An der Hauptstraße in Rummelsburg liegt ein Stück Berliner Industriegeschichte, das heute für eine völlig andere Nutzung steht. Wo einst Tierfutter produziert wurde, dauern Veranstaltungen inzwischen bis weit ins Wochenende. Die Geschichte des Sisyphos reicht dabei deutlich weiter zurück als die des Clubs selbst.

Das Sisyphos nutzt ein früheres Fabrikgelände an der Hauptstraße in Berlin-Rummelsburg. Der Club entstand hier ab Ende der 2000er-Jahre. / © Foto: Wikimedia Commons, Uploaded, CC BY 2.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Rio65trio, CC BY-SA 4.0
Eine breite Fabrikfassade, ein Tor mit zwei küssenden Enten und dahinter einer der bekanntesten Orte des Berliner Nachtlebens: Das Sisyphos verbindet Industriegeschichte und Clubkultur auf ungewöhnliche Weise. Ein aktuelles Ranking rückt den Standort in Rummelsburg nun international noch stärker in den Fokus.
- Bezirk: Lichtenberg
- Adresse: Hauptstraße 15, 10317 Berlin
- Historischer Standort: Spratt’s Hundekuchenfabrik
- Baujahr des historischen Fabrikstandorts: 1894
- Ende der Futtermittelproduktion: 1992
- Beginn der heutigen Nutzung: erste Clubveranstaltungen ab 2009
Wer heute zum Sisyphos fährt, landet in einem Teil Berlins, dessen Geschichte lange von Industrie und Gewerbe geprägt war. Die Wurzeln des Areals reichen bis ins 19. Jahrhundert. Nach Angaben des Bezirksamts Lichtenberg verlegte Spratt’s seinen Berliner Sitz 1894 vom Wedding nach Rummelsburg. Noch heute trägt die breite Giebelfassade der früheren Hundekuchenfabrik die Jahreszahl 1894.
Im Sisyphos wurde bis 1992 Tierfutter produziert
Der Firmenname wechselte mehrfach. Auf Spratt’s Patent folgte Spratt’s AG. Auch in der DDR blieb der Name zunächst erhalten. Ab 1972 lief der Standort als volkseigener Futtermittelbetrieb weiter. Erst 1992 endete die Produktion.
Damit blickt das Gelände auf fast ein Jahrhundert Industriegeschichte zurück. Diese Vergangenheit passt zu Rummelsburg, wo Kraftwerke, Bahnflächen und andere Gewerbestandorte das Stadtbild bis heute mitprägen.
Sisyphos Berlin: Ab 2009 wurde aus der Fabrik ein Club
Die Geschichte des Sisyphos–Clubs begann deutlich später. 2008 übernahm der Verein Sommerleuchten das Gelände. Zunächst stand die Idee eines kreativen Ortes mit Werkstätten im Mittelpunkt. Ab 2009 fanden erste Partys statt. Daraus entwickelte sich schrittweise das heutige Sisyphos mit Innenräumen und einem großen Außengelände.
Berlin.de beschreibt den Club heute als Zusammenspiel aus elektronischer Musik, Kunst, Performance und Workshops. Neben den Tanzflächen gehören Außenflächen zu dem Konzept. Das Gelände unterscheidet sich damit deutlich von einem klassischen Nachtclub in einem einzelnen Gebäude. Die zwei küssenden Enten am Eingang sind inzwischen zu einem Erkennungszeichen geworden.
Auch das Umfeld hat sich verändert. Rund um die Rummelsburger Bucht entstehen seit Jahren neue Wohn- und Gewerbeprojekte. Nicht weit entfernt wird etwa das Großaquarium „Ocean Berlin“ gebaut. Auch der Wohnungsbau verändert Rummelsburg weiter: In der nahe gelegenen Schlichtallee entstehen derzeit 158 neue Mietwohnungen, die voraussichtlich 2027 fertiggestellt werden sollen. Damit liegt das Sisyphos heute nicht mehr in einem weitgehend abgeschotteten Industrieumfeld.

Vor dem Sisyphos in Berlin-Rummelsburg warten Besucher am früheren Fabrikgelände an der Hauptstraße. Fahrräder säumen den Zugang zum Club. / © Foto: Wikimedia Commons, foldscheap, CC0
Neue Wohnungen brachten für das Sisyphos auch einen Lärmkonflikt
Das hatte konkrete Folgen. Nach Angaben des Berliner Schallschutzfonds rückte neue Wohnbebauung immer näher an das Clubgelände. Beschwerden über den Schall des Open-Air-Bereichs nahmen zu. Konzerte konnten zeitweise nur eingeschränkt stattfinden, Clubveranstaltungen benötigten Ausnahmegenehmigungen.
Darauf reagierte der Club technisch. Auf dem sogenannten Strand-Floor installierte man eine gerichtete Beschallungsanlage. Außerdem änderte sich die Ausrichtung der Anlage. Eine neue Bühnenfläche entstand über einem vorhandenen Teich, hinzu kamen Maßnahmen zur Tieftonsteuerung und Schallabsorber. Das Land Berlin unterstützte Schallschutzmaßnahmen der Sisyphos Event GmbH 2022 mit 79.972 Euro.
Time Out setzt Sisyphos 2026 auf Platz eins in Europa
Im September 2026 bekam der Club neue internationale Aufmerksamkeit. Das Magazin Time Out setzte das Sisyphos an die Spitze seines Rankings der besten Nachtclubs Europas. Die Liste entstand nach Angaben des Magazins mithilfe seines Netzwerks lokaler Nightlife-Autoren. Es handelt sich damit um eine redaktionelle Auswahl und nicht um eine offizielle Auszeichnung oder einen Publikumspreis.
Ausschlaggebend waren für die Redaktion vor allem der große Garten, mehrere Bühnen und die langen Veranstaltungen. Time Out nennt fünf Indoor-Bühnen und hebt zudem das Fotoverbot hervor. Hinter dem Berliner Club folgen in der Rangliste das Shelter in Amsterdam, UNVRS auf Ibiza, Essaim in Paris und der Island Club in Athen.
Damit steht an der Hauptstraße 15 heute ein Ort, dessen Nutzung sich grundlegend verändert hat, während Teile seiner industriellen Vergangenheit erhalten blieben. Aus der früheren Tierfutterproduktion entwickelte sich über Jahrzehnte ein Kulturstandort – und aus ersten Partys in einer alten Fabrik ein Club, den ein internationales Stadtmagazin 2026 auf Platz eins in Europa setzt.
Sisyphos Berlin
Quellen: Bezirksamt Lichtenberg, Berlin, Time Out
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Hat Time out Weisungswert?
Spätestens jetzt ist es dann amtlich, der Berliner wurde wieder verdrängt.
Von kotzenden Billigtouris, die sich schon vor dem Tor die Birne zuhauen damit man sich das Hostel durch gesparte Getränkeausgaben erst leisten kann.
Für meinen Teil kann ich sagen, der Laden hat nach Cov19 enorm an Strahlkrat verloren.
Irgendwie erscheint mir das ganze Areal zu einem safespace für den Erwerb von Substanzen geworden zu sein.
Vielleicht daher die Bewertung von time out. Der Name ist Programm.