Auf der Elisabeth-Aue im Norden Berlins plant das Land eines seiner größten neuen Wohnquartiere. Rund 5.000 Wohnungen, Schulen, Kitas und neue Grünflächen sollen entstehen. Während die Bauleitplanung vorankommt, richtet sich der Blick zunehmend auf die Frage, wie Wohnungsbau und Artenschutz zusammengebracht werden können.

Die Luftaufnahme zeigt die heutige Elisabeth-Aue in Pankow. Auf den bislang überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen soll in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier entstehen. / © Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen/ Dirk Laubner
© Titelbild: Hosoya Schaefer Architects AG / AgenceTer.de GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Auf einer heute weitgehend landwirtschaftlich genutzten Fläche im Berliner Norden soll in den kommenden Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Die Elisabeth-Aue in Pankow gehört mit rund 73 Hektar zu den größten geplanten Wohnungsbauvorhaben der Hauptstadt. Inzwischen laufen für zwei Teilflächen konkrete Bebauungsplanverfahren. Doch gerade beim Natur- und Artenschutz bleiben schwierige Fragen offen.
- Bezirk: Pankow
- Lage: südlich des Grabens 5 zwischen Blankenfelder Chaussee, Buchholzer Straße und Rosenthaler Weg
- Wohnungsbau: rund 5.000 Wohnungen im Gesamtquartier
- Projektstatus: Bebauungsplanverfahren für Teilprojekt 1 und Teilprojekt 2
Für die Elisabeth-Aue laufen inzwischen mehrere Planungsstränge parallel. Beim ersten Teilprojekt hat der Senat im Juni 2026 den Entwurf des Bebauungsplans 3-89 beschlossen. Dieser Abschnitt soll rund 870 Wohnungen aufnehmen, die vollständig durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften entstehen sollen. Mindestens 50 Prozent davon sind als mietpreis- und belegungsgebundene Wohnungen vorgesehen. Hinzu kommen eine Integrierte Sekundarschule mit Sporthalle und Großspielfeld sowie Straßen und öffentliche Grünflächen.
Für das deutlich größere Teilprojekt 2 hat die Senatsverwaltung inzwischen den Bebauungsplan 3-100 aufgestellt. Er umfasst die nordwestliche Teilfläche zwischen Buchholzer Straße, Rosenthaler Weg, Blankenfelder Chaussee und dem Bereich südlich des Grabens 5. Damit soll der städtebauliche Entwurf für die Elisabeth-Aue schrittweise in verbindliches Planungsrecht überführt werden.
Elisabeth-Aue: Mehr als 30 Prozent der Wohnungen durch Genossenschaften
Dabei zeichnet sich inzwischen genauer ab, wer einen Teil der Wohnungen errichten soll. Nach Angaben der Senatsverwaltung sollen im Teilprojekt 2 mehr als 30 Prozent der Wohnungen durch Genossenschaften und gemeinwohlorientierte Bauträger realisiert werden. Bereits im August 2026 fand ein erster Informationstermin mit Genossenschaften statt. Die Grundstücke sollen auf Grundlage planerischer Konzepte vergeben werden.
Neben Wohnungen sieht das zweite Teilprojekt eine Grundschule, Kindertagesstätten sowie weitere Einrichtungen des Gemeinbedarfs vor. Auch Nahversorgung, soziale und kulturelle Angebote sowie öffentliche Grün- und Freiflächen gehören zum Programm. Grundlage bildet der im März 2026 ausgewählte Entwurf von Hosoya Schaefer Architects und Agence Ter. Das Konzept organisiert das Quartier unter anderem über mehrere Anger-Kieze und zusammenhängende Freiräume. Der Entwurf setzte sich nach einem mehrstufigen Verfahren durch, an dessen erster Wettbewerbsphase zwölf Planungsteams beteiligt waren.

Die Visualisierung zeigt das geplante Quartier „Elisabeth-Aue“ in Pankow mit Wohngebäuden, einem zentralen Quartierspark, mehreren Angern sowie neuen Wegen und Grünflächen. Das neue Stadtquartier soll langfristig rund 5.000 Wohnungen aufnehmen. / © Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects AG / AgenceTer.de GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Stadtquartier in Pankow: Hälfte der Elisabeth-Aue soll unversiegelt bleiben
Eine Besonderheit des Projekts ist der Umgang mit der bislang offenen Landschaft. Nach Angaben des Landes soll nur der Bereich südlich des Grabens 5 bebaut werden. Mindestens 50 Prozent des gesamten neuen Stadtquartiers sollen unversiegelt bleiben. Die namensgebende Elisabeth-Aue selbst, eine kleine Aue beziehungsweise Moorlinse, soll ebenso wie weitere hochwertige Biotope in der Umgebung von der Bebauung unberührt bleiben.
Gerade der Umgang mit Naturflächen bleibt dennoch einer der zentralen Konfliktpunkte. Im Verfahren für Teilprojekt 1 wurden unter anderem Feldlerche, Schafstelze und die streng geschützte Zauneidechse nachgewiesen. Die Planunterlagen sehen deshalb Ersatzhabitate und weitere Ausgleichsmaßnahmen vor. Geplant sind unter anderem ein Zauneidechsenhabitat sowie Flächen für Feldlerchen und Feldsäume. Weil sich der Verlust von Feldlerchenhabitaten nach den Planunterlagen nicht vollständig im direkten Umfeld ausgleichen lässt, sind ergänzende Maßnahmen auf Flächen in Brandenburg vorgesehen.

Die BVG treibt den Ausbau des Straßenbahnnetzes im Berliner Norden voran. Für die Elisabeth-Aue sind neue Tramstrecken, fünf barrierefreie Haltestellen und eine direkte Anbindung an das Pankower Zentrum vorgesehen. / © Foto: depositphotos.com
Elisabeth-Aue: Artenschutz bleibt ein schwieriger Teil der Planung
Dass dieses Thema noch nicht abgeschlossen ist, zeigt auch ein aktueller Bericht aus dem Pankower Ausschuss für Stadtentwicklung. Dort wurden im September 2026 erneut artenschutzrechtliche Fragen zum ersten Bauabschnitt behandelt. Im Mittelpunkt standen Vorkommen der Feldlerche sowie weitere naturschutzfachliche Fragen, darunter ein möglicher Nachweis der Knoblauchkröte.
Der Widerstand gegen das Quartier begleitet die Planung schon länger. Auch während der frühzeitigen Beteiligung zum Bebauungsplan 3-89 richtete sich ein großer Teil der Einwendungen gegen die Bebauung. In den Planungsunterlagen sind 111 fristgerecht eingegangene Stellungnahmen dokumentiert. Wiederkehrende Themen waren Natur- und Artenschutz sowie die Bedeutung der Fläche für das Stadtklima. Die formellen Planverfahren müssen diese Belange gegen die Ziele des Wohnungsbaus und der sozialen Infrastruktur abwägen.
Neues Stadtquartier Elisabeth-Aue
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Pankow
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