Der Berliner Hauptbahnhof landet im Europa-Ranking auf Platz vier, andere Stationen bilden das Schlusslicht. Der European Railway Station Index 2025 zeigt ein widersprüchliches Bild für die deutsche Hauptstadt. Kritisch gesehen wird allerdings der starke Fokus der Studie auf Shops und Gastronomie statt auf Verkehrsfunktion und Zuverlässigkeit.

Im European Railway Station Index 2025 schneiden Berliner Bahnhöfe extrem unterschiedlich ab: Während der Hauptbahnhof europaweit zur Spitze zählt, landen Gesundbrunnen und Ostkreuz am Ende der Rangliste. / © Foto: Wikimedia Commons, XoMEoX (CC BY 4.0)
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Der European Railway Station Index untersucht jährlich zahlreiche Bahnhöfe in europäischen Metropolen und ordnet sie anhand verschiedener Faktoren. Besonders gut schneiden dabei jene Standorte ab, die ein umfangreiches Angebot an Geschäften, Gastronomie und Dienstleistungen vorweisen können. In Berlin profitieren davon vor allem die großen, zentralen Verkehrsknotenpunkte.
Der Berliner Hauptbahnhof wird daher im Ranking für das Jahr 2025 vergleichsweise positiv bewertet und landet im gesamteuropäischen Vergleich auf dem 4. Platz. Seine moderne Architektur, die klare städtebauliche Setzung an der Spree sowie die Vielzahl an Einkaufs- und Gastronomieangeboten sorgen für Pluspunkte. Auch der Bahnhof Berlin Südkreuz erreicht einen Platz im oberen Mittelfeld. Beide Bahnhöfe gelten laut dieser Studie als leistungsfähige Fern- und Regionalverkehrsknoten mit hoher Passagierfrequenz.
European Railway Station Index 2025: Berliner Bahnhöfe im oberen und unteren Rankingbereich
Deutlich schlechter fällt das Urteil über andere Berliner Stationen aus. Vor allem traditionsreiche, aber in die Jahre gekommene Bahnhöfe landen am Ende der Rangliste. Der Bahnhof Zoologischer Garten, einst das wichtigste Eingangstor West-Berlins, schneidet vergleichsweise schwach ab. Ähnliches gilt für den Bahnhof Berlin Ostkreuz, der trotz umfangreicher Umbauten der vergangenen Jahre im Ranking nur hintere Plätze erreicht.
Diese Platzierungen sorgen im Netz allerdings für Diskussionen, denn sie stehen in einem gewissen Widerspruch zur tatsächlichen Bedeutung der Bahnhöfe im Berliner Verkehrsalltag. Gerade das Ostkreuz zählt zu den meistfrequentierten Umsteigepunkten Deutschlands und ist für den S- und Regionalverkehr von zentraler Bedeutung.
Konsum statt Kernfunktion? Kritik an den Bewertungskriterien der Bahnhofs-Studie
Ein wesentlicher Kritikpunkt am European Railway Station Index 2025 betrifft die Auswahl der Kriterien. Die Studie legt einen starken Fokus auf kommerzielle Aspekte: Anzahl und Vielfalt von Shops, Gastronomie, Freizeitangeboten und Serviceeinrichtungen. Bahnhöfe mit ausgeprägtem „Mall-Charakter“ haben dadurch strukturelle Vorteile.
Demgegenüber bleiben klassische Qualitätsmerkmale des Bahnverkehrs weitgehend außen vor. Aspekte wie die Zuverlässigkeit der Zugverbindungen, Pünktlichkeit, Erreichbarkeit der Stationen, Barrierefreiheit, Übersichtlichkeit der Wegeführung, Qualität sanitärer Einrichtungen oder der bauliche Zustand und die Modernität der Gebäude spielen im Ranking nur eine untergeordnete Rolle oder werden gar nicht systematisch erfasst. So wird auch bemängelt, dass die Studie mit inkonsistenten und teils sachfremden Kriterien arbeitet, etwa einer starken Gewichtung von Uber-Angeboten oder Ticketermäßigungen.
Aussagekräftiges Ranking? Mögliche Impulse für Berliner Bahnhöfe
Für Berlin bedeutet das: Das Abschneiden der Bahnhöfe im European Railway Station Index 2025 sagt vor allem etwas über ihre Konsumangebote aus, weniger über ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit als Verkehrsinfrastruktur. Dass zentrale Umsteigepunkte schlecht bewertet werden, obwohl sie täglich Hunderttausende Menschen zuverlässig befördern, relativiert die Aussagekraft des Rankings erheblich.
Die Studie liefert dennoch einen interessanten Impuls, nicht zuletzt, weil sie zeigt, wie unterschiedlich Bahnhöfe heute wahrgenommen werden: als reine Verkehrsbauwerke oder als multifunktionale Stadträume. Für eine ganzheitliche Bewertung der Berliner Bahnhöfe wäre jedoch ein Kriterienkatalog nötig, der den Fokus stärker auf Mobilität, Funktionalität und Aufenthaltsqualität legt – und weniger auf Shopping.
Hier ist eine Übersicht der laut Ranking 10 besten Bahnhöfe Europas des Jahres 2025:
- Zürich Hauptbahnhof in Zürich, Schweiz
- Wrowclaw Glowny in Breslau, Polen
- Bern Hauptbahnhof in Bern, Schweiz
- Berlin Hauptbahnhof in Berlin, Deutschland
- London Paddington in London, UK
- Utrecht Centraal in Utrecht, Niederlande
- London Bridge in London, UK
- Wien Hauptbahnhof in Wien, Österreich
- Gare Montparnasse in Paris, Frankreich
- Amsterdam Centraal in Amsterdam, Niederlande
Der Bahnhof Alexanderplatz, der vor einer umfassenden Umgestaltung steht, landete auf Platz 13, Bahnhof Friedrichstraße auf Rang 17. Der erste deutsche Bahnhof in der Rangliste, der nicht aus Berlin stammt, ist der Leipziger Hauptbahnhof auf Platz 16.
Am unteren Ende des Rankings landet, insgesamt gesehen, Deutschland. Besonders schlecht schneidet der Berliner Bahnhof Gesundbrunnen ab, der als Schlusslicht Europas geführt wird (von 50 bewerteten Stationen).
Berliner Bahnhöfe Gesundbrunnen und Ostkreuz am Ende des Bahnhofs-Rankings
Trotz rund 74 Millionen Passagieren pro Jahr gibt es am Kreuzungsbahnhof Gesundbrunnen nur drei Geschäfte und sieben Restaurants; zudem liegt die durchschnittliche Wartezeit bei 10,83 Minuten, 42 Prozent der Züge sind verspätet, so die Studie. Knapp davor folgen Berlin Ostkreuz (Platz 49) und der Dortmunder Hauptbahnhof (Platz 48).
Auch Bremen, Stuttgart und Berlin Südkreuz zählen demnach zu den zehn schwächsten Standorten Europas. Allerdings ist Deutschland mit 21 Bahnhöfen so stark vertreten wie kein anderes Land, was die Wahrscheinlichkeit für hintere Platzierungen deutlich erhöht. Zum Vergleich: Großbritannien stellt neun, Italien sieben und Frankreich sechs Bahnhöfe.
Quellen: Condé Nast Traveller, European Railway Station Index 2025, Deutsche Bahn AG, leadersnet.de
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Was im Artikel nicht angesprochen wird:
(a) Die DB hatte sich verpflichtet, mit den Bahnhöfen jährlich einen Milliarden-Gewinn zu machen. Ein Großteil der Einnahmen stammt nun mal aus der Vermietung und nicht aus den Zughalt-Entgelten. Bei den Kosten ist es aber genau umgekehrt.
(b) An manchen Bahnhöfen, wie Hamburg oder Leipzig, betreibt die DB nur die Bahnsteige. Die Haupthallen mit dem Einkaufsmöglichkeiten gehören privaten Mall-Betreiber, die mit Eisenbahnbetrieb nichts am Hut haben.