Das Büroprojekt „The Friedenauer“ setzt auf ein innovatives Energiekonzept mit Abwasserwärme und Wärmepumpen. Damit entsteht eines der ersten Berliner Bürogebäude, das vollständig auf fossile Energieträger verzichtet.

Unter Berlin fließt bislang ungenutzte Energie: warmes Abwasser. „The Friedenauer“ erschließt dieses Potenzial und nutzt es mithilfe von Wärmetauschern und Wärmepumpen für Heizung und Kühlung. Das Projekt gilt als Pilotvorhaben für nachhaltige Energieversorgung in einem urbanen Büroquartier. / © Visualisierung: OFB Projektentwicklung GmbH
© Visualisierungen: bloomimages / OFB Projektentwicklung GmbH
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Unter Berlin fließt tagtäglich eine bislang kaum genutzte Ressource: warmes Abwasser. Was bislang wenig Beachtung fand, birgt ein erhebliches energetisches Potenzial.
Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten entstehen dadurch kontinuierlich verfügbare Wärmequellen, die zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter genutzt werden können. Das Büroprojekt „The Friedenauer“ am Innsbrucker Platz greift diesen Ansatz auf und integriert die thermische Nutzung des städtischen Abwassers konsequent in sein Energiekonzept.
„The Friedenauer“: Nachhaltige Wärmeversorgung durch Nutzung von Abwasserwärme und Wärmepumpen
Kern des Versorgungssystems ist ein monovalentes Energiekonzept, das vollständig auf fossile Energieträger verzichtet. Stattdessen wird dem Mischwasserkanal über Wärmetauscher Energie entzogen, die anschließend mithilfe hocheffizienter Wärmepumpen auf ein nutzbares Temperaturniveau gebracht wird. Im Winter dient diese Energie zur Beheizung der Büroflächen, im Sommer wird der Prozess umgekehrt und das System zur Kühlung der Innenräume genutzt.
Ein entscheidender Vorteil dieses Konzepts liegt in der relativ konstanten Temperatur des Abwassers. Anders als Außenluft oder Grundwasser unterliegt es geringeren jahreszeitlichen Schwankungen. Diese Stabilität ermöglicht eine kontinuierliche und planbare Energieversorgung und erhöht die Effizienz der eingesetzten Wärmepumpentechnologie, wie der federführende Projektentwickler OFB mitteilt. Damit entsteht ein geschlossenes System, Energie für Heizen und Kühlen aus derselben Quelle bezieht.
Tempelhof-Schöneberg: Pilotprojekt mit Signalwirkung für die urbane Energiewende
Das Wärmerückgewinnungssystem wird in Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben und der GASAG AG umgesetzt und zählt zu den ersten Anwendungen dieser Technologie in einem großmaßstäblichen Büroprojekt in Berlin. Zwar existieren vergleichbare Anlagen seit den 1980er-Jahren in Deutschland und Europa – etwa im Stuttgarter Neckarpark oder in verschiedenen Kommunen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg – doch im Berliner Kontext und speziell für ein Büroquartier besitzt das Projekt Pilotcharakter.
Damit ist das derzeit wachsende Projekt „The Friedenauer“ als Vorreiter für die urbane Energiewende in der Hauptstadt. Das Vorhaben demonstriert, wie bestehende Infrastrukturen in nachhaltige Versorgungskonzepte eingebunden werden können. Die Kanalisation wird nicht mehr nur als Entsorgungsnetz verstanden, sondern als Bestandteil eines dezentralen Energiesystems.
Büroprojekt „The Friedenauer“: Vollständige Elektrifizierung und perspektivisch CO₂-neutraler Betrieb
Das Energiekonzept der Immobilie setzt konsequent auf vollständige Elektrifizierung. In Kombination mit Photovoltaikanlagen, einer mechanischen Belüftung sowie einem integrierten Energiemonitoring entsteht ein effizient vernetztes System, das sowohl ökologische als auch betriebliche Vorteile bietet. Die CO₂-Emissionen des Gebäudebetriebs können dadurch deutlich reduziert werden und perspektivisch ist ein CO₂-neutraler Betrieb möglich.
Ergänzt wird das System durch eine differenzierte Einzelraum- und Zonenregelung im Gebäude. Nutzerinnen und Nutzer können Temperatur und Lüftung individuell steuern, während das Energiemonitoring eine kontinuierliche Überwachung und Optimierung des Verbrauchs erlaubt. Damit verbindet das Projekt technologische Innovation mit gesteigertem Nutzerkomfort.
Neubau am Innsbrucker Platz: Vom Infrastrukturprojekt zum Klimabaustein
Die Nutzung von Abwasserwärme steht exemplarisch für einen Perspektivwechsel in der städtischen Energieversorgung. Urbane Infrastrukturen werden heute nicht mehr nur als funktionale Versorgungssysteme verstanden, sondern als aktive Bestandteile einer klimawirksamen Stadtentwicklung. „The Friedenauer“ greift diesen Ansatz auf und realisiert ein zukunftsorientiertes Gebäudekonzept, das technische Innovation mit ökologischer Verantwortung verbindet.
Entwickelt wird „The Friedenauer“ auf dem Areal der Friedenauer Höhe am Innsbrucker Platz. Das Büroensemble entsteht in einem lebendigen, hochfrequentierten urbanen Stadtraum und soll neue Arbeitsflächen im südlichen Innenstadtbereich schaffen.
Modell für kommende Stadtquartiere: Nachhaltige Energieversorgung für „The Friedenauer“
Der Bau befindet sich derzeit in der Umsetzung, die ersten Etagen ragen mittlerweile aus der Baugrubeheraus. Mit seinem nachhaltigen Energieversorgungskonzept ergänzt das Projekt die städtebauliche Transformation des Standorts um eine ökologische Dimension.
Mit der konsequenten Nutzung von Abwasserwärme zeigt „The Friedenauer“, wie sich Klimaschutz, Energieeffizienz und urbane Dichte verbinden lassen. Das Projekt fungiert damit nicht nur als Bürostandort, sondern auch als Reallabor für eine neue Form der Energiegewinnung in der Stadt.
Das Vorhaben unterstreicht, dass die Energiewende nicht allein in Windparks oder Solarfeldern stattfindet, sondern auch unter den Straßen der Metropole. Die Fertigstellung des Projektes ist für 2027 geplant. Dann wird der heute noch vor allem auf Plänen und Visualisierungen präsente „The Friedenauer“ im Alltag seiner Nutzerinnen und Nutzer spürbar, mit modernen Büroflächen, die bereits jetzt zur Vermietung bereitstehen. Das Ergebnis wird sichtbar machen, wie sich Technik, Architektur und Arbeitskultur an diesem Ort gegenseitig verstärken. Man darf gespannt sein.
Hinweis der Redaktion: Hier könnt Ihr unsere Podcast-Folge zum Projekt „The Friedenauer“ mit Vermieterinnen der OFB Aline Reuther und Maxi Emilia Günther noch einmal hören.

So soll das neue Quartier nach seiner Fertigstellung aussehen. Das Gewerbeprojekt „The Friedenauer“ wird den Abschluss der Friedenauer Höhe zur Hauptstraße hin bilden. / © Visualisierung: bloomimages / OFB Projektentwicklung GmbH

Gebaut wird auch bei klirrender Kälte: „The Friedenauer“ wächst sukzessive in die Höhe. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: OFB Projektentwicklung GmbH, GASAG AG, Berliner Wasserbetriebe
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