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Frankfurts Europagarten steht vor einem grundlegenden Wandel. Die Grünanlage im Europaviertel soll in den kommenden Jahren klimaresilienter, vielfältiger und attraktiver gestaltet werden, doch seit einiger Zeit herrscht Stillstand.

Foto des Europagartens in Frankfurt

Aktuell findet man im Europagarten im Frankfurter Stadtteil Gallus hauptsächlich weitläufige Rasenflächen. Ein Teil der Bepflanzung hat die heißen Sommertage scheinbar nicht überlebt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild und Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Mitten im Europaviertel befindet sich eines der grünen Zentren Frankfurts: Nur wenige Gehminuten östlich des Hauptbahnhofs liegt der Europagarten. Die etwa 40.000 Quadratmeter große, quadratische Grünfläche soll nun umfangreich umgestaltet werden.

Der Grund für die anstehenden Sanierungsarbeiten ist laut dem Grünflächenamt Frankfurt die aktuell fehlende Anpassung an den Klimawandel sowie gartenbautechnische Probleme. Die Sanierungsarbeiten sollen nach letztem Stand Ende nächsten Jahres beginnen und voraussichtlich bis zum Sommer 2029 andauern.

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Europagarten Frankfurt: Veraltete Planung und Ausführungsfehler verursachen Dürre

Die Planung für den Europagarten stammt noch aus den frühen 2000er Jahren. Nach einigen Jahren Bauzeit konnte der Park erstmals Anfang 2019 für Besucherinnen und Besucher geöffnet werden. Doch schon kurze Zeit später musste die Anlage wieder schließen. Grund waren handwerkliche Fehler bei der Bodenverdichtung. Nach einem Rechtsstreit mit der beauftragten Gartenbaufirma schloss die Stadt einen Vergleich und öffnete den Europagarten zum Jahreswechsel 2022/23 erneut. Aktuell bietet sich vor Ort ein eher trauriges Bild: die einst grünen Rasenflächen sind teilweise braun und dürr, viele Bäume und Sträucher scheinen unter den Bedingungen zu leiden oder sind schon abgestorben.

Die Situation im Europagarten beweist, dass sich der Platz in Zukunft mehr an wechselnde Gegebenheiten anpassen und klimaresilienter werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, ließ die Stadt Frankfurt zunächst ein Gutachten von einem Baum- und Bodenexperten erstellen. Basierend auf diesem Gutachten formuliert das Grünflächenamt, dass es das Ziel sei, „die Bodenfunktionen zu sichern bzw. wiederherzustellen, Biodiversität zu fördern und klimaresiliente Baumarten zu pflanzen.“ Zudem soll zum einen das „Mikroklima durch Verdunstung zu verbessern und ein erhöhtes Schattenangebot durch gezielte Baumpflanzungen“ geschaffen werden und zum anderen die Freizeitangebote ausgebaut werden.

„Europagarten 2.0“: Überarbeitete Planung und Startschuss aus der Politik fehlen

Im Februar 2024 präsentierte das Grünflächenamt erste Pläne für eine Sanierung, im Dezember wurde dann die erste Planung veröffentlicht. Der Baubeginn war damals für Ende 2025 angesetzt. In der Zwischenzeit teilte ein Sprecher mit, das der letzte Planungsstand noch einmal überarbeitet werden müsse und das man noch auf die finale Zustimmung von politischer Seite warten müsse. Wann genau also mit den Bauarbeiten am Europagarten begonnen werden kann und inwiefern sich die letzte Planung verändert, ist noch unklar.

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Das bisherige Sanierungskonzept für die Umgestaltung des Europagartens sieht vor allem eine passendere Bepflanzung vor: neben rund 35 neuen, klimaresilienteren Baumarten wie der Hopfenbuche, der ungarische Eiche oder der Silberlinde sollen auch Präriestauden ihren Platz finden. Die geplante Begrünung soll laut Grünflächenamt Frankfurt besser für die Bodenzusammensetzung geeignet sein.

Ebenfalls soll sich die Anzahl der Bäume von 280 auf rund 360 erhöhen. Zusätzlich soll der „Europagarten 2.0“ mehr Aufenthaltsqualität bieten: Durch ein Holzdeck mit Sonnensegel, Parksessel und eine Miniatur-Waldlandschaft soll es hier zukünftig zahlreiche Erholungsangebote geben. Neben den grünen Ruhezonen sind hier zukünftig auch eine Seilbahn und zahlreiche Spiel- und Sportanlagen vorgesehen. Die ersten Vorentwürfe stammen vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro relais.

Umbauarbeiten im Europaviertel: Boden des Europagartens wird ausgetauscht

Die Stadt Frankfurt hat zur geplanten Sanierung des Europagartens bereits verschiedene Beteiligungsformate angeboten. Neben Informationsterminen, Befragungen und Workshops wurden auch Maßnahmen speziell für Kinder und Jugendliche umgesetzt. Eine eigene Website informiert fortlaufend über den aktuellen Stand des Projekts und bietet einen Überblick über alle Beteiligungsangebote.

Die eigentlichen Bauarbeiten sollen 2026 beginnen, zunächst mit Baumfällungen im Parkzentrum. Anschließend wird der Boden mit einer speziellen Maschine aus dem Bergbau bis zu zwei Meter tief ausgetauscht. Nach einer Zwischenbegrünung muss die Vegetationsschicht rund ein Jahr ruhen, bevor neue Pflanzen wachsen können. Auch die Bäume entlang der Promenade werden schrittweise gefällt und nach einer Ruhephase durch Neupflanzungen ersetzt.

Sanierungsarbeiten im Europagarten: Vorzeigeprojekt „Europagarten 2.0“?

Mit der geplanten Sanierung reagiert die Stadt Frankfurt auf die Folgen des Klimawandels und auf technische Mängel der Vergangenheit. Ziel ist es, den Europagarten ökologisch stabiler, grüner und zugleich nutzerfreundlicher zu gestalten.

Ob die ambitionierten Pläne wie vorgesehen und vor allem zeitnah umgesetzt werden können, bleibt abzuwarten. Gerade die aufwendigen Bodenarbeiten und die langen Ruhephasen stellen eine Herausforderung dar und werden zeigen, ob der „Europagarten 2.0“ tatsächlich zu einem Vorzeigeprojekt urbaner Grünflächen wird.

Foto des Europagartens in Frankfurt.

Ein Teil des aktuell brachliegenden Wasserspiels im Westen der Anlage könnte zukünftig als Fitness- und Sportbereich wiederbelebt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Foto des Europagartens in Frankfurt.

Die umlaufende Promenade mit den Parkbänken soll nach letztem Planstand erhalten und ausgebaut werden. Die rund 260 Bäume im Europagarten müssen entfernt und durch andere Baumarten ersetzt werden. Wann genau mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, ist bisher unklar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Europagarten Frankfurt, FNP, FAZ, journal

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