt Exilmuseum“ stattfand. / © Visualisierung: Stiftung Exilmuseum Berlin
Am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg sollte ursprünglich ein eigenständiger Museumsneubau entstehen. Hinter der historischen Portalruine plante die Stiftung Exilmuseum ein Neubau, der an Menschen erinnert, die Deutschland während der NS-Zeit verlassen mussten. Der Entwurf der dänischen Architekten Dorte Mandrup setzte sich 2020 in einem internationalen Architekturwettbewerb durch. Auch ein Bebauungsplanverfahren lief bereits an.
Schließlich stoppte die Stiftung jedoch das Vorhaben. Die Kosten wurden zuletzt auf mindestens 130 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe ließ sich nach Angaben der Projektleitung nicht über Spenden- und Fundraising-Modelle finanzieren. Statt weiter auf einen Neubau zu warten, soll das Museum nun in einer denkmalgeschützten Villa in der Fasanenstraße in Charlottenburg eröffnet werden. Dort hatte die Stiftung zuvor bereits mit der „Werkstatt Exilmuseum“ über das Projekt informiert.
„Drei-Religionen-Kita“ in der Marchlewskistraße in Friedrichshain: Förderstopp bringt Projekt ins Wanken

Auf dem Grundstück der Kirchengemeinde St. Markus Lazarus sollte ab 2025 eine religionsübergreifende Kita entstehen, getragen von Masorti, dem evangelischen Kirchenkreisverband und dem muslimischen Zentrum Berlin. Trotz Förderpreis und bereits investierter 1,5 Millionen Euro wurde das Vorhaben nach der Streichung der Landesmittel symbolisch beerdigt, der Erbbaurechtsvertrag wird aufgelöst. / © Visualisierung: Förderverein Drei-Religionen-Kita-Haus
Auch in Friedrichshain sollte ein außergewöhnliches Bildungs- und Begegnungsprojekt entstehen. In der Marchlewskistraße plante eine Kooperation aus jüdischen, evangelischen und muslimischen Trägern eine „Drei-Religionen-Kita“ für 135 Kinder. Der Entwurf des Berliner Architekturbüros Stark und Stilb sah einen viergeschossigen Neubau mit getrennten Kita-Bereichen für die drei Religionen vor.
Neben der Betreuung sollten auch Veranstaltungsflächen, eine Bibliothek mit Seminarräumen sowie ein „Raum der Stille“ entstehen. Doch das Projekt verlor einen zentralen Teil seiner Finanzierung, nachdem der Berliner Senat zugesagte Mittel strich.
Als Begründung nannte die Bildungsverwaltung einen fehlenden Bedarf an zusätzlichen Kitaplätzen im Bezirk. Damit geriet das rund elf Millionen Euro umfassende Vorhaben ins Wanken, obwohl bereits etwa 1,5 Millionen Euro investiert wurden. Wie und ob das Vorhaben weitergeführt werden kann, ist derzeit ungewiss.
Das geplante „House of One“ am Petriplatz in Mitte: Baustelle ohne sichtbaren Fortschritt

Seit der Grundsteinlegung 2021 ruht die Baustelle am Petriplatz weitgehend, obwohl bereits 71 Betonpfähle gesetzt wurden. Nach deutlichen Kostensteigerungen und interner Neuplanung prüft die Stiftung unter Begleitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Einsparpotenziale, während aktuelle Informationen zum weiteren Bauablauf ausbleiben. / © Entwurf: Kuehn Malvezzi
Am Petriplatz in Mitte verfolgt die Stiftung House of One schon seit 2011 ein interreligiöses Bauprojekt. Synagoge, Kirche und Moschee sollen hier unter einem Dach entstehen und den Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam fördern. Der Entwurf des Architekturbüros Kuehn Malvezzi sieht einen markanten Neubau vor, der ursprünglich als massiver Naturstein-Bau mit einem 42 Meter hohen Turm geplant war.
Doch nach der Grundsteinlegung kam das Projekt kaum voran. Zwar wurden bereits Betonpfähle gesetzt, doch der eigentliche Hochbau begann nicht. Gestiegene Baukosten, neue Anforderungen und Finanzierungsfragen verzögerten die Umsetzung.
Nach verschiedenen, kritischen Medienberichten zum Projekt im vergangenen Jahr veröffentlichte die Stiftung bislang keine neuen Informationen zum aktuellen Baufortschritt. Damit bleibt offen, ob und wann das Projekt tatsächlich umgesetzt wird.

Auf diesem Grundstück sollte ursprünglich die „Drei-Religionen-Kita“ entstehen, ein gemeinsames Bildungsprojekt von jüdischen, christlichen und muslimischen Trägern für 135 Kinder. Nach der Streichung zugesagter Landesmittel wurde das rund elf Millionen Euro umfassende Vorhaben jedoch gestoppt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Förderverein Drei-Religionen-Kita-Haus, Stark&Stilb Architekten, Stiftung Exilmuseum Berlin, Studio Nathan Coley, Der Tagesspiegel, rbb/24, Höhler+Partner, Teamproject, House of One
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