Der Berliner Senat greift ein: Wegen massiver Staus nach Eröffnung des A100-Abschnitts wird eine Radspur auf der Elsenbrücke zur Autospur umgewidmet, wie Verkehrssenatorin Ute Bonde angekündigt hat. Die Maßnahme wird sehr unterschiedlich bewertet und sorgt für Kritik von Grünen, Verkehrsverbänden und Radfahrenden.

Radspur weg, Autospur her: Die Berliner Verkehrsverwaltung reagiert auf die Staus rund um die Elsenbrücke mit einem umstrittenen Umbau. Opposition und Verbände sehen das Mobilitätsgesetz gefährdet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Berliner Senat reagiert noch einmal auf die wachsenden Verkehrsprobleme rund um die Elsenbrücke in Treptow-Friedrichshain. Die bisherige Radspur auf der Brücke soll in Fahrtrichtung Friedrichshain in eine weitere Autospur umgewandelt werden. Damit will die Verkehrsverwaltung die massiven Rückstaus abbauen, die sich seit der Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 täglich bilden.
Staus nach der Eröffnung der A100 sorgen für Handlungsdruck: Zusätzliche Autospur für die Elsenbrücke
Seit der Fertigstellung des neuen Autobahnteilstücks der A100 hat sich die Verkehrssituation auf der Elsenbrücke spürbar verschärft. Staus und Verzögerungen sind mittlerweile Alltag. Bereits zuvor eingeführte Maßnahmen wie die Einrichtung einer Busspur konnten keine wirkliche Entlastung bringen.
Ganz im Gegenteil: Statt einer Beschleunigung des ÖPNV kam es zu zusätzlichen Problemen, da Autofahrer die Spur zweckentfremdeten und Buslinien teilweise verkürzt werden mussten, wie die BVG mitteilte.
Radspur wird zur Autospur: Neue Verkehrsführung auf der Elsenbrücke in Treptow
Die Senatsverkehrsverwaltung will den Verkehr nun zweispurig in Richtung Friedrichshain führen. Dafür soll die bisherige Radspur aufgegeben werden. Radfahrerinnen und Radfahrer sollen künftig einen beidseitig nutzbaren Radweg nutzen, der nach Angaben des Senats ausreichend Platz bieten soll.
Für den Radverkehr bedeutet dies einen kurzen Umweg, der nach Einschätzung von Verkehrssenatorin Ute Bonde kaum ins Gewicht fallen sollte. Gleichzeitig erhofft sich die Verwaltung eine deutliche Entlastung für den motorisierten Individualverkehr.
Weniger Radspuren für die Elsenbrücke: Kritik von Opposition und Zweifel an der Wirksamkeit
Die geplante Umwidmung sorgt in der Opposition für deutliche Kritik. Vor allem Vertreterinnen und Vertreter der Grünen sehen darin eine Benachteiligung des Radverkehrs und eine Gefährdung der Ziele des Berliner Mobilitätsgesetzes. Sie zweifeln daran, dass die Maßnahme den Busverkehr tatsächlich beschleunigen wird, und werfen dem Senat vor, vor allem unter öffentlichem Druck zu handeln, statt auf langfristig tragfähige Lösungen zu setzen.
Auch der Verein Changing Cities kritisiert das Vorgehen der Verkehrsverwaltung deutlich: „Damit der Autoverkehr rollt, muss der Radverkehr wieder Fläche abgeben. Der zusätzliche Autoverkehr, der durch die Autobahn in die Innenstadt rollt, verdrängt physisch andere Verkehrsarten, wie wir das vorhergesagt haben: Der Busverkehr leidet darunter, der Fußverkehr ist vor allem an den Kreuzungen lebensgefährlich geworden, und jetzt muss auch der Radverkehr zurückstecken. Es wurden mit der Autobahn mehr Autos in die Stadt gelockt – und jetzt müssen alle anderen dran glauben.“
Die nun kurzfristig vorgenommene Änderung hat triftige Gründe, denn was viele Berlinerinnen und Berliner in den vergangenen Wochen bereits auf der Elsenbrücke gespürt haben, ließ sich schließlich auch mit Zahlen belegen: Wie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte, hat sich die Verkehrssituation auf der Elsenbrücke seit der Eröffnung des neuen A100-Abschnitts messbar verschlechtert.
Verkehrsdaten belegen: Durchschnittsgeschwindigkeit des Verkehrs an der Elsenbrücke reduziert
Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag Anfang September – noch in der Ferienzeit – werktags zwischen 6 Uhr und 21 Uhr bei lediglich 12 bis 15 km/h. Vor allem am Vormittag und nach 17 Uhr verringerte sich das Tempo im Vergleich zu vorherigen Messungen um 6 bis 10 km/h.
Auch auf den umliegenden Straßen sind die Auswirkungen spürbar. Auf der Schlesischen Straße in Fahrtrichtung West sinkt die Geschwindigkeit zwischen 7 und 10 Uhr sowie ab 15 Uhr nachmittags um rund 10 km/h. In diesen Zeiträumen bewegen sich Fahrzeuge oft nur noch mit weniger als 20 km/h. Auf der Oberbaumbrücke sind die Auswirkungen zwar weniger stark, doch auch dort gehen die Durchschnittsgeschwindigkeiten ganztägig zurück, teilweise um bis zu 6 km/h.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, VIZ – Verkehrsinformationszentrale, BVG, rbb24, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, S-Bahn Berlin, Changing Cities
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6 Kommentare
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Just one more lane, bro!
So eine hirnrissige Maßnahme. Wenn man sich die Verkehrslage anschaut, befindet sich das nächste Nadelöhr am Ostkreuz. Allerdings ist das vermutlich ein gutes Argument gegen den 17. Abschnitt, denn irgendwann kommt der Flaschenhals.
Aber wieder mal ein gutes Indiz dafür, dass die Berliner Senatsverwaltung für Verkehr Autoideologie über Verkehrssicherheit stellt. Staus sind nervig aber Radwege retten Menschenleben. In der Welt von Frau Bonde und Kai Wegner anscheinend ein vertretbares Risiko um ihre Verkehrspolitik der 1950er Jahre durchzusetzen. Quittung erfolgt dann September 2026.
Die Elsenbrücke kennzeichnet maßgeblich den Streit zwischen der Radlobby und den Autofahrern. In einem begrenzten Verkehrsraumwie wie in der Großstadt Berlin sollte vor der Zuordnung der Verkehrsteilnehmer nachgedacht werden. Oft stehen sich Bezirk und Senat gegenseitig im Weg und ziehen das Bettlaken von einem Ende an das andere. Leidtragend sind alle, ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer. Vernunft ist ein Gut das in diesem Gefecht nur noch selten stattfindet. Es wird Zeit das endlich politische Machtkämpfe nicht mehr auf dem Kopf von uns Bürgern ausgetragen werden. Mit der Meldung 100 Parkanlagen in Berlin errichten zu wollen ist schon der nächste Streit vorprogrammiert.
Und was machen in Zukunft die Bauarbeiter die die jetzt wegfallende Radspur zum Wechsel zwischen den beiden Brückenbaustellen genutzt haben?
Wer Straßen saet wird Verkehr ernten und Krebstote und mehr Klimaerwaermung dazu.. Mit Volldampf zurück in die 50 er und 60 er Jahre
Einzig sinnvolle Alternative nach wie vor: Sperrung der autobahnausfahrt bis zur Eröffnung weiterer Spuren auf der elsenbrücke! Alles andere ist gefährlich, sinnlos, nicht durchdacht und einer absolut nicht vorhandenen Verkehrsplanung geschuldet! Das war aber schon im Vorfeld klar: die jetzigen Probleme wurden alle benannt und von den Verantwortlichen komplett ignoriert.
Als anwohnerin kann ich nur sagen: so viel geballte Inkompetenz, Ignoranz, unverfrohrenheit und kaltschnäuzigkeit den Menschen gegenüber, die die elsenbrücke nutzen( müssen) ist schon einmalig, wieder einmal ein paradebeispiel für die Berliner Unfähigkeit, solche Projekte zu stemmen.