Allein in einem einzigen Berliner Bezirk wurden 2026 bereits mehr als 900 Baustellen genehmigt. Eine Anfrage zeigt, wie groß der Baustellendruck in Berlin ist.

Straßenbauarbeiten an der Ella-Barowsky-Straße am Bahnhof Südkreuz. Neue Gehwege und Fahrbahnen sind bereits fertiggestellt, während Baustellenabsperrungen weiterhin Teile des Straßenraums prägen.

An der Ella-Barowsky-Straße am Südkreuz sind große Teile der neuen Straßen- und Wegeflächen inzwischen fertiggestellt. Gleichzeitig laufen im Umfeld weiterhin zahlreiche Bauarbeiten./ © ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf Berlins Straßen wird gebaut, saniert und an Leitungen gearbeitet. Wie viele Baustellen es tatsächlich gibt, lässt sich jedoch überraschend schwer beantworten. Eine neue parlamentarische Anfrage zeigt große Unterschiede zwischen den Bezirken – und eine Zahl fällt besonders auf.

Wer derzeit durch Tempelhof-Schöneberg fährt, trifft an zahlreichen Stellen auf Baustellen, Sperrungen oder veränderte Verkehrsführungen. Wie groß das Ausmaß ist, zeigt die Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Antonín Brousek. Demnach hat der Bezirk allein 2026 bereits mehr als 900 Baustellen genehmigt.

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Allerdings bedeutet diese Zahl nicht, dass mehr als 900 Baustellen gleichzeitig bestehen. Ebenso wenig lässt sich daraus zweifelsfrei ableiten, dass Tempelhof-Schöneberg berlinweit tatsächlich die meisten laufenden Straßenbaustellen hat. Die Bezirke lieferten ihre Angaben in sehr unterschiedlicher Form. Eine einheitliche Berliner Statistik enthält die Senatsantwort deshalb nicht.

Mehr als 900 genehmigte Baustellen in Tempelhof-Schöneberg

Der Vergleich zeigt dennoch die Dimension. Steglitz-Zehlendorf meldete zum Zeitpunkt der Abfrage 339 genehmigte Arbeitsstellen. Neukölln sprach von mehreren Hundert Baustellen im Straßenland, konnte diese aber innerhalb der gesetzten Frist nicht auswerten. Pankow erklärte wiederum, dass die angefragten Daten in dieser Form nicht aus dem verwendeten System herausgezogen werden könnten.

Auch Friedrichshain-Kreuzberg verwies auf ein zu großes Datenvolumen für eine vollständige Darstellung. Marzahn-Hellersdorf sah sich wegen der Vielzahl der Maßnahmen und personeller Einschränkungen ebenfalls außerstande, eine komplette Liste vorzulegen. Die Zahl aus Tempelhof-Schöneberg ist deshalb vor allem eines: die höchste konkrete Jahressumme, die ein Bezirk in der Antwort nennt.

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Warum im Bezirk so viele Vorgänge zusammenkommen, zeigt ein Blick auf aktuelle Projekte. An der Schöneberger Straße entsteht derzeit ein neuer geschützter Radweg. Gleichzeitig wird die Kreuzung mit der Alboinstraße umgebaut. Dort entstehen unter anderem barrierefreie Querungen, außerdem wird die Ampeltechnik angepasst.

Visualisierung Umgestaltung Platz der Luftbrücke

Die Umgestaltung des Platzes der Luftbrücke beginnt. Geplant sind unter anderem klimaresiliente Elemente und barrierefreie Zugänge zu Gastronomie und Geschäften. / © Visualisierung: Bruun & Möllers

Baustellen in Tempelhof-Schöneberg: Vom Platz der Luftbrücke bis Schöneberger Straße

Eine weitere größere Baustelle liegt am Platz der Luftbrücke. Dort startete im März 2026 die Neugestaltung eines ersten, rund 15.000 Quadratmeter großen Bereichs. Entlang der Manfred-von-Richthofen-Straße verändert sich dabei auch der Straßenraum. Der erste Abschnitt soll Anfang 2028 fertig werden.

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Und das ist nur eine kleine Auswahl. Hinzu kommen Arbeiten, die nicht vom Bezirksamt selbst ausgehen. Die Verkehrsinformationszentrale führt etwa Maßnahmen an Leitungen, Straßen, Kreuzungen und Autobahnen. Dazu gehören 2026 unter anderem Einschränkungen an der Manfred-von-Richthofen-Straße sowie Arbeiten am Tempelhofer Damm und an der Schöneberger Straße.

Gerade der Tempelhofer Damm zeigt zugleich, dass der Baustellendruck noch länger Thema bleiben dürfte. Die umfassende Sanierung des Tempelhofer Damms soll nach bisherigem Stand frühestens im zweiten Halbjahr 2029 beginnen. Unter der Straße müssen unter anderem alte Abwasserdruckleitungen erneuert werden. Der genaue Ablauf ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Warum Berlin seine Straßenbaustellen nicht zentral erfasst

Die parlamentarische Anfrage legt zugleich ein strukturelles Problem offen. Eine zentrale Stelle, die sämtliche Baustellen im öffentlichen Berliner Straßenland genehmigt oder koordiniert, gibt es nicht. Sondernutzungserlaubnisse erteilen grundsätzlich die zuständigen Straßenbaubehörden, meist die Straßen- und Grünflächenämter der Bezirke. Hinzu kommen verkehrsrechtliche Anordnungen der jeweiligen Straßenverkehrsbehörden.

Bei Arbeiten im übergeordneten Straßennetz kommt zudem die zentrale Straßenverkehrsbehörde der Senatsverwaltung ins Spiel. Berlin hat zwar ein integriertes Konzept zur Baustellenkoordinierung eingeführt. Die Antworten der Bezirke zeigen aber, dass eine berlinweit vergleichbare Statistik weiterhin fehlt.

Tempelhof-Schöneberg bleibt deshalb ein auffälliges Beispiel: Mehr als 900 Genehmigungen innerhalb eines Jahres zeigen, wie intensiv das öffentliche Straßenland umgebaut wird. Ob der Bezirk damit tatsächlich auf Platz eins in Berlin liegt, lässt sich aus den vorliegenden Daten jedoch nicht seriös ableiten.

 

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26766, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

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