Die Berliner Mühlendammbrücke muss schneller als geplant neu gebaut werden, weil der bestehende Bau als einsturzgefährdet gilt. Die Verkehrsverwaltung reagiert jetzt mit einer beschleunigten Ausschreibung, da die Gefahr von Spannstahlbrüchen eine sofortige Sperrung auslösen könnte. Der Neubau sorgt zudem für politische Diskussionen, weil sich Breite und Verkehrskonzept mehrfach änderten.

Mühlendammbrücke in Berlin Mitte, deren stark geschädigte Spannbetonkonstruktion einen schnellen Abriss erforderlich macht. Ab Mai 2026 soll hier im beschleunigten Verfahren ein Neubau entstehen, weil bereits eine Brückenhälfte entfernt wurde und die verbleibende Hälfte nur eingeschränkt tragfähig ist. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela Monika Arnold, Berlin, CC BY-SA 3.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Freedom Wizard, CC BY-SA 3.0
Die Verkehrsverwaltung hat den Abriss und Neubau der Mühlendammbrücke ausgeschrieben, da der bestehende Bau als einsturzgefährdet gilt. Seit sieben Jahren ist klar, dass die Brücke ersetzt werden muss, und seit 2021 liegt der Entwurf des dänischen Architekturbüros Cobe vor. Dennoch verzögerten mehrere Planänderungen den Projektstart erheblich.
Da weiterhin erhöhte Einsturzgefahr an Berliner Spannstahlbrüchen besteht, soll der Baubeginn bereits wenige Werktage nach Zuschlag erfolgen. Laut Ausschreibungsunterlagen sei ein schneller Start notwendig, weil eine sofortige Sperrung und Notmaßnahmen drohten. Bewerbungen sind bis zum 19. Dezember möglich.
Risiken am Bestandsbau der Mühlendammbrücke in Berlin: Hohe Belastung und eingeschränkte Tragfähigkeit
Die Unterlagen betonen, dass der Straßenzug aus Mühlendamm, Grunerstraße und Leipziger Straße täglich rund 73000 Autos trägt. Eine Sperrung würde zentrale Verkehrsachsen zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz empfindlich treffen. Bereits jetzt fließt der Verkehr über die verbliebene Brückenhälfte, da ein Teilbauwerk abgerissen wurde.
Die Bauzeit soll etwa drei Jahre und drei Monate betragen. Um diese Vorgaben einzuhalten, sieht die Ausschreibung Arbeitszeiten von Montag bis Sonnabend vor und erlaubt punktweise auch Nachtarbeiten.
Technische Schäden an der Mühlendammbrücke in Mitte: Spannbetonbauweise birgt erhebliche Risiken
Die 1968 errichtete Brücke enthält Hennigsdorfer Spannstahl, der besonders anfällig für Korrosion ist. Reißt ein gespannter Draht, kann die Konstruktion versagen. Vergleichbare Probleme führten bereits zum Abriss der Elsenbrücke und zum Einsturz der Dresdner Carolabrücke im Jahr 2024. Laut Unterlagen hat sich der Zustand der Mühlendammbrücke in den letzten Jahren deutlich verschlechtert, weshalb weitere Einschränkungen nicht ausgeschlossen werden können.
Der Neubau erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird die bereits entfernte Hälfte ersetzt, danach folgt der Abriss und Neubau der zweiten Hälfte. Das Projekt umfasst rund 2.400 Kubikmeter Abbruchmaterial und 5.000 Kubikmeter Neubeton.
Weitere Berliner Brücken vor Ersatz im Bereich der Ringbahn im Prenzlauer Berg: Risiken durch Hennigsdorfer Spannstahl
Die Probleme an der Mühlendammbrücke sind kein Einzelfall. Besonders im Bereich der Ringbahn im Prenzlauer Berg gelten mehrere Brücken als risikobehaftet. Die Senatsverwaltung plant daher den vollständigen Ersatz der Bauwerke an der Landsberger Allee, an der Pappelallee, an der Kniprodestraße und an der Dunckerstraße. Diese Brücken zeigen ähnliche konstruktive Schwächen und benötigen einen kompletten Neubau.
Auch die derzeit im Ersatz befindliche Elsenbrücke wurde aus demselben Spannstahl gefertigt und musste wegen ähnlicher Risiken gesperrt werden. Damit wird deutlich, wie stark die Berliner Infrastruktur durch alternde Betonbauten belastet ist.
Politische Diskussionen um den Neubau der Mühlendammbrücke in Berlin: Breite und Verkehrskonzept umstritten
Der Entwurf des Büros Cobe führte zu intensiver Kritik, weil die neue Brücke erneut sehr breit werden soll. Ein Bündnis aus Bürgerforum, BUND, Changing Cities und weiteren Akteuren hatte sogar eine Klage angekündigt. Die Vorgängerregierung reduzierte die Breite zwischenzeitlich, doch die CDU erhöhte sie wieder auf 38,3 Meter. Für eine Straßenbahn wird die Brücke nicht vorbereitet, obwohl interne Broschüren weiterhin entsprechende Darstellungen zeigen.
Quellen: Der Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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