Während die BVG in der Ehrlichstraße die Gleise der Tramlinie 21 erneuert, entfallen geplante Radwege und barrierefreie Haltestellen. Der BUND spricht von einer verpassten Chance für die Verkehrswende und fordert Änderungen bei den Genehmigungsverfahren.
© Foto Titelbild: BUND Berlin / Nicolas Šustr
Während in der Ehrlichstraße in Berlin-Karlshorst derzeit die Straßenbahngleise der Linie 21 erneuert werden, wächst die Kritik an der Umsetzung des Projekts. Denn entgegen früherer Planungen entstehen im Zuge der Bauarbeiten weder neue Radverkehrsanlagen noch barrierefrei ausgebaute Haltestellen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einem Rückschlag für die Verkehrswende und fordert Änderungen bei den Genehmigungsverfahren.
Ehrlichstraße in Karlshorst: Gleiserneuerung soll Betrieb der Tram langfristig sichern
Seit Beginn der Bauarbeiten werden die rund 40 Jahre alten Gleise auf dem etwa 800 Meter langen Abschnitt zwischen Blockdammweg und Heiligenberger Straße ersetzt. Nach Angaben der BVG ist die Sanierung dringend erforderlich, um den Betrieb der Straßenbahnlinie 21 dauerhaft aufrechterhalten zu können. Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Euro.
Allerdings erfolgt die Erneuerung weitgehend innerhalb der bestehenden Gleislage. Statt einer umfassenden Neugestaltung der Straße wird lediglich ein sogenanntes Rahmengleis eingebaut, dessen Lebensdauer mit rund 20 Jahren deutlich unter der des ursprünglich vorgesehenen „Neuen Berliner Straßenbahngleises“ liegt.
Verkehrswende in Lichtenberg? Geplanter Radweg entfällt vorerst
Eigentlich war vorgesehen, die Baumaßnahme für eine Neuaufteilung des Straßenraums zu nutzen. Durch eine Verlegung der Gleise in die Straßenmitte hätten beidseitig Radfahrstreifen entstehen können. Die Ehrlichstraße gilt als wichtige Verbindung zwischen der neuen Parkstadt Karlshorst mit rund 1.000 Wohnungen und dem S-Bahnhof Karlshorst.
Zu dieser Neuordnung kommt es nun jedoch nicht. Hintergrund ist nach Angaben der BVG die Berliner Genehmigungspraxis: Eine Verschiebung der Gleise um mehr als 80 Zentimeter hätte ein Planfeststellungsverfahren erforderlich gemacht. Angesichts des schlechten Zustands der bestehenden Gleise entschied sich die BVG stattdessen für eine schnelle Sanierung ohne grundlegende Umgestaltung.
„Wenn Berlin ernsthaft den Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und Nahverkehr voranbringen will, müssen die sehr restriktiven Regelungen für die Erneuerung von Straßenbahninfrastruktur überprüft werden. Warum sollte ein Planfeststellungsverfahren nötig sein, wenn existierende Gleise nur innerhalb der bestehenden Fahrbahn verschoben werden? In den Auswirkungen ist das schließlich kaum etwas anderes als eine Ummarkierung von Fahrstreifen.“
Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin
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Der BUND Berlin bewertet diese Entscheidung kritisch. Aus Sicht des Umweltverbandes werde eine einmalige Gelegenheit verpasst, den öffentlichen Raum gleichzeitig für Straßenbahn, Radverkehr und Fußgänger zukunftsfähig umzubauen.
Geschäftsführerin Gabi Jung fordert deshalb eine Überprüfung der bestehenden Regelungen. Es sei kaum nachvollziehbar, weshalb bereits die Verschiebung vorhandener Gleise innerhalb derselben Fahrbahn ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren auslöse. Die Auswirkungen unterschieden sich aus ihrer Sicht kaum von einer einfachen Neuaufteilung der Fahrstreifen.
Nach Einschätzung des BUND führen die bestehenden Vorgaben dazu, dass dringend notwendige Infrastrukturprojekte unnötig verzögert oder nur provisorisch umgesetzt würden. Gleichzeitig entstünden höhere Kosten durch wiederholte Baumaßnahmen und Notsanierungen.
Karlshorst: Die Zukunft der Ehrlichstraße bleibt offen
Die BVG kündigt zwar an, die Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren noch im dritten Quartal 2026 einzureichen. Ob die Ehrlichstraße nach Abschluss der aktuellen Bauarbeiten jedoch tatsächlich in wenigen Jahren erneut grundlegend umgebaut wird, erscheint mehr als fragwürdig.
Damit bleibt auch ungewiss, wann die wichtige Verbindung in Karlshorst einen durchgängigen Radweg sowie barrierefreie Straßenbahnhaltestellen erhalten wird. Der BUND befürchtet, dass ohne vereinfachte Genehmigungsverfahren ähnliche Konflikte künftig auch bei weiteren Berliner Tramprojekten drohen.
Quellen: BUND Berlin, karlshorst.de, BVG
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