Seit 2010 entsteht im Berliner Regierungsviertel die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses. Nach zahlreichen Verzögerungen ist der Baukörper nun fertiggestellt. Die vollständige Übergabe an den Deutschen Bundestag soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Der Erweiterungsbau schafft rund 44.000 Quadratmeter zusätzliche Bruttogrundfläche für den Deutschen Bundestag. Geplant sind etwa 330 Abgeordnetenbüros, Besprechungsräume, Archivflächen sowie ein Ausstellungsbereich. Baubeginn war 2010. / © Foto: Depositphotos.com
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit dem Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses nähert sich eines der langwierigsten Bauvorhaben im Berliner Regierungsviertel seinem Abschluss. Seit 2010 entsteht an der Luisenstraße zusätzlicher Raum für Abgeordnete, Verwaltung und kulturelle Angebote.
Nach zahlreichen Verzögerungen ist der Baukörper nun fertiggestellt, doch die vollständige Inbetriebnahme hängt weiterhin von technischen Abstimmungen ab.
Erweiterungsbau im Regierungsviertel: Bau abgeschlossen, technische Inbetriebnahme läuft
Auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT teilte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit, dass der Erweiterungsbau baulich fertiggestellt ist. Derzeit laufen die abschließenden Inbetriebnahmen und Prüfungen der technischen Anlagen. Parallel führen die Projektverantwortlichen die Systeme von Bestandsgebäude und Erweiterungsbau zusammen. Dabei stimmen sie unter anderem Gebäudeleittechnik, Sicherheitsanlagen und Versorgungsstrukturen aufeinander ab, damit beide Gebäudeteile dauerhaft reibungslos funktionieren.
In den kommenden Wochen soll zudem die bauzeitliche Trennwand zwischen dem bestehenden Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und dem Neubau entfernt werden. Gleichzeitig erfolgen die baurechtlich erforderlichen Sachverständigenabnahmen. Einen verbindlichen Termin für die vollständige Übergabe nennt das Bundesamt derzeit nicht. Ein belastbarer Zeitpunkt lasse sich erst bestimmen, wenn alle technischen Anpassungen abgeschlossen seien und die Synchronisierung von Bestands- und Erweiterungsbau vollständig funktioniere.
Schrittweise Nutzung des Erweiterungsbaus an der Luisenstraße: „Forum Kunst“ bereits eröffnet, weitere Flächen folgen

Ein erster Teilbereich, das „Forum Kunst“, wurde bereits im Mai 2025 übergeben. Die vollständige Inbetriebnahme erfolgt erst nach Abschluss der technischen Synchronisierung zwischen Bestandsgebäude und Erweiterung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Ein erster Teilbereich ist bereits in Betrieb. So wurde das „Forum Kunst“ im Mai 2025 an den Deutschen Bundestag übergeben. Seitdem zeigt das Parlament dort die Ausstellung „WIR“ zum 75-jährigen Bestehen des Grundgesetzes. Der zweigeschossige Ausstellungsbereich umfasst rund 340 Quadratmeter.
Auch gastronomische Flächen im Gebäude wurden bereits aktiviert. Im Sommer 2025 eröffnete das öffentlich zugängliche Bistro „Marie“ an der Spree mit rund 200 Sitzplätzen. Die neuen Büro- und Funktionsflächen im Erweiterungsbau will der Bundestag schrittweise beziehen, sobald die baurechtliche Nutzungsfreigabe vorliegt.
Langfristige Erweiterungsmaßnahme seit 2010: Mängel, Verzögerungen und mehrfach angepasste Zeitpläne
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2010. Ursprünglich plante man eine Fertigstellung bis Ende 2013. Doch eine undichte Bodenplatte führte zu erheblichen Nachbesserungen. Zudem verschärfte der Gesetzgeber die technischen Anforderungen an Bundesbauten, sodass man Planungen überarbeiten musste. In der Folge verschob sich der Zeitplan mehrfach.
Im September 2025 berichtete Politico unter Bezug auf ein Papier für die Baukommission des Bundestags, dass die Bürobereiche ab Ende des ersten Quartals 2026 genutzt werden sollten und die vollständige Übergabe im zweiten Quartal 2026 vorgesehen sei. Ein Bundestagssprecher bestätigte diese Angaben gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Inzwischen knüpfen die Verantwortlichen den Termin jedoch ausdrücklich an den Abschluss aller technischen Prüfungen.
Deutlicher Kostenanstieg im Verlauf der Bauzeit für das Bundestagsgebäude: Von 190 auf rund 429 Millionen Euro
Mit der langen Bauzeit stiegen auch die Kosten deutlich. Zu Baubeginn kalkulierte man mit 190 Millionen Euro. Ende 2024 lagen die haushaltsmäßig anerkannten Gesamtkosten bei rund 429 Millionen Euro. Medienberichte verwiesen zudem auf weitere Steigerungen, unter anderem infolge gestiegener Materialpreise.
Baulich vollendet der Erweiterungsbau mit rund 44.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche das sogenannte „Band des Bundes“ bis zur Luisenstraße. Doch obwohl das Gebäude äußerlich abgeschlossen ist, entscheidet nun vor allem die technische Integration zwischen Bestands- und Erweiterungsbau über den endgültigen Bezug.

Nach Angaben des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung ist der Bau baulich fertiggestellt. Derzeit laufen technische Inbetriebnahmen, Prüfungen und die baurechtlichen Abnahmen. Ein verbindlicher Termin für die vollständige Übergabe steht noch nicht fest. / © Foto: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0
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