Auf der Elisabeth-Aue im Berliner Norden rückt eines der größten neuen Wohnquartiere der Stadt näher. Der Senat hat nun eine zentrale planerische Grundlage beschlossen. Der Plan zeigt deutlich genauer, wie aus der heutigen Ackerfläche ein neuer Stadtteil werden soll.

Der Rahmenplan zeigt die geplante Struktur des Neuen Stadtquartiers Elisabeth-Aue: Wohngebäude gruppieren sich um mehrere Anger und einen zentralen Quartierspark, ergänzt durch soziale Infrastruktur und Grünflächen. / © Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects AG / AgenceTer.de GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
© Titelbild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen/ Dirk Laubner
Auf der Elisabeth-Aue im Norden von Pankow soll ein neuer Stadtteil mit mehreren Tausend Wohnungen entstehen. Nach Wettbewerb, Werkstattverfahren und der Einleitung weiterer Bebauungsplanverfahren hat der Berliner Senat am 29. September 2026 nun den städtebaulich-freiraumplanerischen Rahmenplan beschlossen. Damit wird aus dem Siegerentwurf ein konkreteres Gerüst für die weitere Planung.
- Bezirk: Pankow
- Lage: Zwischen Rosenthaler Weg, Blankenfelder Straße/Buchholzer Straße und B 96a
- Fläche: rund 73 Hektar
- Wohnungen: rund 5.000
- Projektstatus: Rahmenplan beschlossen
Die Entscheidung betrifft nicht nur die Anordnung neuer Wohnhäuser. Der Rahmenplan legt vielmehr die räumliche Grundstruktur für das gesamte Neue Stadtquartier fest. Grundlage ist der Entwurf von Hosoya Schaefer Architects und AgenceTer.de, der im März 2026 aus einem mehrstufigen Verfahren hervorgegangen war. Die bisherige Planung mit vier grünen Nachbarschaften wird nun unter dem Leitbild „Kiezlandschaft“ weitergeführt.
Elisabeth-Aue: 70 Prozent der Wohnungen sollen Landeseigene bauen
Bereits im Frühjahr hatte sich abgezeichnet, wie stark Grünräume das Quartier prägen sollen. Der Siegerentwurf für die Elisabeth-Aue ordnet die Bebauung nicht als eine geschlossene Großsiedlung, sondern in mehrere Teilquartiere. Ein System aus Grünzügen, Parks und öffentlichen Freiräumen soll diese Bereiche miteinander verbinden.
Neu konkretisiert hat der Senat vor allem die Verteilung der Bauflächen. Rund 70 Prozent der etwa 5.000 Wohnungen sollen HOWOGE und GESOBAU errichten. Die übrigen Flächen sind insbesondere für Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Träger vorgesehen. Dafür soll Berlin Konzeptvergaben nutzen. Eine konkrete Zahl öffentlich geförderter Wohnungen für das gesamte Quartier nennt der neue Senatsbeschluss dagegen nicht.
Elisabeth-Aue entsteht in zwei großen Teilabschnitten
Beim bereits weiter fortgeschrittenen ersten Teilprojekt ist die Lage konkreter. Der Bebauungsplan 3-89 schafft die Grundlage für rund 870 Wohnungen sowie eine Oberschule mit Sportanlagen, Grünflächen und neuer Erschließung. Mindestens 50 Prozent dieser Wohnungen sollen mietpreis- und belegungsgebunden entstehen. Der Senat hatte den Bebauungsplan bereits im Juni beschlossen und anschließend dem Abgeordnetenhaus vorgelegt.
Für den deutlich größeren nächsten Abschnitt läuft ebenfalls bereits das Planverfahren. Anfang September wurde der Bebauungsplan 3-100 für die nordwestliche Teilfläche aufgestellt. Er umfasst Flächen zwischen Buchholzer Straße, Rosenthaler Weg, Blankenfelder Chaussee und Graben 5. Die Planung für den zweiten Teil der Elisabeth-Aue soll unter anderem Wohnungsbau, Grundschule, Kitas, Nahversorgung sowie soziale und kulturelle Nutzungen absichern.

So könnte das neue Quartier „Elisabeth-Aue“ in Berlin-Pankow aussehen. Auf dem rund 73 Hektar großen Areal sind etwa 5.000 Wohnungen, ein großer Landschaftspark sowie Schulen, Kitas und weitere Einrichtungen geplant./ © Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects AG / AgenceTer.de GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Vier Nachbarschaften statt Bebauung der gesamten Elisabeth-Aue
Ein erheblicher Teil der 73 Hektar soll frei von Bebauung bleiben. Die Gebäude konzentrieren sich nach dem Rahmenplan auf den südlichen Bereich. Die nördlichen Offenlandflächen will Berlin dauerhaft sichern und ökologisch aufwerten. Nach Angaben der Senatsverwaltung soll mindestens die Hälfte der Gesamtfläche unversiegelt bleiben. Dort sind unter anderem Parks, grüne Höfe sowie Flächen für Artenschutz, Ausgleich, Sport und Erholung vorgesehen.
Das ist auch vor dem Hintergrund der Geschichte des Areals relevant. Die Elisabeth-Aue gehörte früher zu den Rieselfeldern der Anlage Blankenfelde. Nach Inbetriebnahme des Klärwerks Berlin-Nord endete diese Nutzung 1985. Heute besteht das Gebiet weitgehend aus landwirtschaftlich genutzten Flächen. Der Graben 5 mit seinen Uferbereichen bildet eine wichtige landschaftliche Struktur.
Auch der Artenschutz bleibt Bestandteil der weiteren Verfahren. Welche Konflikte dabei entstehen können, zeigte zuletzt die Debatte um geschützte Arten auf dem Areal. Die Artenschutzplanung für die Elisabeth-Aue soll deshalb parallel zur weiteren Quartiersentwicklung konkretisiert werden. Der Senat sieht zudem eine blau-grüne Infrastruktur mit naturnaher Regenwasserbewirtschaftung vor. Sie soll unter anderem helfen, mit Hitze und Starkregen umzugehen.

Die BVG treibt den Ausbau des Straßenbahnnetzes im Berliner Norden voran. Für die Elisabeth-Aue sind neue Tramstrecken, fünf barrierefreie Haltestellen und eine direkte Anbindung an das Pankower Zentrum vorgesehen. / © Foto: depositphotos.com
Straßenbahn und kurze Wege: Verkehr bleibt ein zentraler Punkt
Zum Konzept gehört außerdem eine stärkere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Für die Elisabeth-Aue plant das Land eine Straßenbahnerschließung mit zwei Linien. Die Vorplanung für das Straßenbahnprojekt gehört zu den für 2026 vorgesehenen Verkehrsprojekten.
Mit dem Rahmenplan besteht noch kein Baurecht für das gesamte Quartier. Nun folgen die funktionale Masterplanung und weitere Bauleitplanverfahren. Details zu Gebäuden, Straßenräumen, Freiflächen und Erschließung können sich dabei noch verändern. Der Beschluss vom 29. September ist daher eine planerische Grundlage – nicht der Abschluss der Planung.
Neues Stadtquartier Elisabeth-Aue
Quellen: Senatskanzlei Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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