Die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde bringt eine dritte Start- und Landebahn sowie eine Lockerung des Nachtflugverbots am Flughafen BER ins Gespräch. In Brandenburg stößt der Vorstoß auf deutlichen Widerstand, ebenso bei der Flughafengesellschaft und der Fluglärmkommission. Die Debatte offenbart grundlegende Unterschiede in der Bewertung von Wachstum, Auslastung und Lärmschutz in der Hauptstadtregion.

Flughafen BER

Auch die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sieht derzeit keinen Bedarf für eine dritte Start- und Landebahn. Zugleich hält die Landesregierung trotz entsprechender Forderungen aus dem Berliner Senat am bestehenden Nachtflugverbot fest, das als zentraler Bestandteil des Lärmschutzes gilt. / © Foto: Wikimedia Commons, Stephan Tournay, CC BY-SA 4.0

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© Titelbild: Günter Wicker, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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Auf einer Veranstaltung der Berliner Industrie- und Handelskammer hatte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) erklärt, Berlin müsse prüfen, ob der Flughafen BER perspektivisch eine dritte Start- und Landebahn benötige. Ziel sei es, zusätzliche Fluggesellschaften und Verbindungen in die Hauptstadtregion zu holen, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Darüber hinaus verwies Bonde laut Tagesspiegel auf mögliche wirtschaftliche Effekte. Mehr Start- und Landerechte könnten die Attraktivität des Flughafens erhöhen und langfristig ein Passagieraufkommen von bis zu 40 Millionen Reisenden pro Jahr ermöglichen. Konkrete Planungen oder Zeitachsen nannte sie allerdings nicht und ordnete den Vorschlag selbst als langfristige Vision ein.

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Brandenburg und Flughafengesellschaft sehen keinen Bedarf für dritte BER-Landebahn

In Brandenburg stieß der Vorstoß umgehend auf Kritik. Vertreterinnen und Vertreter von SPD und CDU im Potsdamer Landtag erklärten laut rbb24, die Kapazitäten des BER seien bislang deutlich unter den ursprünglichen Prognosen geblieben und bei Weitem nicht ausgeschöpft. Zudem bemängelten sie den Ton aus Berlin, da wiederkehrende Ausbaudebatten vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner belasteten. Aus brandenburgischer Sicht gehe es daher weniger um Wachstum als um Verlässlichkeit und Schutz der umliegenden Gemeinden.

Auch die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sieht derzeit keinen Bedarf für eine dritte Start- und Landebahn. Die zwei bestehenden Bahnen sind für bis zu 50 Millionen Passagiere ausgelegt, 2024 nutzten jedoch nur rund 25 Millionen Menschen den Flughafen. Nach Einschätzung der Betreibergesellschaft bietet die vorhandene Infrastruktur damit ausreichend Spielraum, während ein weiterer Ausbau hohe Investitionen ohne erkennbaren verkehrlichen Nutzen erfordern würde.

Fluglärmkommission bekräftigt Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr am BER

Neben dem Ausbau der Infrastruktur brachte Bonde auch eine Aufweichung des Nachtflugverbots ins Gespräch. Denkbar sei es, einzelnen Airlines pro Jahr eine begrenzte Zahl von Landungen nach Mitternacht zu erlauben, um Umleitungen auf andere Flughäfen zu vermeiden. Auch dieser Vorschlag stößt in Brandenburg auf klare Ablehnung. Die Landesregierung machte frühzeitig deutlich, dass sie an den bestehenden Regelungen festhalten will. Das abgestufte Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gilt dort als zentraler Bestandteil des Lärmschutzes rund um den Flughafen.

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Rückendeckung erhält Brandenburg durch die Fluglärmkommission des BER. Diese hatte sich Anfang Dezember mit großer Mehrheit gegen jede Aufweichung der Nachtkernzeit zwischen 0 und 5 Uhr ausgesprochen. Zur Begründung verwies die Kommission auf geltende Gerichtsurteile, insbesondere des Bundesverwaltungsgerichts, die eine flugfreie Kernzeit ausdrücklich festschreiben. Eine Lockerung der Regeln würde aus Sicht der Kommission die Gesundheit der Anwohnenden gefährden und bestehende Vereinbarungen infrage stellen.

BER-Ausbau umstritten: Brandenburg und Flughafen setzen auf bestehende Kapazitäten

Während die Berliner Verkehrsverwaltung langfristige Wachstumsperspektiven betont, setzen Brandenburg, die Flughafengesellschaft und zahlreiche Kommunen auf eine bessere Nutzung der bestehenden Infrastruktur. Eine dritte Start- und Landebahn gilt vielen Landespolitikerinnen und Landespolitikern daher als falsches Signal. Statt neuer Großprojekte rücken Effizienz, Stabilität und Akzeptanz in den Fokus.

Die Debatte um Ausbau und Nachtflugverbot zeigt, wie unterschiedlich die Interessen in der Flughafenregion bewertet werden. Berlin verweist auf wirtschaftliche Entwicklung und internationale Anbindung, während Brandenburg und der Flughafen selbst keinen akuten Handlungsbedarf sehen. Vorerst bleibt der Kurs am BER auf Auslastung, Lärmschutz und den Erhalt bestehender Regelungen ausgerichtet.

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Quellen: Flughafen BER, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, rbb24

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2 Kommentare

  1. a.t. 18. Dezember 2025 at 13:32 - Reply

    In Sperenberg wäre das nicht passiert… Die Diskussion kommt noch… :)

  2. Böhme 20. Dezember 2025 at 14:48 - Reply

    Ich weiß jetzt nicht, aus welchem Grunde es gegenwärtig einer dritten Landebahn bedürfte. Der bisherigen Flughafen ist auf 40 Mio. Fluggäste jährlich mit einer entsprechenden Zahl von Slots ausgelegt. Mit viel Glück wird der BER dieses Jahr vielleicht auf um die 26 Mio. Fluggäste kommen.

    Und mir fehlt jede Fantasie, wo die dritte Landebahn dann gebaut werden soll. Die brandenburgische Politik hielt es ja für intelligent (naja, brandenburgische Politik und „intelligent“), das südlich des Flughafens gelegene Provinznest Rotburg auch noch mit einem fetten Neubaugebiet auszubauen!!!

    Es stellt sich schon die Frage, ob Frau Bonde überhaupt eine konkrete Vorstellung über den Verlauf der dritten Startbahn hat. Wenn nicht, ist das ein Armutszeugnis. Wenn ja, dann ist es ein Armutszeugnis für die Presse, dass diese darüber nicht konkret berichtet. Groß Kietnitz hat sich ja „geschickt“ mit einem ökologisch fragwürdigen riesigen Golfplatz gegen alle Versuche abgesichert. Gut, den könnte man als erstes platt machen!

    Viel wichtiger, Frau Bonde, wäre es, wenn der derzeitige Flughafen endlich mal funktionieren würde. Da gibt es noch viel, sehr viel Luft nach oben. Und dann wäre es wichtig, den Einfluss der Bayern zurückzudrängen, die offensichtlich alles tun, um die Aufwertung des BER im Interesse des eigenen Flughafens bei München zu verhindern!

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