Nach mehr als zwei Jahrzehnten Planung und kontroversen Debatten steht die Dresdner Bahn kurz vor der Inbetriebnahme. Mit dem Start am 14. Dezember verändern sich die Verbindungen zwischen Berlin und dem BER grundlegend. Die neue Trasse bringt kürzere Fahrzeiten, neue Linien und einige Verschiebungen im bisherigen Netz.

Die neuen Gleise zwischen Südkreuz und Blankenfelde verkürzen die Fahrzeiten Richtung Dresden, Prag, Wien und Budapest deutlich. Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn dauerte wegen Streitigkeiten über Bauweise und Lärmschutz viele Jahre. / © Foto: Depositphotos.com
© Titelbild: Wikimedia Commons, Pedant01
Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember nimmt die Dresdner Bahn offiziell den Betrieb auf. Die 16 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin-Südkreuz und Blankenfelde gilt als eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Region. Erstmals seit Jahrzehnten können Regional- und Fernzüge hier gemeinsam mit der S-Bahn verkehren. Bislang nutzten die Züge die Anhalter Bahn, da die Trasse nur für den S-Bahn-Betrieb ausgelegt war.
Mit der Fertigstellung endet ein Projekt, das zu den langwierigsten Bahnvorhaben Deutschlands zählt. Planung, Einwendungen, gerichtliche Auseinandersetzungen und der Lärmschutz hatten den Ausbau immer wieder verzögert. Nun sieht die Deutsche Bahn kaum noch Hindernisse, die Inbetriebnahme erfolgt nach abschließenden Testfahrten.
Neue BER-Anbindung: FEX fährt schneller und häufiger zum Flughafen Berlin-Brandenburg
Mit der Dresdner Bahn ändert sich die Anbindung des BER grundlegend. Der Flughafenexpress FEX fährt künftig nicht mehr über Gesundbrunnen und Ostkreuz, sondern startet direkt am Hauptbahnhof in Richtung Süden. Er hält nur am Potsdamer Platz und Südkreuz und erreicht den Flughafen in rund 20 bis 25 Minuten. Die Züge verkehren zudem doppelt so häufig: alle 15 Minuten statt wie bisher alle 30.
Auch der Berliner Osten wird besser angebunden. Die Linien RB24 und RB32 fahren künftig direkt vom Ostkreuz zum Flughafen und stellen damit neue Direktverbindungen aus Lichtenberg, Hohenschönhausen und Oranienburg her. Für einige Orte ergeben sich jedoch Nachteile, da Gesundbrunnen, Spandau und Falkensee ihre direkte BER-Anbindung verlieren.
Neue Fernverkehrsoptionen durch Dresdner Bahn: Schnellere Verbindungen nach Dresden, Prag und Wien
Die neue Strecke soll jedoch auch Vorteile für Fernverbindungen bieten. Denn Fernverbindungen Richtung Dresden, Prag und Wien profitieren davon, dass die Züge künftig eigene Gleise nutzen können. Die Dresdner Bahn entlastet zugleich die viel befahrene Anhalter Bahn, was laut Deutscher Bahn die Stabilität des gesamten Netzes verbessern soll.
Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn, zeigte sich optimistisch. Er erklärte, die neue Strecke ermögliche kürzere Fahrzeiten und einen zuverlässigeren Takt. Die Region bekomme damit eine der wichtigsten Verbesserungen im Bahnverkehr seit der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs.
Geplanter S-Bahnhof Kamenzer Damm: Positive Bewertung, Umsetzung weiter offen
Parallel zur Inbetriebnahme rückt ein weiteres Thema in den Fokus. Die Nutzen-Kosten-Analyse für einen zusätzlichen S-Bahnhof am Kamenzer Damm fällt positiv aus. Der Halt würde die Lücke zwischen Attilastraße und Marienfelde schließen und Gewerbe- sowie Wohngebiete besser anbinden. Dennoch bleibt unklar, ob der Bahnhof realisiert wird.
Die Deutsche Bahn hatte den Halt im ursprünglichen Ausbau nicht vorgesehen. Lärmschutzwände, Signaltechnik und laufende Planfeststellungsverfahren erschweren eine nachträgliche Integration. Die Finanzierungsfrage ist ebenfalls ungeklärt, sodass am Ende das Berliner Abgeordnetenhaus über die Umsetzung entscheiden muss.
Von 1875 bis heute: Wie die Dresdner Bahn zurück ins Berliner Netz fand
Die Geschichte der Dresdner Bahn reicht bis 1875 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Mauerbau war die Strecke unterbrochen, später wurden Gleise rückgebaut. Der Wiederaufbau gehörte zu den zentralen Modernisierungsprojekten nach der Wiedervereinigung, stieß aber über Jahre auf Widerstand von Anwohnerinitiativen. Forderungen nach einem Tunnel wurden aus Kostengründen abgelehnt.
Mit der Eröffnung schließt sich eine lange Phase der Unsicherheit. Die neue Strecke soll künftig für schnellere Verbindungen sorgen und Berlin stärker mit Süddeutschland und Mitteleuropa verknüpfen. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie ergänzende Infrastruktur, wie der mögliche Halt Kamenzer Damm, das Angebot langfristig verbessern könnte.
Quellen: rbb24, Deutsche Bahn AG, Berliner Morgenpost, Bürgerinitiative „Lichtenrade Dresdner Bahn“, Stadtrandnachrichten, Deutsche Bahn
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