Berlin sucht nach neuen Wegen, um Hitze, Trockenheit und den Verlust von Stadtgrün wirksam zu bewältigen. Auf der Neustart-Konferenz wurde dafür ein digitales Werkzeug vorgestellt, das die Begrünung von Baumscheiben erstmals einfach, transparent und stadteinheitlich organisieren soll. „Digital Pflanzen“ setzt auf Kooperation zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft und könnte ein Modell für ganz Deutschland werden.

Das Pilotprojekt startet im Bezirk Mitte, wo Verwaltung, Initiativen und Anwohnende gemeinsam einen ersten Prototyp entwickeln. Aufbauend auf dieser Testphase soll das Tool später auch für Popup-Oasen, Kühlinseln oder Miniparks genutzt werden und damit ein Baustein für klimaresiliente Stadtentwicklung werden. / © Foto: Depositphotos.com
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Berlin steht vor wachsenden klimatischen Belastungen. Hitzeperioden, Starkregen und zunehmende Schäden an Stadtbäumen stellen Verwaltung und Stadtgesellschaft seit Jahren vor Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Wunsch vieler Berlinerinnen und Berliner, selbst aktiv zur Begrünung beizutragen. Oft scheitert dieses Engagement jedoch an komplexen Genehmigungen oder uneinheitlichen Zuständigkeiten der Bezirke.
Hier setzt das neue Projekt „Digital Pflanzen“ an. Es wurde im Rahmen der Neustart-Konferenz vorgestellt und versteht sich als digitales Open-Source-Werkzeug, das die Begrünung von Baumscheiben stadtweit vereinfachen soll. Ziel ist ein einheitlicher, transparenter Prozess, der Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Bezirke entlastet.
Online-Anträge statt Papierformulare: Wie „Digital Pflanzen“ Verwaltung und Bürger entlastet
Die Idee dabei ist: Statt Papierformularen, unklarer Zuständigkeiten und langwieriger Abstimmungen soll künftig ein digitales Verfahren greifen. Bürgerinnen und Bürger können ihre Pflanzideen online einreichen, Genehmigungen digital erhalten und sich mit anderen Engagierten vernetzen.
Auch für die Bezirksämter bringt das System Vorteile. Standardfälle lassen sich schneller bearbeiten, Ausnahmen gezielt prüfen und bestehende Pflanzungen besser monitoren. Ein Dashboard soll Abläufe, Kommunikation und Ressourcenplanung vereinheitlichen. Damit wird aus einem bislang heterogenen Verwaltungsakt ein nachvollziehbarer Prozess mit berlinweit gleichen Regeln.
Zielzahlen im Fokus: 2.000 Anträge und 1.000 begrünte Baumbeete bis Projektende
Die ersten Schritte erfolgen im Bezirk Mitte. Dort entwickeln Mitarbeitende der Verwaltung gemeinsam mit Initiativen und Anwohnenden einen funktionsfähigen Prototyp. Anschließend soll das Tool in ein bis zwei Pilotprojekten getestet und weiter angepasst werden.
Im Projektzeitraum sollen zwei weitere Bezirke hinzukommen. Insgesamt strebt das Team rund 2.000 bewilligte Anträge und 1.000 aktiv begrünte Baumbeete an. Die initiierenden Organisationen – BaumEntscheid Berlin und Wandel WerkStadt – betonen, dass schon erste Gespräche mit mehreren Bezirken stattgefunden haben.
Stadtökologie stärken: Begrünte Baumbeete verbessern Mikroklima und Biodiversität
Die Begrünung von Baumscheiben gilt in der Stadtökologie als wirkungsvolles Mittel gegen Hitze und Bodenversiegelung. Bewachsene Baumbeete speichern Wasser, verbessern das Mikroklima und schaffen Lebensräume für Insekten. Damit leisten sie einen Beitrag zu einer klimaangepassten Stadtentwicklung, ohne große Flächen umzubauen.
„Digital Pflanzen“ soll diesen Effekt stärken, indem freiwilliges Engagement leichter wird und Verwaltungsressourcen geschont werden. Durch die Standardisierung können Bezirke auch auf Fehlentwicklungen besser reagieren, etwa bei verkehrsrelevanten Hindernissen oder ungeeigneten Pflanzungen.
Perspektive Stadtgrün: Wie „Digital Pflanzen“ den Weg zu Miniparks und Oasen ebnet
Langfristig endet das Projekt nicht bei einzelnen Baumscheiben. Aufbauend auf der digitalen Infrastruktur sollen später auch kleine Kälteinseln, temporäre Oasen oder Miniparks abgebildet werden. Die Initiatoren sehen darin einen Baustein für das geplante „BäumePlus-Gesetz“, das stadtweite Rahmenbedingungen für mehr Stadtgrün schaffen soll.
Das Projekt versteht sich damit als Startpunkt einer breiteren Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen und Verwaltung. Digitalisierung, Beteiligung und Klimaanpassung sollen nicht länger getrennt voneinander gedacht werden, sondern gemeinsam dazu beitragen, Berlin widerstandsfähiger und lebenswerter zu machen.
Quellen: Wandel WerkStadt, BaumEntscheid Berlin e.V.
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