Mehr Grün, weniger Asphalt und neue Wege für Fuß- und Radverkehr: Der Barbarossaplatz in Schöneberg soll in den kommenden Jahren grundlegend umgestaltet werden. Bei einer emotional geführten Informationsveranstaltung zeigte sich jedoch, wie unterschiedlich die Erwartungen an die Zukunft des Platzes sind.

Saskia Ellenbeck, Tempelhof-Schöneberg

Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck verteidigte die Pläne für die künftige Umgestaltung des Barbarossaplatzes in Schöneberg. Nach Abschluss der laufenden Fernwärmearbeiten soll der Platz ab Sommer 2027 schrittweise neugestaltet werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Visualisierung Titelbild: r+b landschaft s architektur, RenderAtelier

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Es war eine zum Teil sehr emotionale Veranstaltung am Montagabend im BVV-Saal des Rathauses Schöneberg. Thema des Abends war die geplante Umgestaltung des Barbarossaplatzes in Berlin-Schöneberg.

Eröffnet wurde die Informationsveranstaltung durch Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck vor gut 150 interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Das Interesse an diesem Projekt ist also groß; sicher ein Grund dafür, dass man die ursprünglich im Louise-Schröder-Saal geplante Veranstaltung kurzfristig in den BVV-Saal verlegte.

Großes Interesse an der Zukunft des Barbarossaplatzes in Schöneberg

Der Barbarossaplatz in Schöneberg soll fußverkehrsfreundlich und zukunftsorientiert im Sinne des Klimawandels umgestaltet werden. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, fand zuvor ein umfangreicher Beteiligungsprozess mit einem parallel dazu durchgeführten Wettbewerbsverfahren statt.

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Die Planungen zur Umgestaltung des Barbarossaplatzes basieren auf dem Siegerentwurf eines freiraumplanerischen Wettbewerbs, der Ende des Jahres 2024 stattfand. Bei einer Ausstellung Anfang 2025 wurden der Siegerentwurf sowie die weiteren 18 eingereichten Entwürfe präsentiert. Siegreich war damals das Büro r+b landschaft s architektur.

Komplexe Rahmenbedingungen für die Neugestaltung des Barbarossaplatzes

Grundlage für die eingereichten Wettbewerbsarbeiten war ein umfangreiches Bürgerbeteiligungsverfahren, das im Frühjahr 2024 durchgeführt und durch einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Juli 2024 bestätigt wurde.

Ellenbeck ging in ihren einführenden Worten nochmals auf den langfristigen Planungsvorlauf ein und betonte die Komplexität des Vorhabens mit all den zu berücksichtigenden Faktoren, wie dem Denkmalschutz, den am Barbarossaplatz angesiedelten Grund- und Volkshochschulen, den zahlreich vorhandenen Verkehrsträgern inklusive der im Untergrund installierten technischen Infrastruktur sowie den Bedürfnissen der Anwohnenden.

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Stadtplatz in Schöneberg: Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität als Leitbild der Planung

Der Siegerentwurf, der sich aus drei Varianten mit dem Konzept „Grünes Wohnzimmer – ein Salon für ALLE“ durchsetzte, soll für nachhaltige Mobilität mit einer hohen Aufenthaltsqualität sorgen.

Die Prioritäten liegen dabei auf dem Fuß- und Radverkehr. Für ein besseres Stadtklima soll zudem das Prinzip der Schwammstadt sorgen. Im Projekt sind daher neue Beschilderungen und Piktogramme auf dem Platz sowie in den umliegenden Straßen vorgesehen.

Der Entwurf für den Barbarossaplatz sieht neue Grünflächen, zusätzliche Bäume, Sitzgelegenheiten und Radabstellanlagen vor. Ziel ist es, den heute stark vom Verkehr geprägten Platz klimaresilienter und attraktiver zu gestalten.

Der Entwurf für den Barbarossaplatz sieht neue Grünflächen, zusätzliche Bäume, Sitzgelegenheiten und Radabstellanlagen vor. Ziel ist es, den heute stark vom Verkehr geprägten Platz klimaresilienter und attraktiver zu gestalten. / © Visualisierung: r+b landschaft s architektur, RenderAtelier

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Mehr Platz für Fußverkehr und weniger Flächen für parkende Fahrzeuge

Insgesamt 1.000 Quadratmeter mehr Fläche für „zu Fuß Gehende“ hat man den verfügbaren Flächen abgerungen. Ebenso ist eine Reduzierung des ruhenden Verkehrs geplant.

Das Brandschutzkonzept ist durch fachliche Begutachtungen und die nicht verhandelbaren Vorgaben der Feuerwehr ein elementarer Bestandteil des Planungsentwurfs. Das machten die Bezirksvertreter an diesem Abend noch einmal deutlich.

Entsiegelung und Schwammstadt-Prinzip für ein besseres Stadtklima

Ein besseres Stadtklima soll durch Entsiegelung und einen verbesserten Hitzeschutz mittels speziell dafür ausgewählter Baumbepflanzungen erreicht werden. Der Entwurf sieht daher eine entsiegelte Fläche von 2.500 Quadratmetern vor.

Das Regenwasserkonzept nach dem Prinzip der Schwammstadt schafft die Voraussetzungen für Baumarten mit großen Baumscheiben. Die Architektin Rossa-Banthien stellte die Details des prämierten Wettbewerbsentwurfs zur Umgestaltung vor.

Landschaftsarchitekten stellen den Siegerentwurf für den Barbarossaplatz vor

Im Mittelpunkt stehen dabei fünf wesentliche Konzeptbausteine: die Förderung nachhaltiger Mobilität, Nachhaltigkeit und Entsiegelung, Klimaanpassung und Regenwassermanagement, die Erhöhung des Grünvolumens sowie der Biodiversität und die strukturelle Nutzung mit hoher Aufenthaltsqualität.

Neben diesen Konzeptbausteinen sollen die bereits vorhandenen Grünbestandteile des Areals einschließlich des Kinderbrunnens in die Planungen zur Umgestaltung integriert werden.

Bis 2029 soll der Umbau des Barbarossaplatzes abgeschlossen werden

Die detaillierte Planungsphase soll von Juni 2026 bis Februar 2027 laufen. Von Mai 2027 bis März 2028 startet die erste Bauphase für den Platzbereich.

Für die den Barbarossaplatz tangierenden Seitenstraßen beginnt die zweite Bauphase im Oktober 2027 und soll im Januar 2029 abgeschlossen sein. Wichtig für alle Anwohnenden: Alle Hauseingänge bleiben während der Bauphasen erreichbar.

Barbarossaplatz, Berlin-Schöneberg, Neugestaltung

So könnte der Barbarossaplatz nach seiner Umgestaltung aussehen: Mehr Grün, neue Aufenthaltsbereiche und eine verbesserte Aufenthaltsqualität sollen den Platz langfristig zu einem lebendigeren Stadtraum machen. / © Visualisierung: r+b landschaft s architektur, RenderAtelier

Kontroverse Diskussion über Parkplätze und Fördervorgaben

In der anschließenden, zeitweise temperamentvoll geführten Diskussionsrunde kamen unter anderem Rückfragen zu Abweichungen des Planungsentwurfs vom BVV-Beschluss hinsichtlich der Gestaltung des Pkw-Parkraums auf.

Dies konnte Saskia Ellenbeck sachlich beantworten, da für das Projekt Barbarossaplatz Finanzmittel aus einem Förderprogramm des Bundes und des Landes Berlin zur Verfügung gestellt werden, die an die Einhaltung bestimmter Richtlinien gebunden sind. Das betrifft sowohl die Vorgaben zur Entsiegelung des Straßenraums als auch die Richtlinien der Feuerwehr für die 5,50 Meter breite Aufstellfläche.

Fördermittel an klare Vorgaben für Klimaanpassung und Stadtentwicklung gebunden

Hielte man sich nicht an diese Richtlinien, gibt es keine finanzielle Unterstützung, was das Projekt insgesamt gefährden würde, so Ellenbeck. Die Umgestaltung des Barbarossaplatzes sieht der Bezirk demnach sowohl für Berlin als auch für den Bund als ein Projekt mit Modellcharakter.

Der jetzt angestoßene Prozess ist großzügig angelegt und soll für die kommenden Jahrzehnte eine umfassende Umweltverbesserung bewirken. Dafür müsse man bereit sein, Kompromisse einzugehen, so die Bezirksstadträtin.

Langfristige Finanzierung der Grünpflege soll gesichert werden

Auch die Grünpflege des neu gestalteten Platzes soll aufgrund der nachhaltig angelegten Infrastruktur finanziell abgesichert sein. Ein Bereich, der hinsichtlich einer nachhaltigen Grünpflege in Berlin dauerhaft unterfinanziert ist, was sich im Stadtbild vielerorts beobachten lässt.

Abschließend betonte Dr. Saskia Ellenbeck, dass das für das Vorhaben vorgesehene Budget vollständig durchfinanziert sei. Dafür sollen insbesondere die Fördermittel des Bundes und des Landes Berlin sorgen.

Baustellenbelastung rund um den Barbarossaplatz sorgt für Unmut

Ein Grund für die aufgebrachte Stimmung der Anwesenden ist möglicherweise auch die Tatsache, dass das Areal am und um den Barbarossaplatz bereits seit längerer Zeit eine Baustelle der Berliner Wasserbetriebe ist. Diese erneuern derzeit die teilweise mehr als hundert Jahre alten Leitungen im Untergrund.

Diese Bauarbeiten immerhin sollen im Sommer dieses Jahres enden. Die aufgerissenen Flächen sollen anschließend mit einer provisorischen Versiegelung geschlossen werden. Die nächste Baustelle beginnt bereits im Sommer des kommenden Jahres.

Daher könne man die aktuellen Baustellenabsperrungen aus Kostengründen gleich stehen lassen, merkte ein Bürger während der Fragerunde scherzhaft an. Diese Bemerkung sorgte schließlich doch noch für ein leichtes Schmunzeln und etwas Entspannung in der zuvor aufgeheizten Atmosphäre des BVV-Saals.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 24 867, BEW Berliner Energie und Wärme GmbH , Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, r+b landschaft s architektur, RenderAtelier

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