Mit umfangreichen Umbauplänen und neuen Mietern beginnt für das Warenhaus Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz bald eine neue Ära. Das ehemalige, ikonische Centrum Warenhaus, einst Herzstück der DDR-Handelskultur, galt als sozialistisches Vorzeigeprojekt im modernen Stadtzentrum Ost-Berlins. Eröffnet wurde das Kaufhaus im November 1970, vor nunmehr 55 Jahren.

Nach dreijähriger Bauzeit wurde im Juli 1970 das Centrum Warenhaus am neuen Alexanderplatz in Ost-Berlin eröffnet – und ist bis heute ein zentraler Einzelhandelspunkt im östlichen Berliner Zentrum. / © Foto: IMAGO / C3 Pictures
© Foto Titelbild: IMAGO / Marco Bertram
Bereits im September 2024 hatte ENTWICKLUNGSSTADT darüber berichtet, dass im heutigen Galeria Kaufhof am Alexanderplatz in Berlin-Mitte zukünftig neue Mieter einziehen könnten – im Gespräch ist vor allem der Einzug der Zentral- und Landesbibliothek. Commerz Real hatte die Immobilien am Alexanderplatz kurz vor der Signa-Pleite teuer gekauft und will das Hochhausprojekt, welches direkt am Kaufhof-Gebäude realisiert wird, nun wie geplant zu Ende bringen.
Ursprünglich sollte der Kaufhaus-Betrieb auch nach dem Bau des derzeit wachsenden Hochhauses fortgeführt werden, trotz der anhaltenden Krise klassischer Warenhäuser und des Einzelhandels insgesamt. Doch bereits im Juni war eine Variante öffentlich geworden, nach der die Bibliothek und ein verkleinertes Kaufhaus im Gebäude untergebracht werden könnte.
Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz: Wie geht es nach 2025 weiter?
Mit dem Umbau des Gebäudes – es wäre nicht der erste – würde die Nutzung als Warenhaus nach über 50 Jahren enden, zumindest in der heutigen Form. Damit würde am Alexanderplatz nicht nur einer der größten, sondern auch einer der bekanntesten Einzelhandelsstandorte der deutschen Hauptstadt schließen.
Die Schließung wäre das Ende einer Ära, die ein halbes Jahrhundert andauerte und den Charakter des Platzes maßgeblich geprägt hat. Nach aktuellem Stand soll Galeria immerhin bis Ende 2026 im Gebäude verbleiben dürfen, allerdings auf einer deutlich reduzierten Fläche. Wie es danach weitergehen soll, ist derzeit ungewiss.
Alexanderplatz: Eröffnung des Centrum Warenhaus am 25. November 1970
Am 25. November 1970 wurde das damalige Centrum Warenhaus am Alexanderplatz in Ost-Berlin eröffnet. Das Warenhaus war Teil des Bebauungsplans, der 1964 als Siegerentwurf aus einem Architekturwettbewerb zur Neugestaltung des Platzes hervorging. Die Planung übernahm das Architektenkollektiv um Josef Kaiser und Günter Kunert. Der Bau begann schließlich im Jahr 1967.
Die DDR-Presse bezeichnete es als ein „großes Gemeinschaftswerk des sozialistischen Handels, der Bauarbeiter und vieler Helfer“, das nun vollendet sei. Im Buch „Kaufrausch – die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser“ von Autorin Dr. Anna Kaminsky wurde das Kaufhaus wie folgt beschrieben: „In der Kinderabteilung war ein Fernsehturm aufgebaut worden. Es gab eine Eisenbahnanlage, die die ganze Zeit in Betrieb war und die die Kleinen angucken konnten. Es war ein Riesenrad aufgebaut worden, in dem Plüschtiere und Puppen Karussell gefahren sind. Es gab eine sehr ansprechende Warenpräsentation. Die Kunden konnten sich auch alles auf diesen Kleiderkarussells selber anschauen.“
Bei DDR-Bürgern beliebt: Große Verkaufsstände, offene Atmosphäre, künstlerische Ausstattung
Das bei DDR-Bürgern beliebte Kaufhaus zeichnete sich durch große Verkaufsstände, eine helle, offene Atmosphäre und künstlerische Ausstattungen wie Keramiken aus. Es verfügte über Rolltreppen und war technisch auf dem neuesten Stand. Das Sortiment umfasste Kleidung, technische Geräte, Haushaltswaren, Heimwerkerbedarf, Stoffe, Kinderartikel und Schreibwaren – alles unter einem Dach.
Zudem gab es verschiedene Dienstleistungsangebote und ein Kundenrestaurant in der obersten Etage. Mit einer 2.000 Quadratmeter großen Lebensmittelabteilung bot es die größte Auswahl in der DDR. Das Warenhaus verkörperte zum Zeitpunkt der Eröffnung den modernen Standard an Verkaufs- und Dienstleistungskultur und unterschied sich in seiner optischen Gestaltung deutlich von älteren Kaufhäusern.
Das Centrum Warenhaus am Alexanderplatz sollte „Welthöchststand“ verkörpern
Das Kaufhaus mit der charakteristischen Wabenfassade war bis zum Mauerfall einer der größten Publikumsmagneten für Gäste und Touristen in der damaligen Hauptstadt der DDR. Denn das, was die Verantwortlichen mit dem Centrum Warenhaus anbieten wollten, sollte „Welthöchsstand“ verkörpern.
In einer Parteiversammlung des Centrum Warenhauses, gesendet in einer Reportage des DDR-Rundfunks, wurde der Anspruch an das Kaufhaus formuliert: „Und von der Wichtigkeit spielen wir als Warenhaus von der Konzentration her zwar eine wichtige Rolle und werden also auch Welthöchststand verkörpern, aber die anderen Handelseinrichtungen um uns herum werden sich genauso vorbereiten.“
Nach dem Mauerfall übernahm die Metro AG das Gebäude, ab 2004 wurde umgebaut
Nach der politischen Wende übernahm die Metro AG das Gebäude, modernisierte es leicht und eröffnete eine Galeria-Kaufhof-Filiale mit 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Zwischen 2004 und 2006 wurde das Warenhaus nach Plänen von Josef Paul Kleihues umfangreich modernisiert und erweitert.
Die Verkaufsfläche wuchs auf 35.000 Quadratmeter, indem die Fassade zum Platz um etwa 25 Meter nach vorne versetzt und die oberen Etagen für Verkaufsräume genutzt wurden. Die ursprüngliche Metallfassade wurde durch eine Natursteinfassade mit großen Glasflächen ersetzt, und ein zentraler Lichthof mit Glaskuppel und 20 Rolltreppen entstand.
Kosten für den Erwerb und Umbau des Centrum-Warenhauses beliefen sich auf 110 Mio. Euro
Die Gesamtkosten für den Umbau betrugen 110 Millionen Euro, davon 85 Millionen für Grundstückskäufe. Die Kaufhof AG investierte zusätzlich 27 Millionen Euro in Ausstattung und Technik. Derzeit läuft der nächste Umbau: Bis 2025 soll das Gebäude um etwa 20 Meter in Richtung Nordwesten zur Karl-Liebknecht-Straße erweitert werden.
Seit Oktober 2021 wird an der Ecke Dircksenstraße/Karl-Liebknecht-Straße der 134 Meter hohe Büroturm mit 33 Etagen, der sogenannte „Mynd-Tower„, in den Bestandsbau integriert. Doch damit nicht genug: Die Commerz Real, heutige Eigentümerin, soll ab Januar 2026 umfangreiche Sanierungen planen, die mindestens zwei Jahre dauern sollen. Ziel ist, das Gebäude architektonisch zu öffnen und es energetisch zu modernisieren, wie es heißt.
Alexanderplatz: Derzeit entsteht der Büroturm „Mynd“, der nächste Umbau soll 2026 starten
Ob das Kaufhaus nach dem Umbau sowie dem Ablauf des kürzlich verlängerten Mietvertrags im Gebäude verbleiben wird, ist derzeit offen – und damit die Frage, ob die Geschichte des Einzelhandels im einstigen Centrum Warenhaus im kommenden Jahr enden wird, oder zukünftig in veränderter, reduzierter Form weitergeführt werden kann.
Andreas Rauch, Head of Development & Construction bei CommerzReal, erläuterte in der Dokumentation „Baustelle Alexanderplatz“ ausführlich die Pläne des Bauherren: „Das ganze Gebäude ist im Moment ja für ein Kaufhaus konzipiert. Das heißt für die ZLB würden wir natürlich die Fassade öffnen, um Licht in die Bibliothek reinzubekommen.“
Galeria-Gebäude am Alexanderplatz: Fassade soll für ZLB-Einzug geöffnet werden
Rauch führte auch aus, wie die Besucherinnen und Besucher künftig in die ZLB gelangen sollen: „Die Bibliothek wird dann vom Alexanderplatz aus erschlossen und wir haben dann den Kaufhof Galeria an der Seite. Wir sind guter Dinge, dass wir wirklich das Konzept umsetzen können.“
Auf dem Dach des Gebäudes ist auch weiterhin eine öffentliche Dachterrasse geplant, wie Rauch bekräftigt: „Jeder Berliner kann sich dieses Restaurant vorstellen, kann sich hinsetzen, kann essen und dabei auf den Alexanderplatz schauen.“ Die Terrasse soll nicht nur für Besucher der ZLB zugänglich sein, sondern für alle Besucher am Alexanderplatz. Das ikonische Gebäude wird dem Alexanderplatz also erhalten bleiben, fraglich ist nur, welche Nutzung künftig darin stattfinden soll.

Vision: So soll die neu gestaltete Dachterrasse auf dem Dach der zukünftigen Zentral- und Landesbibliothek am Berliner Alexanderplatz aussehen. / © Visualisierung: CommerzReal AG

Mehr Transparenz: Für den geplanten Einzug der ZLB ins einstige Warenhaus soll die Fassade geöffnet werden. / © Visualisierung: CommerzReal AG
Quellen: Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Tishman Speyer Properties, Galeries Lafayette, Immobilien Zeitung, B.Z., Galeria Karstadt Kaufhof GmbH, X (ehem. Twitter), Wikipedia, IMAGO, Deutschlandfunk Kultur, Buch Kaufrausch – die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser
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4 Kommentare
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Man kann nur hoffen, dass im Senat wieder Verstand einzieht und man von dem Umzug der ZLB in das Gebäude absieht. Bisher sind ja die Kosten noch nicht richtig beziffert, gerüchteweise war von 600 Mio. die Rede, also noch mehr, als der zum Glück gescheiterte Umzug in die ehemaligen Galeries Lafayette in der Friedrichstraße. Und die Erfahrung bei öffentlichen Vorhaben lässt ja annehmen, dass es nachher eher eine knappe Milliarde kosten wird.
Und bei allen Umzugsfantasien – die per se falsch sind – hat noch keiner der Verantwortlichen auch nur ansatzweise mitgeteilt, was mit dem Gebäude am bisherigen Standort, der Amerika-Gedenkbibliothek geschehen soll. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, müsste in jedem Falle saniert werden – will sich Berlin dort den nächsten irrwitzig teuren Leerstand wie z. B. am ICC antun???
Und wenn ich auf Google-Maps vergleiche, dann ist in der Grünanlage des Blücherplatzes mit Lässigkeit ein Gebäude mit der Kubatur und Größe des Gebäudes am Alexanderplatz unterzubringen, wobei wegen des sehr großen Bestandsgebäudes ein Zusatzbau an dieser Stelle überhaupt nicht diese Größe haben müsste. Und ein solcher Bau wird dann mit Sicherheit einschließlich der Sanierung des Altbaus für 600 bis 700 Mio. zu haben sein.
Die Politik lässt sich wieder als Pferd vor wirtschaftliche Interessen eines Privatinvestors spannen. Der Bauherr am Alexanderplatz, die Commerz Real, eine Tochter der Commerzbank, hat schlicht keine sonstigen solventen Mieter für den Standort. Der Steuerzahler soll jetzt also für den Standort und die Commerzbank zahlen. Und die Stadt hat man vorsorglich unter Druck gehalten: Der Mietvertrag mit Galeria Kaufhof ist gerade mal bis Ende August 2026 verlängert worden, knapp und kurz vor der Abgeordnetenhauswahl – was für ein Zufall!
Es ist immer wieder erstaunlich, wie bedingungslos lernunfähig und lernunwillig Politiker sind und daher immer wieder dieselben Fehler machen! Lasst euch bloß nicht mit der Fortführung von Galeria Kaufhof erpressen. Dann wird Galeria Kaufhof eben geschlossen. Mit einer dramatischen Verkleinerung der Verkaufsfläche auf nur noch rund ein Drittel ist der Standort ohnehin nicht überlebensfähig. Solange das Management von Galeria Kaufhof nicht endlich anfängt, „Kaufhaus“ völlig neu zu denken, sondern den Laden so weiterzuführen wie bisher, ist das Konzept ohnehin zum Tode verurteilt. Das Problem Galeria Kaufhofs ist nicht die Politik, nicht der Kunde, sondern seit Jahrzehnten sein (Miss-)Management.
Und hunderte Millionen von Steuermitteln zu versenken, weil die Politik Angst davor hat, dass ihr die Wähler abhandenkommen, wenn Galeria Kaufhof am Alexanderplatz dicht macht und Arbeitsplätze dort verloren gehen, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Mit einem Bruchteil der Millionen für die (falsche) Standortwahl für die ZLB könnte man den zu entlassenden Mitarbeitern bis zur Rente das vollständige Bruttoeinkommen weiterzahlen.
Und völlig absurd: Den Eingang für das Kaufhaus an die Seite zu verlegen (ursprünglich war die Idee, ihn auf die Seite zur Karl-Liebknecht-Straße zu verlegen, was dann schon erkennen ließ, dass die Commerz Real möglichst schnell Galeria Kaufhof los werden wollte). Und wer sind eigentlich die Nutzer der Bibliothek? Wo sollen eigentlich die ganzen Fahrradstellplätze für das ZLB-Publikum hin? Es ist absurd, es ist völlig absurd!!!
Genau das ist auch meine Meinung.
Es völlig absurd, das ZLB zum Alex umzuquartieren. Vielleicht sollte mal eine Studie in Auftrag gegeben werden, wieviele Nutzer die dann riesengroße ZLB eigentlich besuchen. Im Zeitalter digitaler Medien nutzen immer weniger Menschen Bibliotheken. Es wäre viel besser, an dieser zentralen Stelle in Berlins Mitte ein großes Einkaufszentrum zu belassen, vielleicht ein zweites Alexa, mit vielen Einzelgeschäften. Wobei die hervorragende Anbindung an U- Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bus den Besuch des Kaufhauses sehr attraktiv macht.
Na, zu den Kommentaren hie rhabe ich schon eien andere Menung: Die ZLb benötigt dringend einen Neubau oder einen anderen Zentral und einheitlichen Ort: Die Nutzugn des eehemaligeN KAufhauses würde zward er Comreal sehr entgegen kommen, aber es würde die ZLB mal an einen wirklcih zentralen Ort gelangen und ein mannigfaches Publikum zum Alexanderplatz bringen, der mit dem ÖPNV immerhin besser als die AGB angebunden ist. Es könnte anch den einschneidenden Verädnerungend es Platzes nur Vorwärts gehen, ich kenenn ihn noch vor 19990 als durchaus betretbar, da s ist er nun wirklcih afst nciht mehr.
Aber nun nochw as:
Sie Schreiben hier von Entwicklungsstadt, u.a.das der neue Bauherr das Hochhaus ….nun wie geplant zu Ende bringen würde:
fakt ist aber, dass ohen öffentlcieh Beteiligung udn ohne große Mitteilungen, die Höhe deutlich größer geworden sit, als ind en ersten Planungen. das alles hat ein Bausenator zu verantworten, der mitd er Ostmoderne eh nichst am Hut hat, siehe Abriss, SEZ, etc. pp.P. Da ist mir die Zukunft des Hauses der Amerikagedenkbibliothek egal, egal ob unetr Denkmalschutz doer nicht, müssens ie eben auch dort mal erleben, wie es ist wenn solche BAuten verschwidnen.
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