Fünf Jahre nach dem Volksentscheid ist die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne wieder ein Streitthema im Berliner Wahlkampf. Doch die Fronten verlaufen nicht nur zwischen den Parteien – auch in der Bevölkerung zeigt sich ein anderes Bild als 2021. Wer hält an der Vergesellschaftung fest, wer lehnt sie ab?

Wahlplakate verschiedener Parteien im Berliner Straßenraum vor der Abgeordnetenhauswahl 2026. Die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände gehört zu den umstrittenen wohnungspolitischen Themen des Wahlkampfs. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Fünf Jahre nach dem erfolgreichen Volksentscheid ist die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne zurück im Zentrum der Berliner Politik. Vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 treffen dabei sehr unterschiedliche Positionen aufeinander. Linke und Grüne wollen den eingeschlagenen Weg fortsetzen, CDU und AfD lehnen eine Vergesellschaftung ab. Bei der SPD ist die Lage komplizierter. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Umfrage: Auch die Stimmung in der Bevölkerung zum Thema Enteignung hat sich verändert.
- Abgeordnetenhauswahl: 20. September 2026
- Linke: will große Immobilienkonzerne vergesellschaften
- Grüne: bekennen sich zum Volksentscheid und wollen die Vergesellschaftung weiter vorantreiben
- SPD: Spitzenkandidat Steffen Krach lehnt die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände ab
- CDU: lehnt die Vergesellschaftung ab
- AfD: lehnt Enteignungen und Vergesellschaftungen ab
Beim Wohnen liegen die Probleme für viele Berliner auf der Hand. Im aktuellen BerlinTrend von rbb und Infratest dimap nennen 32 Prozent Wohnen, steigende Mieten und Wohnungsmangel als wichtigstes Problem der Stadt. Kein anderes Thema erreicht einen vergleichbaren Wert. Gleichzeitig findet ausgerechnet eines der umstrittensten wohnungspolitischen Instrumente heute weniger Zustimmung als noch vor einigen Jahren.
Der BerlinTrend vom September 2026 zeigt erstmals seit dem Volksentscheid eine Mehrheit gegen die Enteignung großer privater Wohnungskonzerne: 46 Prozent halten sie für eher schlecht, 37 Prozent für eher gut.
Die Zahlen lassen sich allerdings nicht unmittelbar mit dem amtlichen Ergebnis von 2021 vergleichen. Damals wurde über einen konkreten Beschlussentwurf abgestimmt, während die aktuelle Umfrage allgemein nach der Bewertung von Enteignungen großer Wohnungskonzerne fragt.
Die Linke und Grüne wollen die Vergesellschaftung
Und wie stehen sich die großen Berliner Parteien zu diesem Thema? Am deutlichsten positioniert sich die Linke. In ihrem Wahlprogramm kündigt sie an, große Immobilienkonzerne zu vergesellschaften. Spitzenkandidatin Elif Eralp hat die Umsetzung zudem zu einer zentralen Voraussetzung für eine mögliche Regierungsbeteiligung gemacht. Zuletzt räumte sie allerdings ein, dass die praktische Umsetzung Zeit benötigen würde. Die Partei verbindet die Vergesellschaftung mit weiteren Maßnahmen wie einem Mietendeckel bei den landeseigenen Gesellschaften und einem Landesamt für Mieterschutz.
Die Grünen bekennen sich ebenfalls zum erfolgreichen Volksentscheid. Ihr Wahlprogramm bezeichnet die Vergesellschaftung als rechtlich möglich und finanzierbar und kündigt an, den Prozess weiter voranzutreiben. Spitzenkandidat Werner Graf hat diese grundsätzliche Unterstützung im Wahlkampf bestätigt. Anders als die Linke stellen die Grünen die Vergesellschaftung jedoch nicht in den Mittelpunkt ihrer Wohnungspolitik.

Wohnhäuser am Swiftweg in der Alliiertensiedlung Westend. Hier will die Deutsche Wohnen den bisherigen Bestand durch eine deutlich dichtere Neubebauung ersetzen./ © Foto: Wikimedia Commons, Definitiv, CC BY-SA 4.0
CDU und AfD lehnen Vergesellschaftung ab, die SPD macht’s kompliziert
Besonders erklärungsbedürftig ist die Position der SPD. Das Wahlprogramm 2026 enthält keine vergleichbar klare Forderung nach einer Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände. Gleichzeitig existieren ältere Parteibeschlüsse, die weiter gehen. Ein Berliner SPD-Parteitag hatte sich für die Erarbeitung eines Vergesellschaftungsgesetzes ausgesprochen. Spitzenkandidat Steffen Krach vertritt im Wahlkampf 2026 jedoch eine andere Linie und lehnt die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände ausdrücklich ab.
Bei der CDU ist die Position eindeutig. Sie lehnt eine Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen ab und setzt stattdessen auf Neubau, Eigentumsbildung und private Investitionen. Auch die AfD lehnt Vergesellschaftungen ab. Sie setzt in der Wohnungspolitik stärker auf Wohneigentum und andere Instrumente als staatliche Übernahmen großer privater Bestände.
Hat Berlin seine Meinung zur Enteignung geändert?
Fest steht: Die Vergesellschaftung polarisiert weiterhin stark. Linke- und Grünen-Anhänger bewerten sie in Umfragen mehrheitlich positiv, bei CDU, SPD und AfD überwiegt die Ablehnung. Gleichzeitig bleibt Wohnen das wichtigste Problem, das die Berliner in der aktuellen Umfrage nennen.
Damit steht wenige Tage vor der Wahl ein bemerkenswerter Widerspruch im Raum: Der politische Druck wegen hoher Mieten und fehlender Wohnungen ist groß, doch für die Vergesellschaftung als mögliche Antwort darauf gibt es aktuell keine Mehrheit in der Bevölkerung.
Im vierten und letzten Teil der Serie geht es deshalb um die entscheidende Sachfrage: Was würde eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände tatsächlich kosten, wie könnte sie finanziert werden – und was würde sie für Mieter und den Berliner Wohnungsmarkt verändern?
Quellen: Infratest dimap, rbb24, Wahlprogramme von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und AfD
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3 Kommentare
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Wie so immer
Es kommt auf die genaue Fragestellung der Umfrage an
wie lautete denn selbige genau?
Wer hat wo teilgenommen?
nach dem Motto,wer beauftragt und bezahlt bekommt die richtigen Anworten
So kurz vor der Wahl plaziert macht mehr als nachdenklich.
Übrigens wer steht hinter „Entwicklungsstadt“ ? der Stadtentwicklungssenat ? zu mindestens finanziell?
Hallo Joachim, hinter ENTWICKLUNGSSTADT steht das unabhängige Medienunternehmen BerliMedia GmbH mit Sitz in Berlin, wie Du in unserem Impressum transparent erkennen kannst. Mit dem Berliner Senat haben wir nichts zu tun, das Wort Stadtentwicklung ist ja universell nutzbar. Viele Grüße, Deine ENTWICKLUNGSSTADT-Redaktion.
Woher die Finanzierung kommt bleibt offen
Auffällig ist doch die „ gefällige“ Präsentation der Projekte
Gärbler wird es freuen: Bauen,Bauen,Bauen