Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Berlin oft nur ein Versprechen. Die Gemeinwohlbau will das mit privatem Kapital und einem außergewöhnlichen Wohnkonzept ändern. Mit dem ersten Grundstückskauf in Tegel wird daraus nun ein konkretes Vorhaben.

© Titelbild: gemeinwohlbau.de

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Ein Grund zum Feiern: Die Gemeinwohlbau COB01 GmbH hat ihr erstes Grundstück gekauft. In der Buddestraße in Tegel plant das Unternehmen, bis 2028 ein fünfgeschossiges Stadthaus mit kleinen, bezahlbaren Wohneinheiten zu errichten.

Bereits seit 2025 wirbt das Unternehmen für ein Modell, das kleine, ungenutzte Grundstücke in der Stadt für bezahlbaren Wohnraum erschließen will. Damit wird aus einer Idee, die das Unternehmen vor einem Jahr öffentlich vorstellte, ein konkretes Bauprojekt.

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Gemeinwohlbau plant Neubauprojekt in Tegel: Grundstück ist gekauft

Von Februar bis August 2026 sammelte die Gemeinwohlbau nach eigenen Angaben über 500.000 Euro von 21 Privatanlegerinnen und Privatanlegern ein. Mit diesem Kapital kaufte das Unternehmen das 192 Quadratmeter große Grundstück in der Buddestraße 31A. Viele der Investorinnen und Investoren brachten dabei jeweils mindestens 30.000 Euro ein. Ursprünglich wollte die Gemeinwohlbau erst bis Oktober 2026 genug Kapital für den ersten Kauf zusammenhaben. Dieses Ziel erreichte das Unternehmen nun früher als geplant.

Die gesamten Kosten für Grundstück und Bau schätzt die Gemeinwohlbau auf rund zwei Millionen Euro. Für den restlichen Betrag sucht das Unternehmen derzeit noch etwa 50 weitere Kleinanlegerinnen und Kleinanleger. Eine Bank solle vorerst keine Rolle spielen, betont Mitgründer und Architekt Van Bo Le-Mentzel im Gespräch mit ENTWICKLUNGSSTADT. Das Unternehmen wolle die Finanzierung möglichst allein über Privatkapital stemmen. Nur falls das nicht ausreiche, wolle die Gemeinwohlbau zusätzlich eine Bank einbeziehen.

Grundstückssuche der Gemeinwohlbau: Warum andere Standorte nicht infrage kamen

Helles Wohnzimmer in einer Altbauwohnung mit hohen Fenstern, grünem Sofa und Esstisch mit Stühlen.

Im Zentrum jeder Etage ist ein gemeinsam nutzbarer Wohnbereich vorgesehen, umgeben von kleinen privaten Zimmern mit eigenem Bad. Dieses Prinzip prägt das Co-Being-House-Konzept der Gemeinwohlbau: die privaten Rückzugsräume bleiben klein, dafür wächst der Platz, den sich die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam teilen. / © Visualisierung: Gemeinwohlbau.de

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Anfang des Jahres verhandelte die Gemeinwohlbau noch mit weiteren Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern, etwa in Schöneberg und in Treptow-Köpenick. Beide Standorte erwiesen sich am Ende jedoch als zu groß für das junge Unternehmen. Das Grundstück in Schöneberg gehörte der evangelischen Kirche und wäre nach Angaben von Mitgründer Van Bo Le-Mentzel schlicht eine Nummer zu groß gewesen. In Treptow-Köpenick hätten die Gesamtkosten schätzungsweise bei fünf Millionen Euro gelegen – ebenfalls zu viel für die aktuelle Finanzierungsphase.

Le-Mentzel beschreibt die Grundstückssuche seines Unternehmens mit einem Größensystem ähnlich wie bei Kleidung, von „Extra Small“ bis „Extra Large“. Nachdem zu große Grundstücke ausgeschlossen worden waren, konzentrierte sich die Gemeinwohlbau gezielt auf kleinere Flächen. Von vier geprüften „Extra Small“-Grundstücken in Reinickendorf fiel die Wahl schließlich auf die Buddestraße. Ausschlaggebend waren unter anderem die gute Anbindung, die positive Entwicklung des Umfelds und die gute Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt.

Grundstückskauf in der Buddestraße: Was auf dem Grundstück entstehen soll

Geplant ist ein fünfgeschossiges Stadthaus mit rund 210 Quadratmetern Wohnfläche und 120 Quadratmetern Gewerbefläche im Erdgeschoss. Über zwölf Personen sollen dort ab 2028 wohnen, die Mieten für eine Wohneinheit sollen bei circa 330 Euro warm beginnen. Die Gemeinwohlbau plant weder Eigentumswohnungen noch Mikroapartments. Das Wohnkonzept der Gemeinwohlbau entspricht dabei eher einem WG-artigen Modell, bei dem die kleinen Einheiten trotzdem über ein eigenes Bad und eine kleine Küche verfügen.

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Für das Erdgeschoss prüft die Gemeinwohlbau derzeit mehrere Nutzungen, unter anderem ein kleines Hostel in Kooperation mit einem externen Betreiber. Diese Idee hängt auch mit der Kältehilfe für obdachlose Menschen zusammen, die die gemeinnützige Tiny Foundation im Winter organisiert. Jedoch schließt das Unternehmen auch andere gewerbliche Nutzungen, etwa eine Bäckerei oder ein anderes lokal nutzbares Angebot, nicht aus. Zusätzlich verfolgt die Gemeinwohlbau die Idee eines Mehrgenerationenhauses, in dem beispielsweise Pflegekräfte und Auszubildende gemeinsam mit älteren Bewohnerinnen und Bewohnern leben könnten. Wer genau in das Haus einziehen soll, steht jedoch aktuell noch nicht fest.

Planungen eines Wohnhauses in Reinickendorf: Wie es jetzt weitergeht

Ausstellungsraum mit orangefarbenem Sessel, Holzkiste als Beistelltisch und Leuchtschrift "tiny is beautiful" an der Wand.

Im Kreuzberger Kampagnenbüro der Gemeinwohlbau zeigt ein 1:1-Modell, wie ihr Konzept für kleine, aber hochwertig ausgestattete Wohneinheiten aussehen könnte. Trotz kompakter Grundfläche soll jede Person einen eigenen Rückzugsraum erhalten, ergänzt durch gemeinschaftlich genutzte Bereiche im Haus. / © Foto: Gemeinwohlbau.de

Nach Angaben von Le-Mentzel laufen die Gespräche mit dem zuständigen Bauamt in Reinickendorf bislang sehr gut. Die Entwürfe befinden sich bereits in der dritten Korrekturrunde. Da das Grundstück in einem Mischgebiet liegt, kommen sowohl Wohnnutzung als auch gewerbliche Ideen grundsätzlich infrage. Bis zum eigentlichen Baubeginn will sich die Gemeinwohlbau außerdem stärker vor Ort vernetzen, etwa mit Anwohnerinnen und Anwohnern, sozialen Einrichtungen, Gewerbetreibenden und der lokalen Politik, um ein möglichst attraktives Angebot im Kiez zu schaffen.

Der Grundstückskauf sei vor einem Jahr noch kaum vorstellbar gewesen, sagt Le-Mentzel gegenüber ENTWICKLUNGSSTADT. Möglich geworden sei er nur, weil private Menschen bereit gewesen seien, Verantwortung zu übernehmen und teils mehr als 30.000 Euro zu investieren. Das zeige ihm, dass viele Menschen nicht nur über die Wohnungskrise klagten, sondern auch aktiv etwas verändern wollten.

Am kommenden Samstag will die Gemeinwohlbau den Ankauf zudem beim Kiezfest in der Schöneberger Akazienstraße zwischen 14 und 19 Uhr öffentlich feiern und Menschen über das Projekt informieren. Außerdem bietet die Gemeinwohlbau am Mittwoch eine Onlineveranstaltung für Interessierte an, die das Projekt noch nicht kennen.

Quellen: Gemeinwohlbau COB01 

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