Jahrelang galt das „Mediaspree“-Areal in Friedrichshain-Kreuzberg für viele Berlinerinnen und Berliner als Sinnbild einer fehlgeleiteten Stadtentwicklung. Heute zählt ausgerechnet der einst heftig umkämpfte East Side Park zu den beliebtesten Freiräumen entlang der Spree. Das Beispiel zeigt, wie widersprüchlich urbane Transformation in Berlin verlaufen kann.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der East Side Park gehört heute zu den beliebtesten Freiräumen entlang der Berliner Spree. Zwischen East Side Gallery, Oberbaumbrücke und den Neubauten von Mediaspree sitzen Menschen auf gepflegten Rasenflächen, Radfahrer rollen über breite Uferwege, Touristinnen und Touristen fotografieren die Mauerreste, während Berliner und Gäste ihren Abend am Wasser verbringen.

Kaum ein Ort zeigt derzeit deutlicher, wie stark sich das Berliner Spreeufer verändert hat, und wie widersprüchlich diese Transformation bis heute wahrgenommen wird. Denn genau dort, wo heute Spaziergänger flanieren und Cafés gut besucht sind, tobten über Jahre erbitterte Konflikte um Investoren, Verdrängung, Denkmalschutz und die Zukunft der Stadtentwicklung in Berlin.

East Side Gallery und Mediaspree: Ein Spreeufer zwischen Protest und Stadtumbau

Die Entwicklung des gesamten Mediaspree-Areals galt lange als Symbol einer Stadtpolitik, die große Teile der Berliner Öffentlichkeit kritisch sahen. Bürgerinitiativen wie „Mediaspree versenken!“ oder das „Bündnis East Side Gallery Retten“ protestierten jahrelang gegen Neubauten entlang der Spree, gegen Luxuswohnungen, Hotels und die Privatisierung öffentlicher Räume.

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Besonders emotional verlief die Debatte rund um das Projekt Pier 61|63. Eine Petition gegen das Vorhaben sammelte 2017 innerhalb weniger Tage mehr als 25.000 Unterstützerinnen und Unterstützer.

Kritisiert wurde vor allem die Bebauung des historischen ehemaligen Todesstreifens an der denkmalgeschützten East Side Gallery und eine temporäre Versetzung von Mauerresten. Gefordert wurden Baustopps, Kompensationsflächen für Investoren und der Verzicht auf weitere Eingriffe in die Maueranlage.

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East side Park
East side Gallery

Widerstand gegen Luxusprojekte am Berliner Spreeufer

Die Vorbehalte gegen Mediaspree gingen jedoch weit über einzelne Bauvorhaben hinaus. Viele Aktivistinnen und Aktivisten sahen in der Entwicklung des Spreeufers ein Sinnbild für Verdrängung, steigende Mieten und den Verlust urbaner Freiräume. Besonders in Friedrichshain-Kreuzberg entstand in den 2000er- und 2010er-Jahren eine äußerst emotional geführte Debatte über die Zukunft Berlins.

Zahlreiche Demonstrationen, Petitionen und Besetzungen begleiteten die Projekte entlang der Spree. Die benachbarte Cuvry-Brache entwickelte sich zeitweise sogar zu einem Symbol der stadtpolitischen Konflikte jener Jahre.

Der Widerstand, maßgeblich getrieben von der Initiative „Mediaspree versenken“, richtete sich gegen Luxusneubauten, gegen die Vermarktung innerstädtischer Flächen und gegen eine Stadtentwicklung, die von vielen Menschen als zu investorenfreundlich empfunden wurde.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

Die Debatten um Mediaspree waren laut, emotional und politisch aufgeladen. Jahre später zeigt sich am East Side Park ein differenzierteres Bild: kritisierte Neubauten auf der einen Seite, neue öffentliche Freiräume und stark genutzte Uferflächen auf der anderen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Mediaspree: Architektonisch oft beliebig – aber mit neuen öffentlichen Räumen

Tatsächlich wirken viele der in den vergangenen Jahren entstandenen Gebäude entlang der Spree architektonisch eher austauschbar. Glasfassaden, Bürokomplexe und Hotelbauten prägen heute zahlreiche Abschnitte des Ufers, bis auf wenige gelungene Ausnahmen. Manche Neubauten erscheinen funktional, aber wenig identitätsstiftend, insbesondere im Kontrast zur historischen Bedeutung der East Side Gallery.

Gleichzeitig ist jedoch kaum zu übersehen, dass mit dem East Side Park auch neue öffentliche Räume entstanden sind, die heute intensiv genutzt werden. Wo früher brachliegende Flächen, Zäune und unzugängliche Uferbereiche dominierten, finden sich heute großzügige Wege, Aufenthaltsflächen und Grünräume direkt am Wasser. Und die Fläche sind jederzeit zugänglich, Tag und Nacht.

East Side Park heute: Beliebter Freiraum zwischen Mauer und Spree

Der Park selbst wirkt dabei deutlich ruhiger als die häufig überlaufene Straßenseite entlang der Mühlenstraße. Die East Side Gallery lässt sich vom Park aus oft entspannter erleben. Zwischen jungen und älteren Bäumen öffnen sich Sichtachsen auf die Spree, Sitzmöglichkeiten und gepflegte Grünflächen schaffen Aufenthaltsqualität.

Auch die barrierearme Gestaltung fällt positiv auf. Breite Wege verbinden Fußgänger- und Radverkehr nahezu durchgängig entlang des Ufers. Für Berliner Verhältnisse wirken viele Bereiche erstaunlich gepflegt. Gerade an warmen Tagen nutzen hunderte Menschen die Rasenflächen zum Entspannen, Lesen oder Picknicken.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

Der East-Side-Park in Friedrichshain: Unterschätzt oder nur ein städtebauliches Trostpflaster? / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Pier 61|63 bleibt städtebaulicher Fremdkörper am Ufer

Ganz ohne störende Elemente kommt jedoch auch die heutige Situation nicht aus. Besonders das Projekt Pier 61|63 wird von vielen weiterhin skeptisch betrachtet. Der Gebäudekomplex unterbricht den ansonsten weitgehend durchgängigen Uferweg, schiebt sich sichtbar in die Freiflächen hinein und wirkt in Teilen wie ein Fremdkörper innerhalb der offenen Parklandschaft.

Dennoch werden gerade die gastronomischen Angebote am Wasser intensiv genutzt, die im neuen Gebäude entstanden sind. Restaurants, Cafés und Terrassen entlang der Spree sind heute stark frequentiert. Das zeigt auch ein grundlegendes Dilemma vieler Berliner Stadtentwicklungsdebatten: Orte können gleichzeitig kritisch gesehen und dennoch alltäglich angenommen werden.

Ist der East Side Park ein gelungenes Stück Mediaspree?

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Ambivalenz dieses Ortes. Der East Side Park ist Ergebnis einer Stadtentwicklung, die viele Berlinerinnen und Berliner über Jahre ablehnten. Gleichzeitig entstand dort aber auch ein öffentlicher Freiraum, der heute sichtbar funktioniert und von unterschiedlichsten Menschen angenommen wird.

Die grundsätzliche Kritik an Mediaspree – an steigenden Bodenwerten, privatisierten Flächen und architektonischer Beliebigkeit – bleibt dabei weiterhin nachvollziehbar. Doch ebenso schwer lässt sich leugnen, dass am Spreeufer inzwischen auch Qualitäten entstanden sind, die Berlin zumindest an dieser besonderen Stelle lange fehlten: zugängliche Uferbereiche, moderne Freiräume und neue Aufenthaltsorte mitten in der Stadt.

Der East Side Park zeigt damit sehr deutlich, wie widersprüchlich häufig die Berliner Stadtentwicklung oft verläuft: konfliktgeladen, emotional und selten eindeutig. Vielleicht ist gerade diese Vielschichtigkeit der Grund, warum die Debatten um Mediaspree bis heute nicht wirklich abgeschlossen sind, genauso wie die Entwicklung des Areals.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

Der Widerstand gegen Mediaspree war einst enorm, besonders rund um die East Side Gallery. Heute wirkt der East Side Park wie ein überraschend funktionierender Freiraum mitten im umkämpften Stadtumbau – trotz aller Kritik an Neubauten, Investorenprojekten und architektonischer Beliebigkeit. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

Grüne Lunge entlang der historischen East-Side-Gallery: Der East-Side-Park auf dem Areal des einstigen Mauerstreifens. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

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An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

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An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Mediaspree versenken, Berlin.de, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum

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2 Kommentare

  1. Franz 22. Mai 2026 at 20:22 - Reply

    Es fehlt die Brommybrücke für Radfahrer-innen und Fußgänger-innen. Seit 20 Jahren. Da der Bezirk nix macht, Senat bitte übernehmen.

  2. Michael D. 25. Mai 2026 at 21:00 - Reply

    Der Wiederaufbau der Brommybrücke ist bereits seit den 90er Jahren, d.h. seit über 30 Jahren geplant (siehe auch Wikipedia). Leider fehlt es wohl (wie gehabt) an der Finanzierung. In einem Flyer der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt zu „Aktuellen Brückenbaumaßnahmen 2025 / 2026“ wird erstaunlicherweise auch die Brommybrücke genannt (file:///C:/Users/Micha/Downloads/berlin-baut-bruecken.pdf). Sollte man den Bau dieser Brücke also tatsächlich noch erleben? Jedenfalls würde aus meiner Sicht als Bewohner eine solche Fußgänger-/Radfahrerbrücke sowohl die Friedrichshainer als auch Kreuzberger Seite ziemlich aufwerten.

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