In Tempelhof-Schöneberg werden im Herbst 2025 zehn Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Das Projekt ist Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt und soll die Erinnerungskultur im Bezirk weiter stärken.

Stolperstein in Tempelhof-Schöneberg für Benno Mendel. Zwischen dem 23. September und dem 15. November werden in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und Künstler Gunter Demnig einige Stolpersteine verlegt. / © Foto: Wikimedia Commons, OTFW, Berlin, CC BY-SA 3.0
© Foto: Wikimedia Commons, OTFW, Berlin, CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: Museen Tempelhof-Schöneberg
Bis Mitte November 2025 finden im Bezirk Tempelhof-Schöneberg noch zehn Stolpersteinverlegungen statt. Im September ist auch der Künstler Gunter Demnig selbst beteiligt, der das Projekt in den 1990er Jahren ins Leben gerufen hat. Ab November pausieren die Verlegungen witterungsbedingt, ehe sie im Frühjahr 2026 fortgesetzt werden.
Die Veranstaltungen sind öffentlich. Sie richten sich an alle Interessierten, die an den Erinnerungsakten teilnehmen und ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollen.
Stolpersteine in Tempelhof-Schöneberg: Erinnerung an die letzten Wohnorte der Opfer
Die Verlegungen im Herbst finden unter anderem in der Landshuter Straße, der Kurfürstenstraße, der Barbarossastraße und der Münchener Straße statt. Mit den Messingtafeln wird jeweils an die letzten frei gewählten Wohnorte der Opfer erinnert. Dort markieren die Steine die Schnittstelle zwischen Alltag und Geschichte.
Jeder Stolperstein trägt eine Inschrift mit Namen, Geburtsjahr und Schicksal der betroffenen Person. Damit werden individuelle Geschichten sichtbar, die sonst in der Anonymität der Verfolgung verblieben wären.
Vom Kölner Projekt zum größten dezentralen Mahnmal Europas: Die Entstehung der Stolpersteine
Das Projekt Stolpersteine geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück. Er verlegte 1992 die ersten Steine, um an die Deportation von Sinti und Roma zu erinnern. Daraus entwickelte sich in den Folgejahren ein europaweites Gedenkprojekt, das heute in 31 Ländern vertreten ist. Mit über 100.000 verlegten Steinen gilt es als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
Demnigs Leitgedanke lautete, dass ein Mensch erst dann vergessen sei, wenn sein Name vergessen wird. Diese Haltung prägt das Projekt bis heute.
Erinnerungsarbeit in Tempelhof-Schöneberg: Patenschaften und internationale Beteiligung
In Tempelhof-Schöneberg koordiniert die bezirkliche Erinnerungsstelle die Verlegungen. Sie unterstützt Angehörige und Patenschaften bei der Recherche und dokumentiert die Biografien der Geehrten. Viele Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen beteiligen sich an dem Projekt und übernehmen Patenschaften für neue Steine.
Auch aus dem Ausland kommen zunehmend Anfragen von Nachfahren der Opfer, die das Andenken an ihre Familienangehörigen wachhalten wollen. So entstehen Netzwerke, die lokale Erinnerung mit internationalem Engagement verbinden.
Stolpersteine als Teil der Erinnerungskultur: Geschichte im Alltag sichtbar machen
Die Stolpersteine sind mehr als nur Gedenktafeln. Sie holen Geschichte in den Alltag zurück und konfrontieren Passanten direkt im Straßenraum. Dadurch schaffen sie ein Bewusstsein für die Verbrechen der NS-Zeit und erinnern zugleich an die Vielfalt der Opfergruppen – Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle und andere.
Mit den Verlegungen im Herbst 2025 setzt der Bezirk ein sichtbares Zeichen für die Erinnerungskultur. Die Steine sind Teil eines langfristigen Prozesses, der Geschichte erfahrbar macht und die Erinnerung an die Opfer lebendig hält.
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Museen Tempelhof-Schöneberg, Wikipedia
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