Seit Oktober 2023 steht die Baustelle des Hamburger Elbtowers still. Obwohl Investoren, Stadt und Insolvenzverwalter an einer Lösung arbeiten, gibt es fast drei Jahre später noch immer keinen Termin für den Weiterbau. Wann wird das Prestige-Projekt fortgesetzt?

Zwischen ironischen Brutstätten-Vorschlägen und handfesten Investorenplänen hat sich der Elbtower zur wohl sichtbarsten Dauerbaustelle Norddeutschlands entwickelt. Statt 240 Meter wird er künftig maximal 199 Meter messen, wenn er denn fertiggebaut wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Elbtower sollte ursprünglich einmal zum weithin sichtbaren Abschluss der Hamburger HafenCity werden. Doch statt eines 245 Meter hohen Wolkenkratzers steht an den Elbbrücken seit Jahren ein rund 100 Meter hoher Rohbau. Seit Oktober 2023 ruhen die Arbeiten; und auch fast drei Jahre später gibt es noch immer keinen verbindlichen Termin für den Weiterbau. Zuletzt ist es verdächtig still geworden um das einstige Prestigeprojekt von Ex-Bürgermeister Olaf Scholz.
Auslöser des Baustopps war die Krise der Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko. Seitdem wird um eine Lösung für das bereits weit fortgeschrittene Großprojekt gerungen. Inzwischen existiert zwar ein konkretes Konzept für die Fertigstellung, doch bis tatsächlich wieder gebaut werden kann, müssen zahlreiche wirtschaftliche, rechtliche und politische Fragen geklärt werden.
Elbtower: Neues Investorenkonsortium will das Projekt übernehmen
Im Mittelpunkt steht ein Konsortium um den Hamburger Projektentwickler Dieter Becken. Beteiligt sind unter anderem der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, die Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp und Drogerieunternehmer Dirk Roßmann. Das Bundeskartellamt hatte der Gründung eines entsprechenden Gemeinschaftsunternehmens Anfang 2026 zugestimmt.
Doch die Übernahme der Immobilie ist offenbar weiterhin nicht abgeschlossen. Bereits Ende 2024 war eine Exklusivitätsvereinbarung zwischen Becken Development und dem Insolvenzverwalter geschlossen worden. Im August 2026 dauern die Verhandlungen weiterhin an; eine Verlängerung der Exklusivität wurde nach Angaben von Becken immerhin beantragt.
Damit bleibt die entscheidende Voraussetzung für einen Neustart auf der Baustelle bislang unerfüllt: Erst wenn Eigentumsfragen, Finanzierung und Verträge abschließend geklärt sind, kann der Weiterbau konkret vorbereitet werden.
Kann das Hamburger Naturkundemuseum den Elbtower retten?
Eine Schlüsselrolle spielt inzwischen die Stadt Hamburg. Sie erwägt, rund 46.000 Quadratmeter im unteren Teil des Gebäudes für ein neues Naturkundemuseum mit Forschungs-, Ausstellungs- und Sammlungsflächen zu erwerben. Dafür steht ein Kaufpreis von maximal 595 Millionen Euro im Raum. Zahlen müsste Hamburg nach dem bislang verhandelten Modell erst nach der schlüsselfertigen Fertigstellung der Flächen.
Gleichzeitig soll der Elbtower aber auch deutlich kleiner werden. Statt der ursprünglich vorgesehenen 245 Meter soll das Hochhaus künftig nur noch rund 199 Meter erreichen. Zwölf Bürogeschosse würden entfallen. Für diese veränderte Kubatur und die Nutzung als Naturkundemuseum liegt inzwischen ein positiver Bauvorbescheid vor.
Baustopp seit Oktober 2023: Weiterhin kein Termin für den Neustart
Auch baurechtlich wurde inzwischen Zeit gewonnen: Die Geltungsdauer der Genehmigung beziehungsweise die zulässige Unterbrechung der Bauausführung wurde im Februar 2026 bis zum 23. März 2029 verlängert. Das schafft Spielraum, ist aber noch kein Startsignal.
Denn das Verfahren bleibt komplex: Insolvenzverwalter, Investorenkonsortium und Stadt müssen ihre Verträge miteinander verzahnen, die Finanzierung muss stehen und auch die politischen Entscheidungen für das Naturkundemuseum müssen abgeschlossen werden.
Damit bleibt knapp drei Jahre nach dem Baustopp offen, wann am Elbtower tatsächlich wieder Kräne und Bauarbeiter zu sehen sein werden. Eine Fertigstellung zum Ende des Jahrzehnts bleibt zwar das Ziel. Einen verbindlichen Termin für den Weiterbau gibt es im August 2026 jedoch weiterhin nicht.

Unfreiwilliges Wahrzeichen? Der unfertige Elbtower am Bahnhof Elbbrücken. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: NDR, Der Spiegel, Hamburger Abendblatt, Deutsches Architektur Forum
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2 Kommentare
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Ich fände es schön, wenn daraus ein „grüner“ Turm wird. Bepflanzt bis oben hin als „Pflanzenhochhaus“ welches die Stadtluft filtert
Solche wie auch immer gearteten Projekte werden immer oder mehrheitlich nicht verwirklicht, weil niemand bereit ist für die Wartung eines solchen Grüns und schon gar nicht erschwerend an einem Turm dafür zu bezahlen bzw. das auf seine Miete umgelegt zu wissen.
Solche Grüns werden es daher meistens nie aus den Renderings heraus schaffen.