Direkt an der Paulskirche entsteht Frankfurts neues Herz der Demokratie. Das „Haus der Demokratie“ soll ein Ort für Geschichte, Austausch und aktive Mitgestaltung werden.

Im unmittelbaren Umfeld zur Paulskirche soll zeitnah das „Haus der Demokratie“ entstehen. In einem offenen Ideenwettbewerb konnten Architektinnen und Architekten ihre Entwürfe einreichen. Nun geht das Projekt in die nächste Phase. / © Visualisierung: unique assemblage Architekten Probst Schlachter PartG mbB und Faktorgruen Landschaftsarchitekten bdla beratende Ingenieure mbB

© Titelbild: schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH

 

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Frankfurt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Besonders die Innenstadt wird sich in den kommenden fünf Jahren sichtbar wandeln. An einer der prominentesten Stellen, direkt im Umfeld der Paulskirche, soll nun ein weiterer Meilenstein entstehen: das „Haus der Demokratie„. Der Beschluss dazu fiel bereits 2019, inzwischen treiben Stadt und Partner die Planungen Schritt für Schritt voran.

Geplant ist ein Ort, der die deutsche Demokratiegeschichte würdigt und zugleich aktuelle gesellschaftliche Debatten aufgreift. Mit Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen soll ein Diskussionsraum entstehen, getragen wird der öffentliche Lernraum von Stadt, Land und Bund.

Projektbeschluss „Haus der Demokratie“ wurde bereits 2019 gefasst: Was ist bisher geschehen?

Bereits 2019 fasste die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, die Paulskirche denkmalgerecht zu sanieren und das Areal durch einen Ausstellungsort zu ergänzen. Im Jahr 2021 beriefen Stadt, Land und Bund eine Expertenkommission ein. Zwei Jahre später legte diese eine Empfehlungen für das Projekt „Haus der Demokratie“ vor.

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Dann folgte Anfang März dieses Jahres die Auslobung für einen offenen Ideenwettbewerb, durch den unterschiedliche Visionen für den Bau und die genaue Position sowie das Umfeld am Paulsplatz gefunden werden sollten. Insgesamt wurden 128 architektonische Entwürfe von Planungsteams aus ganz Europa eingereicht.

Entscheidung durch Bürgerbeiteiligung: Auswahl aus zehn Entwürfen möglich

Im August 2025 startete die erste Phase der Bürgerbeteiligung für das „Haus der Demokratie“. Zuvor wählte ein Preisgericht aus 24 Fachpreisrichtern zehn Entwürfe aus allen Einreichungen aus. Die Öffentlichkeit kann nun sechs Wochen lang aktiv mitbestimmen, welcher Entwurf am besten passt, entweder vor Ort in der Ausstellung in der Paulskirche oder über einen Online-Fragebogen.

Bewertet werden Aspekte wie Einbindung ins Stadtbild, Einladungswirkung, Wiedererkennbarkeit sowie Gestaltung des Paulsplatzes und des Platzes nördlich der Kämmerei. Die Ergebnisse der Beteiligungsmaßnahmen werden dokumentiert und fließen direkt in die politische Entscheidung ein, die anschließend den Rahmen für den Realisierungswettbewerb festlegt. Im Rahmen dieses zweiten Wettbewerbs sollen dann detaillierte Entwürfe entstehen, die anschließend erneut geprüft und mit den Vorstellungen der Öffentlichkeit abgeglichen werden.

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Diverse Visionen: So könnte das „Haus der Demokratie“ aussehen

Die vorgestellten Entwürfe könnten kaum unterschiedlicher sein. Sie reichen von dreistöckigen Neubauten auf dem Paulsplatz über Aufstockungen und Anbauten an die angrenzende Kämmerei bis hin zu kompletten Umnutzungen des Kämmereigebäudes ganz ohne Neubauelemente. So werden alle möglichen Standortvarianten abgedeckt.

Auch gestalterisch zeigen die Konzepte große Vielfalt: Manche fügen sich dezent in das Stadtbild ein, andere setzen markante Akzente. Alle Entwürfe sehen eine umfangreiche Begrünung von Paulsplatz und Kämmerei-Platz vor. Dadurch soll die Aufenthaltsqualität erhöht und der Freiraum zu einem lebendigen Diskursort werden.

Historischer Standort: Warum das „Haus der Demokratie“ die Nähe zur Paulskirche braucht

Dass das „Haus der Demokratie“ in unmittelbarer Nähe zur Paulskirche entstehen soll, ist kein Zufall. Die Kirche gilt als „Wiege der deutschen Demokratie“ und markiert einen entscheidenden Moment in der Geschichte. 1848/49 tagte hier die erste frei gewählte Nationalversammlung, die eine Verfassung mit Grundrechten und Wahlrecht erarbeitete. Auch wenn die Revolution scheiterte, prägten viele Ideen von damals später das Grundgesetz.

Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Paulskirche 1948 vereinfacht wiederaufgebaut und entwickelte sich zum Symbol für den demokratischen Neuanfang. Bis heute ist sie Schauplatz bedeutender Reden und Diskussionen, unter anderem sprach hier 1963 US-Präsident John F. Kennedy.

Ideenwettbewerb als Mitgestaltungsmaßnahme für das neue „Haus der Demokratie“

Der Ideenwettbewerb für das „Haus der Demokratie“ ist ein wichtiger erster Schritt, um die vielfältigen Möglichkeiten für das neue Gebäude zu visualisieren und der Stadtbevölkerung eine Stimme zu geben. Die unterschiedlichen Entwürfe zeigen, wie flexibel der Ort gestaltet werden kann, um sowohl historische Bedeutung als auch moderne Nutzungen miteinander zu verbinden und den öffentlichen Raum aufzuwerten.

Wie das „Haus der Demokratie“ letztlich aussehen wird und an welchem Standort es errichtet wird, entscheidet sich erst nach dem Realisierungswettbewerb. Bis dahin bleibt der Prozess offen, spannend und transparent: ein Symbol für die demokratische Mitgestaltung in der Frankfurter Innenstadt.

Eine Visualisierung eines Entwurfs für das "Haus der Demokratie" in Frankfurt. (Quelle: rethmeierschlaich architekten PartG mbB und Knüvener Architekturlandschaft)

Die Entwürfe für das „Haus der Demokratie“ könnten nicht unterschiedlicher sein. In diesem Fall setzt das Büro „rethmeierschlaich architekten“ auf Flächenentsiegelung und Umnutzung. / © Visualisierung: rethmeierschlaich architekten PartG mbB und Knüvener Architekturlandschaft

Eine Visualisierung eines Entwurfs für das "Haus der Demokratie" in Frankfurt. (Quelle: Lennart Beckebanze und Leila Ravandi)

Dieser Entwurf arbeitet mit dem Bestand: Due alte Kämmerei soll vollständig umgenutzt und zum Paulsplatz hin geöffnet werden. / © Visualisierung: Lennart Beckebanze und Leila Ravandi

Eine Luftaufnahme der Paulskirche. (Quelle: Wikimedia Commons)

Das Areal rund um die historische Paulskirche zählt zu den bekanntesten Touristenattraktionen Frankfurts. Durch die Nähe zum Frankfurter Römer zieht die Kirche einige Blicke auf sich. /© Foto: Wikimedia Commons

Quellen: Stadt Frankfurt, Haus der Demokratie, Competition Online

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