Der Neubau der Elsenbrücke schreitet voran, doch wie die Brücke am Ende aussehen wird, ist bis heute unklar. Die Antwort hängt von einer Entscheidung zum umstrittenen Weiterbau der A100 ab. Und es gibt noch viele weitere große Fragezeichen im Zusammenhang mit dem geplanten Weiterbau der Autobahn bis zur Storkower Straße.

Die Kreuzung Markgrafendamm/Stralauer Allee wird an die neue Verkehrsführung auf der Elsenbrücke angepasst. Ab August 2026 entstehen dort zwei neue Mittelinseln. Wie es mit dem geplanten Rückbau der Interimsbrücke weitergehen soll, ist derzeit allerdings noch offen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT, Open AI (mi KI erstellt)
Rund um die Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain gehört der Baustellenalltag inzwischen zum Stadtbild. Aktuell laufen weitere Arbeiten an der Stralauer Allee, um den Verkehr während der laufenden Brückenbauarbeiten neu zu organisieren. Ziel ist es, den Verkehrsfluss während der Bauphase möglichst aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Voraussetzungen für den weiteren Neubau zu schaffen.
Während auf der Baustelle Schritt für Schritt Fortschritte sichtbar werden, bleibt eine entscheidende Frage jedoch weiterhin unbeantwortet: Wie wird die Elsenbrücke nach ihrer vollständigen Fertigstellung überhaupt aussehen? Ausgerechnet diese zentrale Planungsfrage hängt von einem anderen Großprojekt ab: dem umstrittenen 17. Bauabschnitt der A100.
Treptow: Neubau der Elsenbrücke hängt unmittelbar von der A100 ab
Die Elsenbrücke zählt zu den wichtigsten Spreequerungen im Berliner Osten. Nachdem erhebliche Schäden an der Spannbetonkonstruktion festgestellt worden waren, musste der ursprüngliche Brückenzug abgerissen werden. Der westliche Neubau wurde mittlerweile fertiggestellt, doch über den zweiten Brückenteil kann bislang nicht abschließend entschieden werden.
Bislang ist hier die eigentlich als Provisorium errichtete Behelfsbrücke im Einsatz. Der Grund für diese Unklarheit liegt wenige Meter entfernt unter beziehungsweise über der Spree. Noch immer steht nicht fest, ob die geplante Verlängerung der Stadtautobahn A100 den Fluss künftig auf einer Brücke oder in einem Tunnel queren soll. Genau diese Entscheidung bestimmt jedoch, wie viel Platz künftig neben der Elsenbrücke zur Verfügung steht.
Wir die künftige Autobahn A100 die Spree über- oder unterqueren?
Sollte die A100 oberirdisch über die Spree geführt werden, wäre nach bisherigem Planungsstand kein Raum mehr für den zweiten Überbau der Elsenbrücke vorhanden. Die derzeitige Behelfsbrücke müsste dann langfristig zurück gebaut werden, ohne dass ein vollständiger Ersatz entstehen könnte.
Würde sich der Bund dagegen für eine Tunnellösung entscheiden, könnte die Elsenbrücke voraussichtlich in ihrer ursprünglich vorgesehenen Breite vollständig neu errichtet werden, so wie es auch der Berliner Senat geplant hatte.

Bleibt die provisorische Brückenüberquerung der Spree noch jahrelang erhalten, oder kann der Berliner Senat den Brückenbau wie geplant abschließen? Das hängt direkt mit dem geplanten Weiterbau der A100 zusammen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Weiterbau der A100 bis Pankow: Machbarkeitsstudie verzögert sich immer weiter
Genau diese Grundsatzentscheidung lässt jedoch weiter auf sich warten. Die Autobahn GmbH lässt derzeit mehrere Varianten untersuchen, darunter sowohl eine Spreequerung im Tunnel als auch eine Brückenlösung, wie kürzlich auch die Berliner Zeitung berichtete.
Nach Angaben des Bundes ist die außergewöhnliche Komplexität des Vorhabens dafür verantwortlich, dass sich die Machbarkeitsuntersuchung mehrfach verzögert hat. Diese Angaben gehen aus einer Antwort hervor, die auf die schriftliche Antwort dreier Politikerinnen aus Treptow-Köpenick (Katrin Schmidberger, Antje Kapek und Catrin Wahlen, allesamt Bündnis 90/Die Grünen) erfolgte.
Zwischen Treptow und Friedrichshain? Wird es künftig zwei Brückenbauten über die Spree geben?
Eigentlich war die Untersuchung bereits für den Sommer 2026 angekündigt worden. Inzwischen ist jedoch offen, wann die Ergebnisse tatsächlich vorliegen werden. Erst danach können Land Berlin und Autobahn GmbH ihre Planungen miteinander abstimmen und entscheiden, ob überhaupt ein zweiter Brückenüberbau realisiert werden kann und welche Breite dieser künftig erhalten soll.
Damit bleibt auch der weitere Zeitplan der Elsenbrücke unsicher. Das Land Berlin hatte die Ausschreibung für den zweiten Brückenabschnitt ursprünglich deutlich früher vorgesehen. Solange jedoch die Entscheidung über die A100 aussteht, können wesentliche Planungsschritte nicht abgeschlossen werden.
17. Abschnitt der A100: Tunnel oder Brücke entscheidet auch über Kosten und Akzeptanz
Die Entscheidung betrifft längst nicht nur die Elsenbrücke. Auch die Wirtschaftlichkeit des gesamten 17. Bauabschnitts steht damit auf dem Prüfstand. Eine Tunnelquerung unter der Spree würde das ohnehin milliardenschwere Autobahnprojekt nochmals erheblich verteuern, könnte gleichzeitig aber oberirdisch deutlich mehr Gestaltungsspielräume schaffen.
Eine Brückenlösung wäre vermutlich kostengünstiger, würde jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Verkehrsführung an der Elsenbrücke haben und dauerhaft Flächen beanspruchen. Parallel wird untersucht, welche Folgen die unterschiedlichen Varianten für angrenzende Infrastruktur, bestehende Bahnbrücken sowie die Stadtentwicklung entlang der Spree hätten.

Eine von mehreren möglichen Varianten: Eine Weiterführung der A100 durch Friedrichshain hindurch, zum Teil als gedeckelte Variante – eine kostenintensive Realisierung. / © Visualisierung: CDU Berlin
Autobahn-Weiterbau: Auch Wohnhäuser könnten erneut betroffen sein
Zusätzliche Diskussionen löst der mögliche Flächenbedarf des 17. Bauabschnitts aus. Bereits für den inzwischen eröffneten 16. Bauabschnitt mussten in der Beermannstraße Wohnhäuser abgerissen werden.
Für die Verlängerung Richtung Frankfurter Allee schließt der Bund weitere Gebäudeabbrüche bislang ausdrücklich nicht aus. Welche Grundstücke tatsächlich betroffen wären, soll ebenfalls erst die laufende Machbarkeitsuntersuchung klären. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg jedoch wächst die Angst vor dem Abriss bestehender Stadtstrukturen, um die Autobahn durch das dicht besiedelte Gebiet zu führen.
Elsenbrücke: Neubau läuft, aber wie sie am Ende aussehen soll, ist noch offen
Damit zeigt sich auch, wie eng beide Großprojekte inzwischen miteinander verknüpft sind. Obwohl der Neubau der Elsenbrücke längst begonnen hat, bleibt ihre endgültige Gestalt weiterhin offen.
Erst wenn feststeht, ob die A100 künftig über oder unter der Spree verlaufen soll, lässt sich beantworten, wie breit die neue Elsenbrücke am Ende tatsächlich wird. Bis dahin prägen vor allem Unsicherheit und zahlreiche offene Fragen eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Berliner Osten.
Elsenbrücke (Treptow-Köpenick)
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Aktionsbündnis A100 stoppen
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
6 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Vermutlich ist noch nich klar welche Interessengruppe – Tunnel oder Brücke – die höheren Bestechungssummen an die Parteien und die Ministeriumsbürokraten zahlt. Und es geht auch nicht um die Umwelt oder Wohnhäuser oder die Anwohner. Es geht um die Interessen der Autolobby, um die Profilierung vom Ministerialbürokraten.
Um die Interessen und den Willen der Bewohner des betroffenen Gebietes schert sich weder der Bund noch der Senat. Alles andere ist nur Augenwischerei und Opium fürs Volk.
In Friedrichshain braucht diese Verlängerung der A 100 kein Mensch.
In der Zeit knapper Kassen wäre das für den BA 17 vorgesehene Geld besser für den Ersatz sperrungsgefährdeter Brücken und die beschleunigte Sanierung der Eisenbahninfrastruktur angelegt. Daß die Elsenbrücke wegen der Unklarheiten in der Verkehrsführung des BA 17 z.Zt. nicht vollendet werden kann, ist ein weiteres Zeichen für das Fehlen von ingenieurtechnischem Fachwissen in den Planungsbüros und zugleich mangelnder Entschlußkraft im Verkehrsministerium.
Das spielt sich aber alles auf dem Rücken der Autofahrer ab, die aus derStralauer Allee in Richtung A100 oder Köpenicker Landstraße/Adlergestell fahren wollen.
Ich will nicht soweit wie Rudolf Schlehahn gehen und Bestechung unterstellen, aber der Einfluß der Beton- und Autolobby im Verkehrsministerium ist sicher erheblich
Tja wenn der Bundestag über ne nicht gewollte Autobahn entscheidet.
Aber klar man braucht die teuerste autobahn die es gibt in einer Stadt die die fehlentwicklung der Autogerechten Stadt zelebriert als wäre es noch 1960.
Das klingt ein bisschen so, als wäre Berlin irgendwo in Texas und man hätte 1500 Autos pro Einwohner und es gäbe keine Öffis (kleiner reminder: derzeit 300 pkw auf 1000 Einwohner) – 17. Bauabschnitt? Ein Relikt aus einer Zeit, als Frauen nicht arbeiten durften, wenn der Ehemann das nicht wollte, Homosexualität strafbar war, körperliche Gewalt in der Erziehung normal war und die viele Berliner Wohnungen keine eigenen Toilette hatten. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Stadtautobahnen und das Konzept der autogerechten Stadt sollten genau so ein Ding der Vergangenheit bleiben. Lieber in Öffis investieren.
Ich denke es geht vor allem um Geld und die Akzeptanz der Bürger.
Von daher sollte man für den Tunnel auf die Straße gehen!
Die Verlängerung der Autobahn ist beschlossen und überfällig! On die Menschen in Friedrichhain die mögen, brauchen oder wollen, ist völlig zweutrangig, da es eine Bundesautobahn ist und da hat Berlin nicht mitzureden.
Der rot-rot-grüner Berliner Senat hat die Elsenbrücke einfach mal so geplant, als würde die Verlängerung der Autobahn nie kommen würde und steht nun wiedermal vor einem selbstgemachten Problem.
Und nein Herr Schlehan, in Deutschland fließen für sowas keine Bestechungsgelder. Es ist alles transparent und nachvollziehbar, auch wenn es Ihnen nicht in den Kram passt. In eienr Demokratie entscheiden die gewählten Abgeordneten bzw. die Regierung und keien Bürgerräte!