Der Ben-Gurion-Ring im Frankfurter Norden zeigt, wie sich Nachkriegswohnbauten über Jahrzehnte verändern können. Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei entstand in den 1970er-Jahren eine Großwohnsiedlung, nun soll eines der leerstehenden Gebäude zu einem Schulstandort umgenutzt werden.

Ein Foto aus der Siedlung am Ben-Gurion-Ring in Frankfurt. (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

Begrünte Innenhöfe, bunte Fassaden und autofreie Quartiersinfrastruktur: Die Frankfurter Wohnsiedlung innerhalb des Ben-Gurion-Rings beweist, dass 50 Jahre alte Wohnbebauung noch heute zukunftsfähig sein kann. Bald soll hier eine Interimslösung für Frankfurter Schulen entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild und Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Ben-Gurion-Ring liegt am nördlichen Stadtrand Frankfurts und erstreckt sich entlang der Grenze zwischen Bonames und Nieder-Eschbach. Die rund 30 Hektar große Siedlung, nach einer alten Flurbezeichnung auch „am Bügel“ genannt, ist überwiegend wohnlich genutzt und bietet Platz für etwa 4.100 Menschen.

Die Großwohnsiedlung aus den 1970er-Jahren hatte lange mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Heute gilt sie als Beispiel für die positive Entwicklung und Anpassungsfähigkeit von Nachkriegs-Hochhaussiedlungen. In Kürze könnte eine neue Ergänzung das Quartier weiter aufwerten, ein leerstehendes Bürogebäude soll temporär Frankfurter Schulen aufnehmen.

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Das seit viereinhalb Jahren leerstehendes Bürogebäude am Ben-Gurion-Ring 158-164 soll also bald wiederbelebt werden und einen neuen Nutzen erhalten. Die Stadt Frankfurt mietet das Gebäude bereits jetzt an und plant, es als temporären Ausweichstandort für Schulen umzubauen, deren Gebäude saniert werden. Jede Schule soll als Interimslösung maximal fünf Jahre am Standort bleiben, während ihre eigenen Gebäude instand gesetzt werden.

Die geplanten Umbauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen, eine Inbetriebnahme ist für das Schuljahr 2028/29 vorgesehen. Im Innenraum werden sämtliche Wände, der Oberboden und die Unterdecken entfernt, ebenfalls soll eine Mensa ergänzt werden. Die Raumaufteilung soll sich nach Fertigstellung flexibel an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen lassen. Für den Umbau stellt die Stadt insgesamt 33 Millionen Euro bereit, finanziert aus dem Budget der Schulbauoffensive.

Aus Ziegelei wird Wohnraum: Siedlung am Ben-Gurion-Ring ist mittlerweile 50 Jahre alt

Der neue Schulstandort würde sich in ein geschichtsträchtiges Areal einfügen: Das Wohngebiet am Ben-Gurion-Ring entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei. Zwischen 1973 und 1976 entstanden rund 1.645 Wohnungen, viele davon gefördert. Die Gesamtplanung übernahm die Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat, beteiligt waren zudem die Nassauische Heimstätte und Neue Heimat Südwest.

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Seit 2015 ist die Siedlung Teil des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“. Ziel ist es, Grünflächen und Nachbarschaftsräume aufzuwerten, die lokale Identität zu stärken und die Integration zu fördern. Stadtverwaltung, Quartiersmanagement, soziale Einrichtungen und Bewohnerschaft arbeiten gemeinsam daran, die Lebensqualität im Quartier zu verbessern. Bereits umgesetzt wurde etwa der Nachbarschaftstreffpunkt „Haus am See“.

Großwohnsiedlung im Frankfurter Norden: Wie lebt es sich heute im Ben-Gurion-Ring?

Die Wohnbauten reihen sich mäandernd entlang des Straßenrings und bilden grüne Zentren mit halboffenen Freiräumen. Meist neun Geschosse hoch, prägen bunte Balkone, vielfältige Fassaden und sichtbare Waschbetonflächen der 1970er-Jahre das Bild. Einige Gebäude sind bereits modernisiert, andere werden noch saniert.

Die Siedlung wird über Stichstraßen erschlossen, die Wohnwege selbst sind autofrei. Vier Parkgaragen und Fahrradstellplätze sichern die Mobilität. Gute Anbindung besteht über Ringbuslinien und nahegelegene U- und S-Bahn-Stationen. Am östlichen Eingang befindet sich ein Versorgungszentrum mit Geschäften und Arztpraxen. Kita, Jugendhaus, Saalbau, Kirchen sowie der zentrale See mit Spielplatz ergänzen die Infrastruktur und schaffen Nachbarschaftstreffpunkte für das gesamte Quartier.

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Der Ben-Gurion-Ring hatte seit seiner Entstehung mit einem schlechten Ruf zu kämpfen und stand häufig in der Kritik an Großsiedlungen der Spätmoderne. Doch besonders die grünen Zentren und eine sinnvolle Quartiersinfrastruktur machen das Wohngebiet einzigartig.

Mit der geplanten Umnutzung des leerstehenden Bürogebäudes am Rand der Siedlung entsteht ein neuer Schulstandort, der dringend benötigte Ausweichflächen für Frankfurter Schulen schaffen soll und zugleich die soziale Durchmischung im Quartier fördert. Der Ben-Gurion-Ring zeigt damit, wie sich städtische Infrastruktur und Wohnquartiere sinnvoll verbinden lassen. Inwiefern dieses Vorhaben zukunftsbeständig glückt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Ein Foto aus der Siedlung am Ben-Gurion-Ring in Frankfurt. (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

Grünes Herz: Inmitten der Ben-Gurion-Siedlung befindet sich eine rund 3 Hektar große Grünfläche mit einem kleinen See. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist der Blick ins Grüne das Highlight im Quartier. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Ein Foto aus der Siedlung am Ben-Gurion-Ring in Frankfurt. (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

An Quartiersinfrastruktur wird im Ben-Gurion-Ring Nichts ausgelassen. Neben dieser Kirchengemeinde verfügt die Siedlung über eine Kita, eine Ladenzeile, Nachbarschaftstreffpunkte und vieles mehr. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Quartiersführung von kunstkontakt Frankfurt am 18.10.2025, Stadtplanungsamt Frankfurt, Stadt Frankfurt am Main, Ben-Gurion-Ring, Frankfurter Neue Presse

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