Die umstrittene Einheitswippe in Berlin-Mitte bleibt eine Dauerbaustelle. Der Stillstand ist offensichtlich, vor Ort tut sich derzeit nichts. Aber wie geht es weiter?

Vor dem Humboldt Forum in Berlin-Mitte stehen Baumaterialien und Absperrungen auf der Baustelle der Einheitswippe. Doch die Baustelle ruht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Vor dem Humboldt Forum in Berlin-Mitte steht seit Jahren nur der Sockel des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Die geplante Einheitswippe soll an die friedliche Revolution von 1989 und die deutsche Einheit erinnern. Doch Insolvenzen, Genehmigungsfragen, Kostensteigerungen und offene Zuständigkeiten verzögerten das Projekt immer weiter. Derzeit steht die Baustelle, wieder einmal, ganz offensichtlich still.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Schloßplatz 3, 10178 Berlin
- Baustart: Mai 2020
- Ursprünglich geplante Eröffnung: 2022, später mehrfach verschoben
- Bisherige Kosten: rund 17,8 Millionen Euro
- Geplantes Ziel: Fertigstellung 2027
Die Einheitswippe in Berlin gehört zu den sichtbarsten unfertigen Kulturprojekten im Zentrum der Hauptstadt. Der Bundestag beschloss das Vorhaben bereits vor vielen Jahren. Am Standort vor dem Humboldt Forum steht bisher jedoch nur der Sockel. Die eigentliche Wippe befindet sich weiterhin nicht auf der Baustelle.

Der Schloßplatz in Berlin-Mitte bleibt durch die Baustelle der Einheitswippe geprägt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Dauerbaustelle Einheitswippe: Viele Probleme um das Denkmal
Der Bau begann im Mai 2020. Geplant ist eine rund 50 Meter lange, begehbare Schale. Sie soll sich zu der Seite neigen, auf der sich mehr Menschen befinden. Damit soll das Denkmal Beteiligung und gesellschaftliche Bewegung sichtbar machen. Die Konstruktion gilt als technisch anspruchsvoll, weil sie Denkmal, Bauwerk und bewegliches Objekt zugleich ist.
Doch immer wieder haben mehrere Faktoren den Zeitplan verschoben: Genehmigungsfragen, rechtliche Differenzen, technische Abstimmungen. Das Stahlbauunternehmen Heinrich Rohlfing meldete 2024 Insolvenz an. Auch das Planungsbüro Milla & Partner geriet in ein Insolvenzverfahren.
Kosten-Prüfungen rund um die Einheitswippe
Und nun? Die etwa 150 Tonnen schwere Wippe soll weitgehend fertiggestellt sein, wurde aber bisher nicht nach Berlin geliefert. Die bisherigen Kosten liegen bei rund 17,8 Millionen Euro. Davon flossen erhebliche Beträge in Planung, Sockelbau und juristische Verfahren. Wegen der Verzögerungen und Mehrkosten schaltete die Bundesregierung ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen ein.
Für die weitere Umsetzung bleibt entscheidend, wie die Insolvenzverfahren ausgehen und wer die ausstehenden Arbeiten übernimmt. Inzwischen nennt die Bundesregierung weiter das Ziel, das Freiheits- und Einheitsdenkmal fertigzustellen. Von einer möglichen Vollendung 2027 ist die Rede. Sichtbarer Baufortschritt zeigt sich am Standort derzeit aber kaum. So verharrt das vieldiskutierte Vorhaben auch weiterhin im Konjunktiv.

Die Baustelle der Einheitswippe vor dem Humboldt Forum in Berlin-Mitte zeigt den unfertigen Sockel und gelagertes Baumaterial. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Einheitswippe am Humboldt Forum
Quelle: Architektur Urbanistik Berlin, Berlin.de
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6 Kommentare
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Wie wäre es damit, auf die Wippe zu verzichten?
Eine Alternative könnte eine kreisförmig Sitztribüne sein in Anlehnung an erste Demokratien (Griechen, Island,…).
Damit das auch im Sommer ohne Verbrennungsgefahr genutzt werden kann, sollten Bäume, Grünflächen und evt. auch ein (Vertikal-) Brunnen ergänzt werden. Sonst verbrennt man in der Steinwüste.
Definitiv günstiger in Anschaffung und vor allem Instandhaltung als das hochkomplexe System der Schale.
Also eine Art „Speakers Corner“ in europäisch historischer Gestaltung mit Hitzeschutz durch Bäume? Coole Idee.
100% Zustimmng…Und dafür irgendwas begrünt Schönes, was mit der neuen Freitreppe an der Spree und vielleicht sogar noch mit dem Gewölbe darunter zusammengeht…
Sollte einer bei der Stadt es durchsetzen können, die Wippe dorthin zu stellen, wo der Neptunbrunnen heute unsinnigerweise geparkt ist, würde ich sofurt spenden und freiwillige Arbeitsstunden leisten.
Barrierefreiheit muss bei allen Plänen beachtet werden.
Neben Treppen (siehe Bild) muss es für die Zugänglichkeit auch Alternativen für in der Mobilität eingeschränkte geben (von Krücken über Rollator zu Rollstuhl).
Es ist ja grundsätzlich schön, dass dieses unerfreuliche Thema hier immer wieder aufgegriffen wird. Nur hier wie auch in der Presse – und schon gar nicht aus der Politik – erfährt man nie wirklich näheres! Nach meiner Erinnerung rückte die Rohlfing GmbH die fertig gestellte Wippe nicht raus, weil angeblich Rechnungen nicht beglichen worden seien. Auftraggeberseitig wurde das nach meiner Erinnerung bestritten. Vielleicht ließen sich diese Hintergründe endlich mal klären?!? Ich meine, dass Rohlfing gleichwohl mal bereit war, die Wippe herauszurücken, sodass die durch ein Drittunternehmen nach Berlin hätte gebracht und aufgestellt werden können. Das bietet im Übrigen auch Anlass, zu fragen, wer die absolut bescheuerte Idee hatte, diese Wippe über 390 Kilometer entfernt vom Aufstellort herstellen zu lassen???
Und die Rohlfing GmbH arbeitet ja offensichtlich weiter, der Insolvenzantrag was als Eigenantrag gestellt. In über zwei Jahren sollte der Insolvenzverwalter mal endlich „zu Potte“ kommen und die Forderungen der Gläubiger festgestellt haben.
Und der Skandal im Skandal: Weshalb musste zur Aufarbeitung der ganzen Angelegenheit, hier wohl zur Prüfung, welche Zahlungen von wem wohin geflossen sind, ein externer Wirtschaftsprüfer für irrwitzig viel Geld eingeschaltet werden? Weshalb machen das nicht die beteiligten Behörden – oder können die das nicht? Und wenn die das nicht können: Was geht denn da ab?!?
Im Übrigen: Stellt das das alte Kaiser-Wilhelm-I-Denkmal hin. Ist zwar auch nicht so richtig schön, aber gehört da eigentlich hin, der Sockel ist ja auch noch da. Und beheizt werden müsste dieses Denkmal auch nicht (ganz nebenbei müsste man die Wippe auch nicht heizen, wenn man sie schlicht an Frosttagen sperren würde; würde eine Menge Geld sparen).