Das Eierhäuschen im Spreepark schließt zum Jahresende, nur anderthalb Jahre nach seiner Wiedereröffnung. Steigende Kosten, geringe Besucherzahlen unter der Woche und die verschobene Spreepark-Eröffnung haben den Betrieb wirtschaftlich ausgebremst. Während Grün Berlin nun eine neue gastronomische Nutzung ausschreibt, steht der traditionsreiche Ort erneut vor einem Neuanfang.

Das Eierhäuschen wurde denkmalgerecht saniert und zeigt sich heute mit roter Backsteinfassade, verzierten Giebeln und einem markanten Turm. Nun wird ein neuer gastronomischer Betrieb gesucht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Das historische Eierhäuschen im Spreepark steht vor einem erneuten Umbruch. Die Gastronomie, die erst im März 2024 eröffnet hatte, stellt ihren Betrieb zum 14. Dezember 2025 ein. Wie die gastronomische Leiterin Jessica-Joyce Sidon gegenüber dem Tagesspiegel mitteilte, hätten „aktuelle Umstände“ den Schritt notwendig gemacht. Unter der Woche und vor allem in den Wintermonaten seien zu wenige Gäste gekommen, um den Betrieb wirtschaftlich zu tragen. Hinzu kämen steigende Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel.
Die Grün Berlin GmbH reagiert nun mit einer Neuausschreibung. Die künftige Nutzung soll das Restaurant als eigenständige Gastronomie etablieren und zugleich einen niedrigschwelligen Zugang für Spreepark-Besucherinnen und -Besucher ermöglichen. Bis zum 15. März 2026 können Interessierte ihr Konzept einreichen.
Verzögerte Spreepark-Eröffnung entzieht dem Eierhäuschen wichtige Besucherströme
Ein wesentlicher Faktor für das Aus war die Verzögerung beim Gesamtprojekt Spreepark. Ursprünglich sollte das Areal schrittweise ab 2026 öffnen, nun wurde der Start auf 2027 verschoben. Damit fehlte dem Eierhäuschen eine zentrale Besucherquelle, auf die der Betrieb stark gesetzt hatte. Zwar seien Restaurant und Biergarten an Wochenenden gut besucht gewesen, doch unter der Woche blieb die Frequenz zu gering, um die laufenden Kosten aufzufangen.
Gegenüber der Berliner Morgenpost schilderte die Betreiberin, dass hohe Betriebskosten und erfolglose Verhandlungen über eine zeitweise Mietfreiheit mit der Grün Berlin GmbH den Weiterbetrieb unmöglich machten. Schlechtes Wetter, umfangreiche Bauarbeiten und die verpflichtende Schließung des Biergartens mitten in der Hauptsaison hätten die Lage zusätzlich verschärft. Zudem kritisierte sie, dass sie trotz Angebots zur gemeinsamen Nachfolgesuche nun ihre fast neue Küche vollständig ausbauen müsse, aus ihrer Sicht unökologisch und für künftige Pächter unnötig teuer.
Ausschreibung soll das Eierhäuschen als zentralen Gastronomiestandort im neuen Spreepark etablieren
Mit der Neuvergabe strebt Grün Berlin einen Neustart an. Geplant sind rund 540 Sitzplätze im Innen- und Außenbereich, darunter Restaurant, Terrasse, Kaffeegarten, Tanzsaal und Biergarten. Perspektivisch rechnet Grün Berlin nach der vollständigen Spreepark-Eröffnung mit über 83.000 Gästen jährlich. Mit der neuen Gastronomie soll das Eierhäuschen eine zentrale Rolle im Gesamtkonzept des künftigen Kunst-, Natur- und Kulturparks einnehmen.
Direkt angeschlossen sind der Spreepark Art Space mit Ausstellungsräumen und Künstlerresidenzen sowie ein neuer Schiffsanleger. Die Betreiberinnen und Betreiber sollen ein gastronomisches Konzept entwickeln, das regionale Küche, nachhaltige Standards und eine breite Zugänglichkeit verbindet.Auch Veranstaltungen gehören zum Konzept: Der historische Tanzsaal kann separat gemietet werden und soll bis zu 30 Abendveranstaltungen pro Jahr ermöglichen.
Historischer Ort vor neuer Phase: Das Eierhäuschen steht erneut vor einem Neustart
Das Eierhäuschen hat eine über 180-jährige Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts als Ausflugslokal am Rand des Plänterwalds erbaut, war es zu DDR-Zeiten eines der beliebtesten Ziele der Berlinerinnen und Berliner. Nach langer Phase des Verfalls begann 2015 die denkmalgerechte Sanierung, die 2023 mit Biergarten und Gastronomie abgeschlossen wurde. Seit 2024 beherbergt das Gebäude zudem den Spreepark Art Space mit Ausstellungen und Residenzen.
Mit dem Auszug des bisherigen Teams endet ein kurzes Kapitel in der Geschichte des Hauses. Zugleich eröffnet die Ausschreibung die Chance für einen Neustart, der stärker an den künftigen Publikumsverkehr des Spreeparks gekoppelt ist. Wie sich das Eierhäuschen nach der Neuvergabe entwickeln wird, zeigt sich frühestens 2026, wenn ein neues gastronomisches Konzept an einem traditionsreichen Ort Realität werden kann.
Quellen: Grün Berlin GmbH, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Landesdenkmalamt Berlin, Spreepark Berlin, Wikipedia
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Super Grün Berlin, da lässt man das Gebäude lieber wieder sechs Monate leerstehen (Sprayer ahoi) als dem Betreiber bei der Miete entgegenzukommen. Zumal die Verzögerung von Grün Berlin verschuldet wurde, weil wie üblich die Fertigstellung zwei Jahre verspätet erfolgt.