Ein denkmalgeschützter DDR-Kulturpalast verfällt – und steht im Zentrum einer aktuellen Debatte. In Berlin diskutierten Expertinnen und Experten über seinen Erhalt. Dabei geht es auch um die Zukunft vieler vergleichbarer Bauwerke.

Danuta Schmidt und Buchautor Christoph Liepach bei der Buchpräsentation und Diskussionsrunde am Montagabend in Marzahn. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Wikimedia Commons, NoRud (CC BY-SA 4.0)
Die Journalistin Danuta Schmidt und der Verleger und Buchautor Christoph Liepach diskutierten am Montagabend in Berlin-Marzahn über den Erhalt baulicher Zeitzeugnisse der DDR.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand dabei der Kulturpalast des ehemaligen VEB Maxhütte Unterwellenborn in Thüringen.
Das Gebäude steht seit 1987 unter Denkmalschutz, ist derzeit ungenutzt und verfällt mittlerweile zusehends. Christoph Liepach präsentierte dazu seinen Bildband „Max braucht Gesellschaft“.
In der anschließenden Diskussion zwischen der Journalistin und dem Buchautor, bei der auch weitere Protagonisten der Buchentstehung zu Wort kamen, wurden Fragen zur Wertschätzung und zum Schutz dieses baukulturellen Erbes erörtert.
DDR-Kulturhäuser als architektonisches Erbe: Bedeutung und Vielfalt der Bauwerke
Überregional betrachtet gab es in der DDR wohl rund 2.000 Kulturhäuser, allerdings wurden nicht alle in diesem DDR-typischen neoklassischen Stil errichtet, „wo architektonisch alles enthalten ist, etwa Kunstformen aus der Antike“, so Liepach.
Ähnliche Kulturhaus-Bautypen finden sich auch in Schkopau, Suhl oder in Rüdersdorf, der sogenannten „Akropolis von Rüdersdorf“, wo nach zwei Jahren Leerstand nun der Startschuss für die Sanierung gefallen ist.
Liepach ging in seinen Aussagen sogar so weit, dass er das Kulturhaus in Unterwellenborn mit seinen Holzböden und -decken „als Flaggschiff der Kultur in der DDR“ bezeichnete.

Der Kulturpalast in Unterwellenborn im Bau: Eine Fotografie aus dem Jahr 1953 zeigt das Gebäude in seiner Entstehen. / © Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)
Vom Zufallsfund zur Publikation: Die Entstehung des Bildbands „Max braucht Gesellschaft“
Christoph Liepach, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte und selbst aus dem ostthüringischen Gera stammt, kam eher zufällig zu diesem Buchprojekt. Im Jahr 2022 stieß er auf Facebook auf ein Netzwerk von Menschen, die sich unter anderem mit der „Ostmoderne“ in Ostthüringen auseinandersetzten.
Ein von ihm verfasster Kommentar sowie eine aus seiner Sicht völlig unverständlich ausgelöste Hasswelle gegen das Kulturhaus verstärkten sein Interesse zusätzlich. Dabei spielte sowohl seine regionale Verbundenheit als auch die starke Emotionalität eine Rolle, die sich rund um die Maxhütte und das Stahlwerk Thüringen entwickelte.
Industriegeschichte als Grundlage: Die Maxhütte und ihre Bedeutung für das Kulturhaus
Das Kulturhaus verdankt seine Existenz dem Stahlwerk Unterwellenborn, das zu DDR-Spitzenzeiten bis zu 10.000 Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte beschäftigte. Die Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn wurde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.
Von 1921 bis 1946 war das Werk Teil des Flick-Konzerns. Als kriegswichtiger Betrieb wurde es ab 1936 vollständig auf Rüstungsproduktion umgestellt. In den Kriegsjahren wurden rund 600 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, vornehmlich aus Osteuropa, eingesetzt.
Kultur auch im ländlichen Raum: Der „Bitterfelder Weg“
Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs erfolgte am 5. Juni 1946 die Enteignung der Maxhütte, die zunächst als SAG – sowjetische Aktiengesellschaft – weitergeführt wurde. Ab dem 1. Juli 1948 wurde die Maxhütte in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt.
Mit dem von der DDR-Regierung eingeschlagenen „Bitterfelder Weg“, der Kultur auch im ländlichen Raum etablieren sollte, begann der Aufbau von Kulturhäusern, die den Großbetrieben angeschlossen waren.

Ein Blick ins Innere des Gebäudes, das zunehmend verfällt. Initiativen setzen sich für eine Sanierung des denkmalgeschützten Kulturpalastes ein. / © Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)
Strukturwandel nach der Wiedervereinigung: Vom VEB zur modernen Stahlproduktion
Nach mehreren Namens- und Besitzänderungen wurde der Betrieb des VEB Maxhütte Unterwellenborn im Jahr 1992 eingestellt.
Seit 1995 produzierte das „Stahlwerk Thüringen“ am Standort Unterwellenborn. Seit Februar 2012 stellt das brasilianische Unternehmen CSN mit rund 3.000 Beschäftigten Stahl in Unterwellenborn her.
Kein Lost Place: Warum der Kulturpalast Unterwellenborn weiterhin Potenzial hat
Auf die Frage, ob es sich um einen „Lost Place“ handele, verneint Christoph Liepach dies. Für ihn wirkt das Gebäude, das von außen wie ein „Boot im Wald“ erscheint, eher wie ein „Dornröschenschloss, in dem alles Mögliche steckt“ und das darauf wartet, saniert und restauriert zu werden.
Im Jahr 2016 entdeckte er im Internet veröffentlichte Fotografien eines Fotografen, die das Gebäude zu einem Zeitpunkt zeigten, als der „Verein zur Rettung des Kulturpalastes – ‚KuPa‘ Unterwellenborn“ dort ansässig war und sich das Haus noch in einem intakten Zustand befand.
Engagement für den Erhalt: Initiativen und öffentliche Debatten zur Industriekultur
Auch wenn die Aktivitäten des Vereins zur Rettung des „KuPa“ inzwischen nachgelassen haben, engagieren sich in sozialen Netzwerken weiterhin zahlreiche Akteure für den Erhalt des Gebäudes.
Liepach betont, dass auch sein Buch dazu beitragen soll, ein Bewusstsein zu schaffen und Synergien zu erzeugen, damit das Kulturhaus langfristig erhalten werden kann.
Architekt Josef Kaiser: Prägende Figur der DDR-Architektur und Ostmoderne
Der Architekt des Kulturpalastes Unterwellenborn, Josef Kaiser, dessen Entwürfe auch die Architektur Ost-Berlins maßgeblich geprägt haben, erhält in Liepachs Buch eine besondere Würdigung.
Neben dem Kulturpalast in Unterwellenborn plante und realisierte Kaiser auch das Kulturhaus im neoklassischen Stil in Rüdersdorf sowie in Ost-Berlin das „Kino International“ und das IHZ – Internationale Handelszentrum – in der Friedrichstraße.
Quellen: Bildband „Max braucht Gesellschaft“, Wikimedia Commons
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Architektonisch sind die Kulturhäuser der DDR weitestgehend „unterirdisch“. Aber sicherlich, auch „unterirdische“ Architektur ist denkmalschutzwert, wenn sie für eine bestimmte bedeutsame Architekturepoche steht. Nur: Die Kulturhäuser müssen – wie alle Architekturdenkmale – erhalten und daher bezahlt werden. Daher mag man drei, vier typische Häuser erhalten, den Rest nur, wenn er sich rechnet, also noch in Betrieb ist und der Betrieb kein Zusatzgeschäft ist.
Nach Ihrer Logik brauchte die DDR auch keine Kirchen und Schlösser, hat diese aber weit überwiegend erhalten. Und nicht jede gründerzeitliche Kirche und jedes märkische Gutshaus war eine architektonische Meisterleistung. Offenbar waren die Genossen da etwas weltoffener als so mancher heutige Zeitgenosse. Die Architekten haben nach dem Krieg regionale Bezüge aufgenommen. In Dresden Barock und in Brandenburg Klassizismus. Das wünschte ich mir bei der Austauschbarkeit heutiger Architekturen auch manchmal.
Epochenarchitektur ist immer austauschbar.
Und die DDR hat weitestgehend keine Kirchen erhalten, das waren die katholische und protestantische Kirche – in weiten Teilen mit Mitteln der Westkirchen! Herausragendes Beispiel ist der Berliner Dom, dessen Wiederherstellung ausnahmslos aus dem Westen bezahlt wurde, wobei die DDR dann noch „unanständige“ Bedingungen für die Restaurierung stellte. Sie werden sich sicherlich immer wieder über die historischen Häuser nördlich des Kollwitzplatzes freuen – bezahlt zu DDR-Zeiten ausnahmslos aus dem Westen!
Und die DDR hat – über die Sprengung des Berliner Stadtschlosses hinaus (welche Barbarei) – genügend Kirchen, Schlösser, Gutshäuser usw. verfallen lassen oder gar abgerissen. Dass nicht noch mehr abgerissen wurde, war den wirtschaftlichen Verhältnissen der DDR geschuldet. Und bei allem Respekt: Die Pseudo-klassizistischen Bauten der Stalinära wollen Sie jetzt nicht wirklich vergleichen mit Bauten aus Romanik, Gotik, Renaissance, Klassizismus, Barock usw. Selbst die historistischen Bauten sind ausdrucksstärker und bedeutender als der Stalinmüll! Aber wie ausgeführt ist auch schlechte oder gar „unterirdische“ Architektur denkmalschutzwert – ein schönes Beispiel ist dafür Kassel mit seiner flächendeckend fürchterlichen 50er-Jahre-Architektur!
Ganz nebenbei: Über den deutschen Denkmalschutz mit seinen wahnhaften Vorstellungen könnte man auch noch mal diskutieren!