Berlin erhält mehrere markante DDR-Bauten. Sechs Projekte zeigen, wie aus Büros, Plattenbauten und Lost Places neue Stadtorte werden.

Haus der Statistik
DDR-Verwaltungsbau als Ausgangspunkt eines neuen Stadtquartiers
Sixty2
Umbau eines DDR-Bürohauses mit Wohnungen, Büros und Gastronomie
Spreepark
Der frühere DDR-Kulturpark wird zum Kunst-, Kultur- und Naturpark
Haus der Gesundheit
Ehemalige DDR-Poliklinik mit geplanter sozialer und gesundheitlicher Nutzung
Funkytown – Block E
Ehemaliger DDR-Rundfunkbau als Mittelpunkt eines neuen Kreativcampus
PLATTE Berlin
DDR-Plattenbau als Standort für Mode, Design und Kreativwirtschaft

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Berlin verliert weiterhin Gebäude aus der DDR-Zeit. Doch nicht jeder Bau muss einem Neubau weichen. An mehreren Standorten setzen das Land, Bezirke und private Entwickler inzwischen auf Sanierung, Weiterbau und neue Nutzungen. Die Projekte reichen vom früheren Verwaltungsbau am Alexanderplatz über einen Rundfunkstandort bis zum ehemaligen Kulturpark. Einige Umbauten laufen bereits, bei anderen ist die Zukunft noch nicht abschließend gesichert.

Haus der Statistik: DDR-Verwaltungsbau wird Teil eines neuen Quartiers

Das „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz zeigt seine helle Fassade mit gelben Akzenten; im Hintergrund steht ein Hochhaus an der Otto-Braun-Straße.

Das Haus der Statistik bildet den zentralen Bestand des geplanten Quartiers in Berlin-Mitte. Der Bebauungsplan regelt die künftige Ergänzungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Otto-Braun-Straße 70–72, 10178 Berlin
  • Projektstatus: Sanierung des Bestands abgeschlossen, weitere Quartiersentwicklung in Planung
  • Baubeginn Bestandssanierung: Mai 2022
  • Fertigstellung Bestandssanierung: Dezember 2025

Das Haus der Statistik am Alexanderplatz gehört zu den größten Berliner Beispielen für den Erhalt eines DDR-Gebäudekomplexes. Der Bau entstand zwischen 1968 und 1970 für die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik. Nach jahrelangem Leerstand wurde der Bestand vollständig entkernt, von Schadstoffen befreit und technisch erneuert. Das Finanzamt Mitte/Tiergarten zog bereits im Frühjahr 2025 in erste Gebäudeteile ein. Die Sanierungsarbeiten am gesamten Bestand endeten im Dezember 2025.

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Der erhaltene Gebäudekomplex bildet nun den Ausgangspunkt für ein größeres Stadtquartier zwischen Otto-Braun-Straße, Karl-Marx-Allee, Berolinastraße und Mollstraße. Der Bebauungsplan sieht zusätzliche Verwaltungsgebäude, rund 300 bezahlbare Wohnungen, gemeinschaftlich nutzbare Experimentierhäuser und öffentliche Freiräume vor. Auch ein neues Rathaus für den Bezirk Mitte gehört zum Konzept.

„Sixty2“: DDR-Bürohaus an der Klosterstraße bleibt bestehen

Die Visualisierung zeigt das Projekt Sixty2 in der Klosterstraße in Berlin-Mitte. Das ehemalige DDR-Bürogebäude wird im Rahmen einer Revitalisierung erhalten und umgebaut. Künftig entstehen dort Wohnungen, Micro-Apartments, Büroflächen, Gastronomie und weitere Gewerbenutzungen.

Die Visualisierung zeigt das Revitalisierungsprojekt „Sixty2“ in der Klosterstraße in Berlin-Mitte. Das frühere DDR-Bürogebäude wird zu einem gemischt genutzten Gebäude umgebaut. / © Visualisierung: Trockland

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Klosterstraße 62, 10179 Berlin
  • Projektstatus: Im Umbau
  • Besonderheiten: 43 Mietwohnungen, Büros, Gastronomie und öffentlich zugänglicher Innenhof

Beim Projekt „Sixty2“ an der Klosterstraße verbindet der Projektentwickler Trockland den Erhalt eines DDR-Bürohauses mit mehreren Ergänzungsbauten. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1975 und basiert auf einem für die DDR typischen Stahlbetonskelett. Statt den Komplex abzureißen, lässt Trockland den Bestand sanieren, umbauen und erweitern. Historische Bestandteile wie das Mosaik im Erdgeschoss und die früheren Eingangstore sollen restauriert werden.

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Im Westgebäude entstehen rund 7.200 Quadratmeter flexibel aufteilbare Büroflächen. Im geschützten Innenhof ist ein Neubau mit 43 Mietwohnungen vorgesehen. Balkone und begrünte Flächen sollen den Wohnbereich von der stark befahrenen Stralauer Straße abschirmen.

Spreepark: Aus dem DDR-Kulturpark wird ein Kunst- und Naturpark

Das Riesenrad im Spreeparkt wurde nach umfangreicher Sanierung wieder aufgebaut.

Das Riesenrad im Spreeparkt wurde nach umfangreicher Sanierung wieder aufgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Kiehnwerderallee 1–3, 12437 Berlin
  • Projektstatus: Baumaßnahmen laufen
  • Baubeginn: 2023
  • Geplante Fertigstellung: Frühjahr 2027

Der heutige Spreepark im Plänterwald eröffnete 1969 als Kulturpark Berlin. Er war der einzige dauerhaft betriebene Vergnügungspark der DDR. Nach der Wiedervereinigung führte ein privater Betreiber das Gelände unter dem Namen Spreepark weiter. Im Jahr 2001 schloss der Park. Das verlassene Areal mit seinem stillstehenden Riesenrad entwickelte sich anschließend zu einem der bekanntesten Lost Places Berlins.

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Nun entsteht auf dem Gelände ein Kunst-, Kultur- und Naturpark. Historische Bestandteile bleiben erhalten oder werden neu interpretiert. Das Riesenrad wurde demontiert, saniert und 2025 mit originalen sowie neuen Bauteilen wieder aufgebaut. Die ehemalige Werkhalle wird zum Haupteingang und zur Veranstaltungshalle. Teile des früheren Tassenkarussells sollen künftig als Gestaltungselemente dienen. Die landeseigene Grün Berlin GmbH plant die Wiedereröffnung für das Frühjahr 2027.

Haus der Gesundheit: Hellersdorfer Poliklinik soll wieder genutzt werden

Der verschlossene Eingangsbereich des „Haus der Gesundheit“ in Hellersdorf. Holzplatten sichern die Türen, Graffiti bedecken die Fassade und der beschädigte Schriftzug macht den langjährigen Leerstand des Lost Places deutlich.

Das seit 2014 leer stehende „Haus der Gesundheit“ in Hellersdorf zählt heute zu den bekanntesten Lost Places des Bezirks. Der Eingang ist verbarrikadiert und mit Graffiti übersät. / © Foto: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf

  • Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
  • Adresse: Etkar-André-Straße 8, 12619 Berlin
  • Projektstatus: Interessenbekundungsverfahren läuft
  • Besonderheiten: soziale und gesundheitliche Angebote sind vorgeschrieben

Das frühere Haus der Gesundheit in Hellersdorf entstand noch zu DDR-Zeiten als Poliklinik für die neue Großsiedlung. Nach 1990 nutzten Arztpraxen, eine Apotheke und das Gesundheitsamt das fünfgeschossige Gebäude. Wegen erheblicher Brandschutzmängel schloss der Standort 2014. Seither stehen rund 8.500 Quadratmeter Nutzfläche leer. Vandalismus und der lange Leerstand haben den Sanierungsbedarf zusätzlich erhöht.

Der Bezirk will das Grundstück samt Gebäude nun über ein Erbbaurecht vergeben. Interessenten können bis zum 31. August 2026 Konzepte einreichen. Vorgeschrieben ist eine Mischung aus gesundheitlicher oder sozialer Infrastruktur und ergänzenden Büroflächen. Noch steht jedoch nicht fest, ob das Verfahren zu einem Vertrag führt. Auch ein Baubeginn und eine Fertigstellung lassen sich deshalb derzeit nicht seriös nennen.

„Funkytown“: DDR-Rundfunkbau wird zum Mittelpunkt eines Kreativcampus

Funkytown-Werbetafel vor der Baustelle an der Rummelsburger Landstraße.

Werbetafeln und Fassadenbanner informieren über das geplante „Funkytown“-Quartier in Oberschöneweide. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Rummelsburger Landstraße 96a, 12459 Berlin
  • Projektstatus: Block E im Bau
  • Geplante Fertigstellung Block E: drittes Quartal 2027

Beim Projekt „Funkytown“ in Oberschöneweide bleibt der frühere DDR-Rundfunkbau Block E erhalten. Das fünfgeschossige Gebäude stammt aus den frühen 1960er-Jahren und gehörte zum Rundfunkstandort an der Nalepastraße. Unter anderem arbeitete dort der DDR-Jugendsender DT64. Obwohl Block E nicht unter Denkmalschutz steht, integriert Trockland den Stahlbetonskelettbau in den neuen Campus. Die Sanierung umfasst auch energetische Arbeiten an der Gebäudehülle und der Bodenplatte.

sind Büros, Co-Working-Bereiche, Studios, Ateliers und ein Café. Ergänzend plant der Entwickler acht Neubauten. Sie sollen Räume für Bildung, Kultur, Beherbergung, Gastronomie, Sport und kreatives Handwerk aufnehmen. Block E soll im dritten Quartal 2027 fertig werden. Für die acht sogenannten Stations nennt die Projektseite die Jahre 2028 und 2029.

„PLATTE Berlin“: DDR-Plattenbau wird zum Treffpunkt für Mode und Design

Der markante DDR-Plattenbau von PLATTE Berlin steht an der Memhardstraße direkt am Alexanderplatz.

Der DDR-Plattenbau an der Memhardstraße wird als Modehaus PLATTE Berlin für Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen genutzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Memhardstraße 8, 10178 Berlin
  • Projektstatus: In Nutzung
  • Beginn der neuen Nutzung: 2021

Der markante Plattenbau an der Memhardstraße gehört zu einem DDR-Ensemble unmittelbar am Alexanderplatz. Ein Abriss stand über längere Zeit zur Diskussion, gilt wegen des geschützten städtebaulichen Zusammenhangs jedoch nicht als realistische Option.

Seit 2021 nutzt „PLATTE Berlin“ den DDR-Bau als Mode- und Kreativstandort. Damit erhielt vor allem der gewerblich genutzte Bereich des Gebäudes eine neue Funktion, ohne dass eine umfassende Grundsanierung erfolgte. Mit dem Projekt FASHION BLOCK wurde der Standort kürzlich erweitert.

DDR-Bauten in Berlin: Erhalt reicht von fertiger Sanierung bis offener Planung

Die sechs Beispiele stehen für sehr unterschiedliche Projektstände. Am Haus der Statistik ist die Sanierung des Bestands abgeschlossen, während das umliegende Quartier erst schrittweise entsteht. Bei „Sixty2“ und „Funkytown“ laufen konkrete Bauarbeiten. Der Spreepark soll im Frühjahr 2027 wieder öffnen. „PLATTE Berlin“ nutzt seinen Standort bereits seit mehreren Jahren. Am Haus der Gesundheit ist die Zukunft dagegen noch nicht gesichert.

 

Quellen: BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Grün Berlin GmbH, Spreepark Berlin, Haus der Statistik, Trockland Management GmbH, Funkytown Berlin, PLATTE Berlin, Bezirksamt Mitte

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One Comment

  1. Torsten Behrend 6. August 2026 at 18:18 - Reply

    Also der Memhardblock ist so hässlich, dass man sich in Bucarest oder einer Stadt in Sibirien wähnt.
    Warum auch dieser hässliche Ossiklotz unter Denkmalschutz gestellt hat, ist nicht zu fassen.
    Das Haus der Statistik bleibt auch nach der Sanierung ein hässlicher Ostbau.
    Irgendwie setzten sich im Ostteil Berlins immer noch die Ostalgiker durch, ich hoffe, dass wenigstens das SEZ abgerissen wird.

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