Mit der Eröffnung der „Notagallery Art Embassy“ hat das lange ungenutzte Gebäude in der Friedrichstraße 210 eine neue Funktion erhalten. Direkt am Checkpoint Charlie bleibt es noch bis Anfang 2026 ein Ort für zeitgenössische Kunst und internationalen Austausch.

Friedrichstraße 209: Das ehemalige Hotel Pariser Hof an der Ecke Kochstraße ist Teil des historischen Ensembles am Checkpoint Charlie. Die geplante Sanierung und Umnutzung des Hauses zeigt, wie sich die Nachbarschaft in den kommenden Jahren städtebaulich verändern wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Volker Kreidler
Am 12. September 2025 wurde in der Friedrichstraße 210 die „Notagallery Art Embassy“ eröffnet. Das Gebäude, das seit längerer Zeit leer stand, erhält damit eine neue, wenn auch vorerst zeitlich begrenzte Nutzung. Auf drei Etagen und mehr als 2.000 Quadratmetern präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen ihre Arbeiten. Besucherinnen und Besucher können dabei Gemälde, Skulpturen und Textilarbeiten sehen, die bewusst in einem offenen kuratorischen Ansatz zusammengeführt werden.
Mit dem Schritt vom Potsdamer Platz zum Checkpoint Charlie positioniert sich die „Notagallery“ nun an einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Berliner Geschichte steht. Das denkmalgeschützte Gebäude dient so nicht nur als Ausstellungsfläche, sondern auch als Symbol für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart. Die Öffnung zeigt, wie leerstehende Immobilien für eine temporäre kulturelle Nutzung aktiviert werden können.
Unterstützung durch Projektentwickler ehret+klein: Friedrichstraße 210 als Teil eines übergeordneten Konzepts
Die Zwischennutzung wird durch das Unternehmen ehret+klein ermöglicht, das die Immobilie 2024 übernommen hat. Projektleiter Simon Barth erklärte, dass Zwischennutzungen ein fester Bestandteil vieler Projekte seien. Sie sollten nicht nur eine Übergangszeit überbrücken, sondern konkrete Impulse für die weitere Entwicklung geben. Mit der Öffnung für die „Notagallery“ werde die Friedrichstraße 210 wieder Teil des öffentlichen Lebens.
Gleichzeitig wird an einer langfristigen Perspektive für das Haus gearbeitet. In den kommenden Jahren sind Sanierungs- und Revitalisierungsmaßnahmen vorgesehen. Die historische Fassade soll dabei erhalten bleiben, während im Inneren moderne Nutzungsmöglichkeiten entstehen könnten. Denkbar sind Hotel- oder Gastronomiekonzepte, die den Standort dauerhaft stärken und die Nachbarschaft aufwerten.
Kunst als Plattform für Dialog: Notagallery versteht das Haus als Botschaft und Begegnungsort
Der Gründer und Galerist Ivan Gette betonte, dass es für junge Künstlerinnen und Künstler nach wie vor ungleiche Chancen gebe. Mit der „Art Embassy“ solle daher ein Raum entstehen, der Kunst nicht nur als ästhetisches Objekt, sondern als Sprache für Dialog und Vertrauen versteht. Ziel sei es, Netzwerke zu öffnen und die Kunstszene für neue Impulse zugänglich zu machen.
Das Ausstellungskonzept verzichtet bewusst auf ein zentrales Thema. Stattdessen stehen Vielfalt, Gegensätze und Austausch im Vordergrund. Auf diese Weise können politische Kommentare neben persönlichen Erzählungen gezeigt werden, und kritische Gesten treffen auf spielerische Arbeiten. Die Friedrichstraße 210 wird damit für einige Monate zu einem Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden.
Bedeutung für das Quartier: Friedrichstraße 210 als Teil eines historischen Ensembles am Checkpoint Charlie
Das Gebäude Friedrichstraße 210 gehört zu einem Ensemble, das die Kreuzung Friedrichstraße und Kochstraße prägt. Direkt gegenüber liegt die Friedrichstraße 209, das ehemalige Hotel Pariser Hof, das ebenfalls denkmalgeschützt ist und saniert werden soll. Beide Bauten sind Beispiele für die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und zählen zu den wenigen noch erhaltenen Zeugnissen dieser Epoche im Quartier.
Während der Tourismus rund um den Checkpoint Charlie seit Jahren ungebrochen ist, war das unmittelbare Umfeld teilweise vernachlässigt. Mit der kulturellen Zwischennutzung der Friedrichstraße 210 beginnt nun eine Phase, die auch für die Entwicklung der Nachbarschaft von Bedeutung sein könnte. Ob daraus langfristige Veränderungen erwachsen, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass das Haus wieder ein Teil des öffentlichen Raums geworden ist.
Quellen: Ehret+Klein AG, NOTAGALLERY, Petersen Architekten, Malteser Stiftung, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsches Architektur Forum, Berliner Verwaltung GmbH
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Hallo an die Organisatoren,
ein erfreuliches Projekt! Als Künstlerin wäre ich gerne dabei gewesen.
Mit freundlichen Grüßen
Beate Nowak
benow@freenet.de
http://www.nowak-berlin.com
@benow
https://heyzine.com/flip-book/a639494202.html