Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg plant einen erneuten Anlauf zur Verbreiterung des Gehwegs an der East Side Gallery. Für das sechs Millionen Euro teure Vorhaben müssten 165 Parkplätze entlang der Mühlenstraße wegfallen.

Die East Side Gallery im Jahr 1990. Im Vordergrund ein weißer Trabbi. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, B 145 Bild-F086693-0012 Lemmerz, Wolfgang CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, RainKi (CC0 1.0)
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg plant einen erneuten Anlauf zur Umgestaltung des Gehwegs entlang der East Side Gallery. Mithilfe von Mitteln aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität soll der Fußweg an der Mühlenstraße saniert und verbreitert werden.
Für das Vorhaben werden Gesamtkosten von rund sechs Millionen Euro veranschlagt. Aus dem Sondervermögen sollen zunächst 600.000 Euro bereitgestellt werden. Die übrige Finanzierung müsste aus weiteren Förder- und Haushaltsmitteln erfolgen.
East Side Gallery Berlin: Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr
Die Mühlenstraße gehört zu den am stärksten frequentierten Orten Berlins. Täglich bewegen sich dort tausende Touristinnen und Touristen entlang der East Side Gallery, hinzu kommen Radfahrende und Berufspendler. Nach Auffassung des Bezirksamts ist der bestehende Gehweg den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen.
Besonders problematisch sei die Situation zwischen Oberbaumbrücke und Warschauer Straße. Dort müssten sich Fußgänger und Radfahrende vielerorts den begrenzten Raum teilen. Der Bezirk verweist auf wiederkehrende Konflikte und Sicherheitsprobleme.
Im Zuge des Umbaus soll deshalb nicht nur der Gehweg verbreitert werden. Geplant ist auch, den Radverkehr an der Kreuzung Warschauer Straße/Oberbaumbrücke stärker auf die Fahrbahn zu verlagern und die Verkehrsflächen neu zu ordnen.
Friedrichahain: Kritik an Finanzierung und Entscheidungsprozess
Politisch sorgt das Vorhaben allerdings laut Tagesspiegel für Diskussionen. Sowohl CDU als auch Linke kritisieren die Priorisierung der Projekte, die aus dem Sondervermögen finanziert werden sollen. Insbesondere bemängeln die Fraktionen, dass die Liste der Maßnahmen vom Bezirksamt ohne Beteiligung der Bezirksverordnetenversammlung festgelegt worden sei.
Auch die veranschlagten Kosten von sechs Millionen Euro werden hinterfragt. Kritiker sprechen von einem unverhältnismäßig teuren Projekt und stellen die Prioritätensetzung angesichts knapper öffentlicher Mittel infrage.

An der East-Side-Gallery ist in Berlin-Friedrichshain der heute beliebte East-Side-Park entstanden. Um seine Entstehung und die geplanten städtebaulichen Veränderungen wurde viele Jahre gerungen. Auch auf der anderen Seite der Mauer soll der Straßenraum nun neu geordnet werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neuer Gehweg für die East Side Gallery: Genehmigung steht noch aus
Ob das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden kann, ist derzeit allerdings noch offen. Ein ähnlicher Plan zur Verbreiterung des Gehwegs war in der Vergangenheit bereits vom Land Berlin abgelehnt worden.
Damit die Maßnahme nun realisiert werden kann, benötigt der Bezirk die Zustimmung der Senatsfinanzverwaltung. Erst danach könnte die Planung konkretisiert und die Finanzierung endgültig gesichert werden. Sollte das Projekt grünes Licht erhalten, würde sich einer der meistbesuchten Stadträume Berlins künftig deutlich verändern.
165 Parkplätze an der Mühlenstraße würden wegfallen
Die CDU-Verordnete Marita Fabeck hatte im Zuge der Diskussionen um das Vorhaben eine schriftliche Anfrage an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gestellt. Aus der Antwort ging hervor, dass insgesamt 165 Parkplätze für das Vorhaben weichen müssten.
So würde sich auch das Gesamtbild des historischen Mauerstreifens fundamental ändern, da der Blick auf die künstlerisch gestalteten Mauerelemente damit ungestört wäre, durch die wegfallenden Autos.
Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Der Tagesspiegel, CDU Berlin
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5 Kommentare
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Es ist dort oft für Fußgänger wirklich eng. Tramhaltestelle, East Side Gallery und Brücke. Insbesondere wenn man Touri-Gruppen trifft.
Es wird dringend mehr Platz für Fußgänger benötigt.
Überfällig. Man hat ne coole Attraktion, die weltweit bekannt ist, und dann gibt man ihr kein Platz, weil ein paar dort parken wollen. Gut, dass man da endlich umdenkt.
Ich denke der Verlust der Parkplätze ist gut zu verkraften, da dort eh nur geringe Wohnbebauung zu verorten ist und der Parkdruck durch Parkhäuser gut abgefangen werden kann. Die freie Sicht auf die East Side Gallery ist ein schöner Nebeneffekt, auch wenn die Touristenattraktion den meisten Berlinern wohl egal sein dürfte. Entscheidend ist eine Entkoppelung von Fuss und Radverkehr. Eine bauliche Trennung von Rad und Autoverkehr wäre wünschenswert. Sobald man in Berlin auf dem Rad sitzt, hat man ja schon um sein Wohl zu fürchten.
Endlich! Als Fußgänger ist es dort super voll und zwischen den Autos echt unangenehm. Als Tourist muss man sich für schöne Fotos zwischen die Autos stellen und stolpert ggf. auf den Radweg. Als Radfahrer wird man zwischen schnell fahrenden Autos und parkenden eingezwängt. Taxifahrer und Touris mit Leihwagen, halten auf dem Radweg um schnell an der Mauer ein paar Fotos zu machen.
Das klingt nach einer richtig guten Aufwertung der East Side Gallery. Zudem wäre es noch ein Lückenschluss des geschützten Radwegs am Stralauer Platz bis hin zur Oberbaumbrücke.
Grundsätzlich bin ich absolut dafür, dass Parkplätze im öffentlichen Raum reduziert werden. Den ohnehin knappen Raum in der Stadt muss man nicht für privates Parken aufwenden, vor allem weil die dadurch generierten Einnahmen vergleichsweise gering sind. Für breitere gesellschaftliche Akzeptanz sollte man sich überlegen, wie man Parkraum für Anwohner schafft, zum Beispiel Kiezparkhäuser. Für alle anderen sollten großzügige Park & Ride Möglichkeiten geschaffen werden und der restliche Weg in die Stadt mit den öffis zurück gelegt werden.