Immer öfter werden Neubauprojekte in Berlin in Holzhybridbauweise realisiert. Aber warum? Was bedeutet das überhaupt? Und was sind die Vor- und Nachteile?

So soll der Wohnungs-Neubau Am Bahndamm 31 in Köpenick in Holzhybridbauweise fertig aussehen.

Der Wohnungs-Neubau Am Bahndamm 31 in Köpenick wird in Holzhybridbauweise realisiert. / © Visualisierung: Bollinger + Fehlig Architekten GmbH

© Titelbild: HOWOGE

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Die Zahl der Baustellen mit Holzhybridbauweise in Berlin nimmt zu. Der Trend ist klar erkennbar. Zahlreiche neue Bauprojekte mit Holzanteil sind in Planung, im Bau oder bereits fertiggestellt. Von Köpenick über Lichtenberg bis Spandau setzen Projekt-Entwickler auf die Bauweise des Zukunft.

Aber was macht den Holzhybridbau so besonders? ENTWICKLUNGSSTADT erklärt die Vorteile, Nachteile und Einsatzbereiche.

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Was ist ein Holzhybridbau?

Die Holzhybridbauweise beschreibt eine Bauform, bei der Holz mit anderen Baustoffen wie Beton und Stahl kombiniert wird. Holz bleibt dabei ein zentraler Bestandteil, wird jedoch gezielt durch Materialien ergänzt, die bestimmte technische Anforderungen besser erfüllen.

In der Praxis bedeutet das: tragende Bauteile, Außenwände oder Fassaden bestehen häufig aus Holz. Bereiche mit hohen statischen oder brandschutztechnischen Anforderungen – etwa Fundamente, Treppenhäuser, Aufzugsschächte oder Decken – werden dagegen meist in Beton ausgeführt. Stahl kommt punktuell zum Einsatz, wenn zusätzliche Stabilität erforderlich ist.

So entsteht keine reine Holzbauweise, sondern ein abgestimmtes Gesamtsystem, das die jeweiligen Stärken der Materialien nutzt.

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Eine Schule in Marzahn-Hellersdorf in Holzbauweise.

Vor allem beim Schulbau wird in Berlin oft auf die Holzhybridbauweise gesetzt, wie hier bei einer Turnhalle in Marzahn-Hellersdorf. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Warum ist die Holzhybridbauweise im Trend?

Die Holzhybridbauweise gewinnt vor allem durch den steigenden Fokus auf nachhaltiges Bauen an Bedeutung. Holz als nachwachsender Rohstoff speichert CO₂ und verbessert damit die Umweltbilanz eines Gebäudes deutlich.

Gleichzeitig reagiert die Bauweise auf den hohen Bedarf an Wohnraum in Städten. Durch den hohen Vorfertigungsgrad lassen sich Bauzeiten verkürzen und Projekte schneller umsetzen. Das ist besonders relevant bei Nachverdichtung oder Aufstockungen im Bestand.

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Auch technische Entwicklungen spielen eine Rolle. Digitale Planung ermöglicht eine präzisere Abstimmung der verschiedenen Materialien und Gewerke. Dadurch wird die Bauweise wirtschaftlicher und besser kalkulierbar.

Nicht zuletzt fördern politische Rahmenbedingungen energieeffizientes und ressourcenschonendes Bauen. Das stärkt die Nachfrage zusätzlich.

Welche Vorteile hat die Holzhybridbauweise?

Die Vorteile der Holzhybridbauweise ergeben sich vor allem aus der gezielten Kombination der Materialien. Holz sorgt für eine gute ökologische Bilanz, da es CO₂ speichert und als nachwachsender Rohstoff verfügbar ist. Gleichzeitig übernehmen Beton und Stahl dort Aufgaben, wo hohe Tragfähigkeit oder besondere Anforderungen an Brand- und Schallschutz bestehen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Bauzeit. Viele Bauteile werden industriell vorgefertigt und erst auf der Baustelle montiert. Das erhöht die Ausführungsqualität und verkürzt die Bauphase vor Ort deutlich.

Auch wirtschaftlich kann die Bauweise überzeugen. Durch klare Bauteilstrukturen und standardisierte Prozesse lassen sich Kosten besser planen. Zudem ermöglicht die Konstruktion eine hohe Flexibilität bei unterschiedlichen Gebäudetypen – vom mehrgeschossigen Wohnungsbau über Bürogebäude bis hin zu Aufstockungen im Bestand.

Welche Nachteile hat der Holzhybridbau?

Die Vorteile des Holzhybridbaus gehen mit einem höheren Planungsaufwand einher. Da unterschiedliche Materialien kombiniert werden, müssen alle Details frühzeitig und präzise abgestimmt werden. Besonders die Übergänge zwischen Holz, Beton und Stahl erfordern sorgfältige Planung.

Fehler in dieser Phase können später zu Mehrkosten führen. Die Bauweise stellt daher hohe Anforderungen an die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Fachplanern und ausführenden Unternehmen.

Auch bauphysikalisch ist die Umsetzung anspruchsvoll. Themen wie Schallschutz, Brandschutz und Feuchteschutz müssen exakt gelöst werden, um die gewünschten Qualitäten zu erreichen.

Hinzu kommt, dass spezialisiertes Fachwissen notwendig ist. Nicht alle Planungsbüros oder Bauunternehmen verfügen über ausreichend Erfahrung mit der Holzhybridbauweise, was die Umsetzung im Einzelfall erschweren kann.

Quellen: BaustoffWissen, Holzbauwelt

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4 Kommentare

  1. Marcel S. 4. April 2026 at 11:57 - Reply

    Holzhybridbauweise gibt es seit der Steinzeit. Das ist kein neuer Trend sondern die altbewährte Bauweise seit Jahrtausenden, wir hatten lediglich eine kurze Phase seit den 1960ern bis heute bei der man bei größeren Häusern auf Holz verzichtet hat. Bei einfachen Bauten wie Einfamilienhäusern ist man eigentlich nie oder nur ganz selten wirklich von dieser klassischen Bauart abgerückt.

  2. Franz 5. April 2026 at 15:24 - Reply

    Vergammelt das nicht schneller und ist damit in 10-20 Jahren nicht eine vollständige Sanierung vorprogrammiert? Ich habe den Eindruck, dass sas nur ein Hype der Atchitkten ist, um etwas unter drm Label „nachhaltig“ besser und teurer verkaufrn zu können. Denn natürlich muss Bauholz irgendwo herkommen, sprich ein Wald muss vernichtet werden.

  3. Dr. Heide ellerbrock 6. April 2026 at 20:38 - Reply

    Meine wesentliche Frage ist: Woher kommt das Holz? Geben unsere Wälder in Deutschland diese Holzmengen überhaupt her? Jeder Transport aus dem Ausland hätte die Bezeichnung „nachhaltig“ nicht verdient!

    • Marcel S. 7. April 2026 at 12:12 - Reply

      Die Frage kann man leicht beantworten. Aktuell kommt unser Rohholz bis zu 50% aus deutschen Forsten. Die andere Hälfte importieren wir überwiegend aus Skandinavien und aus benachbarten EU-Ländern wie Tschechien, Polen aber einen kleinen Teil importieren wir auch aus den USA und Kanada. Aber selbst mit diesem Importanteil ist es trotzdem nachhaltiger als die Herstellung, Transport und Verarbeitung von Beton oder Ziegeln. Der Energiebedarf sowie auch der Wasserbedarf für die Herstellung und Verarbeitung von Holz ist viel geringer. Es ist also grundsätzlich immer nachhaltiger beim Bauen den Anteil von Holz zu erhöhen und den von Beton und Ziegeln zu reduzieren.

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