Berlin ringt seit Jahren mit Müll im öffentlichen Raum. Ein neuer Antrag der Grünen im Abgeordnetenhaus will nun an mehreren Stellschrauben ansetzen, um Stadtsauberkeit strukturell zu verbessern.

BSR-Mülleimer mit Sperrmüll im Hintergrund.

Sperrmüll, alte Elektrogeräte und achtlos abgestellte Möbelteile prägen an vielen Orten im Stadtgebiet regelmäßig das Straßenbild. / Foto: depositphotos.com

© Titelbild: depositphotos.com

ANZEIGE

 

Berlin kennt sie gut: die Ecken, an denen sich Sperrmüll stapelt, Papierkörbe überquellen und Parks an Wochenenden ihre Sauberkeit schneller verlieren, als sie wiederhergestellt werden kann. Zwischen Zuständigkeiten der Bezirke, der Stadtreinigung und privater Flächen entsteht dabei immer wieder ein Zustand, in dem Probleme sichtbar, aber nicht schnell genug behoben werden. Mit einem neuen Antrag im Abgeordnetenhaus will die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen diese Abläufe neu strukturieren.

Unter dem Titel „Eine saubere Stadt für alle!“ geht es um ein Maßnahmenpaket, das die Stadtsauberkeit in Berlin systematischer organisieren soll. Neben einer stärkeren Rolle der Stadtreinigung stehen auch Fragen der Müllvermeidung, der Entsorgungsinfrastruktur und der digitalen Steuerung im Mittelpunkt. Ziel ist es, bestehende Prozesse zu bündeln und Reaktionszeiten im Stadtbild zu verkürzen.

ANZEIGE

Ausbau der Stadtreinigung und neue Hot-Spot-Strategie

Ein zentraler Baustein ist der Ausbau der Aufgaben der Berliner Stadtreinigung. Sie soll künftig sämtliche Grünanlagen, Spielplätze und stark frequentierte öffentliche Räume reinigen und flexibler auf Verschmutzungen reagieren können. Ergänzend sieht der Antrag eine sogenannte Hot-Spot-Strategie vor, mit der dauerhaft verschmutzte Orte gezielt und wiederkehrend bearbeitet werden sollen. Auch die Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern soll durch standardisierte digitale Prozesse enger verzahnt werden.

Die Idee dahinter ist eine stärkere Bündelung operativer Verantwortung. Während die Stadtreinigung stärker in die Fläche gehen soll, sollen Verwaltungsprozesse bei der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten klarer strukturiert werden. Damit verbunden ist der Anspruch, Müll nicht nur schneller zu beseitigen, sondern Problemstellen langfristig zu stabilisieren.

BSR-Mülleimer mit der Aufschrift "Frisch gepresst".

Moderne Mülleimer mit digitalen Füllstandssensoren sollen künftig dabei helfen, Leerungsfahrten effizienter zu steuern und Überfüllungen im Stadtbild zu vermeiden. / © Foto: depositphotos.com

ANZEIGE

Kostenloser Sperrmülltermin, Entsorgung und neue Kiezangebote

Ein weiterer Schwerpunkt des Antrags liegt auf der privaten Abfallentsorgung. Vorgeschlagen wird ein jährlicher, kostenloser Sperrmülltermin für alle Haushalte, um legale Entsorgungswege niedrigschwelliger zu gestalten. Ergänzt wird dies durch die Idee von Mini-Recyclingpunkten in Wohnquartieren, die eine flexiblere Abgabe kleinerer Wertstoffe ermöglichen sollen. Ziel ist es, illegale Ablagerungen zu reduzieren, indem praktische Hürden sinken.

Parallel dazu soll die Kooperation zwischen Stadtreinigung, Bezirken und privaten Akteuren an Problemorten verbessert werden. Auch Flächen wie Supermarktparkplätze oder Übergangszonen im Stadtraum werden in den Blick genommen. Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende betont:

„Berlin verdient saubere Parks, saubere Straßen und saubere Plätze – in jedem Kiez. Dafür brauchen wir nicht nur mehr Reinigung, sondern vor allem einfachere Entsorgung, klare Verantwortlichkeiten und eine starke BSR. Unser Antrag verbindet genau das: Wir machen es leichter Kieze sauber zu halten, und sorgen dafür, dass Müll schneller verschwindet und gar nicht erst entsteht.“

ANZEIGE

Verpackungssteuer und Prävention im Stadtraum

Ergänzend sieht der Antrag eine Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen vor. Sie soll Anreize schaffen, stärker auf Mehrweg zu setzen und Abfall bereits an der Quelle zu vermeiden. Die Einnahmen sollen nach Vorstellung der Grünen in Maßnahmen der Stadtsauberkeit zurückfließen und damit strukturelle Verbesserungen finanzieren.

Neben regulatorischen Ansätzen setzt der Antrag auch auf Prävention im öffentlichen Raum. Mehr Präsenz durch Kiez- und Parkteams sowie eine stärkere direkte Ansprache vor Ort sollen dazu beitragen, Bewusstsein für Sauberkeit zu schaffen. Insgesamt zielt das Paket auf eine Kombination aus Infrastruktur, Organisation und Verhaltensänderung – mit dem Anspruch, die sichtbare Vermüllung im Stadtbild langfristig zu reduzieren.

Ob und in welchem Umfang die vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem Antrag tatsächlich eine Mehrheit finden, bleibt zunächst offen. Über den Antrag soll bald im Berliner Abgeordnetenhaus abgestimmt werden.

Quellen: Bündnis 90/Die Grünen, Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/3311, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Der Tagesspiegel

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

2 Kommentare

  1. Mario 16. Juni 2026 at 19:30 - Reply

    Seit ich in Mitte lebe ist mir doch ein wenig was aufgefallen.
    In Mitte fährt täglich die BSR mit Kehrmaschine auf und ab. Öffentliche Mülleimer werden jeden zweiten Tag geleert.
    Nach Silvester ist spätestens einen Tag später die Straße sauber.
    Als ich noch in Lichtenberg gewohnt habe war man froh einmal im Monat die Kehrmaschine zu sehen. BSR Mitarbeiter sah man auch nur alle paar Wochen.
    Ich komme zu dem Schluss das bestimmte Stadtviertel einfach besser gestellt werden, dass dort die Wohnungen nicht unter 7 stelligen Summen zu haben sind erübrigt sich.

  2. Michael Götze 17. Juni 2026 at 17:59 - Reply

    Ich bin heute 71 und kenne aus meiner Kindheit noch die kostenlosen Sperrmülltage, wo man seinen Sperrmüll einfach an den Straßenrand stellen konnte. Das war ein wahres Festival für Schrottis und uns Kinder. Jeder kramte aus den Haufen das raus, was man noch gebrauchen konnte. Das beste Recyclingprogramm, was man sich vorstellen konnte. Niemand musste schwere Sessel zum Recyclinghof oder zu den heutigen Recyclingtagen schleppen. Warum erinnert sich niemand an dieses tolle System. Und die Kosten? Einfach auf die Hausmüllentsorgung mit umlegen. Dann werden die Kosten gerecht auf alle Verursacher verteilt.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.