Immer mehr ehemalige Klinikstandorte werden in Berlin zu neuen Wohnquartieren. Die Krankenhausreform könnte diesen Wandel in den kommenden Jahren zusätzlich beschleunigen. Doch die Umnutzung historischer Klinikgelände hat bereits eine sehr viel längere Vorgeschichte.

Schlosspark-Klinik
DRK-Klinik Westend
DRK-Klinik Mitte
Wenckebach-Klinikum
Auguste-Viktoria-Klinikum
Jüdisches Krankenhaus Berlin
Ludwig-Hoffmann-Quartier
„Joli Coeur“

© Titelbild: Newmark

In Berlin rücken frühere Klinikstandorte mehr und mehr in den Fokus der Stadtentwicklung. Auf einigen Arealen entstehen Wohnungen, andere Standorte stehen vor offenen Entscheidungen. Die Krankenhausreform verschärft den wirtschaftlichen und strukturellen Druck, doch die Umnutzung alter Klinikgebäude hat in der Hauptstadt schon lange begonnen.

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Berlin erlebt bei Klinik-Arealen keinen völlig neuen Trend, aber eine neue Dynamik. Das geplante Wohnquartier am Heubnerweg zeigt, wie schnell ein medizinischer Standort zur Wohnbaufläche werden kann. Die Schlosspark-Klinik stellte ihren Betrieb Anfang 2026 ein.

Instone Real Estate plant dort nun rund 640 Wohnungen auf etwa 42.500 Quadratmetern Wohnfläche. Zwei Bestandsgebäude bleiben zunächst bis Mai 2028 vermietet und sollen später in die Entwicklung einbezogen werden.

Blick auf die Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.

Auf dem Gelände der ehemaligen Klinik am Heubnerweg in Charlottenburg soll in den kommenden Jahren ein neues Wohnquartier mit rund 640 Wohnungen entstehen. / © Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0

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Klinik, Wohnungen und Umnutzung: Berlin ordnet Standorte neu

Die bundesweite Krankenhausreform verstärkt diesen Wandel. Sie setzt stärker auf Leistungsgruppen, Qualität und wirtschaftliche Konzentration. Berlin passt seine Krankenhausplanung daran an. Künftig zählt nicht nur, wie viele Betten ein Haus vorhält, sondern welche Leistungen es dauerhaft und nachprüfbar erbringen kann. Damit geraten kleinere oder sanierungsbedürftige Standorte stärker unter Druck.

Das betrifft nicht nur den Ortsteil Charlottenburg. Die DRK Kliniken wollen Mitte und Westend zusammenführen. Der Standort Mitte soll mindestens bis 2028 weiter vollstationär versorgen, langfristig aber im Standort Westend aufgehen.

Auch beim Wenckebach-Klinikum in Tempelhof-Schöneberg verlagert Vivantes Fachbereiche an das Auguste-Viktoria-Klinikum. Das Jüdische Krankenhaus in Berlin-Mitte befindet sich nach dem Antrag auf Eigenverwaltung weiter in einer offenen Lage; der Patientenbetrieb läuft weiter, die Zukunft des Standorts ist aber nicht entschieden.

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Das Bild zeigt ein DRK-Krankenhaus. Die DRK-Kliniken Berlin Westend am Spandauer Damm sollen zur Maximalversorgung ausgebaut werden.

Die DRK-Kliniken Berlin Westend am Spandauer Damm sollen zu einem Krankenhaus der Maximalversorgung ausgebaut werden. / © Foto: DRK-Schwesternschaft Berlin

Historische Klinikgelände werden zu neuen Quartieren

Dass Klinikflächen zu Wohnungen werden, zeigt Berlin schon länger. In Buch entstand auf dem früheren Klinikareal das Ludwig-Hoffmann-Quartier mit mehr als 500 Wohnungen, Schulen, Kitas, Sporthalle, Gewerbe und sozialen Einrichtungen. Das denkmalgeschützte Ensemble stand seit Jahren für eine Umnutzung historischer Krankenhausarchitektur. Auch das Wohnprojekt „Joli Coeur“ in Charlottenburg verbindet alte Klinikgebäude mit Neubauten.

Am Sandhaus in Pankow prüfen Projektbeteiligte ebenfalls, ob eine frühere DDR-Klinik erhalten und zu Wohnungen umgebaut werden kann. Das Areal gehört zum geplanten Stadtquartier in Buch mit rund 2.700 Wohnungen. Ein Abriss steht dort nicht mehr allein im Raum. Die Debatte dreht sich auch um graue Energie, Bestandserhalt und die Frage, wie viel Neubau am Stadtrand verträglich ist.

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Visualisierung des Neubauquartiers „Am Sandhaus“ in Berlin-Buch mit mehrgeschossigen Wohnhäusern, verkehrsberuhigten Wegen, Bäumen und großzügigen Freiflächen. Familien, Kinder und Anwohner nutzen die öffentlichen Bereiche zwischen den geplanten Wohngebäuden.

Die Planungen für „Am Sandhaus“ sehen ein familienfreundliches Stadtquartier mit Wohnungen, Grünanlagen und Begegnungsorten vor. Das Projekt gehört zu den größten Wohnungsbauvorhaben im Berliner Nordosten./ © Visualisierung: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

Reinickendorf: Umnutzung der Karl-Bonhoeffer-Nervenkliniken geplant

Ein weiteres Beispiel wird aktuell in Reinickendorf entwickelt. Auf dem rund 45 Hektar großen Areal der ehemaligen „Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik“ in Reinickendorf will die landeseigene Gesobau ein neues Wohnquartier errichten.

Geplant sind 600 Wohnungen, die in einem weitgehend autofreien Umfeld entstehen sollen. Ergänzend sieht das Konzept soziale Infrastruktur vor, darunter Kitaplätze sowie einen sogenannten Mobility-Hub mit Stellplätzen und Angeboten für alternative Mobilität.

Berlin: Krankenhausreform könnte weitere Grundstücke für neue Nutzungen verfügbar machen

Mit der fortschreitenden Krankenhausreform dürfte die Diskussion über die Zukunft weiterer Klinikstandorte in Berlin an Dynamik gewinnen. Wo medizinische Nutzungen entfallen oder verlagert werden, könnten zusätzliche Flächen für dringend benötigten Wohnraum entstehen.

Welche Areale tatsächlich umgenutzt werden, wird jedoch von den gesundheitspolitischen Entscheidungen der kommenden Jahre abhängen. Doch vor allem kleinere Klinikstandorte werden zunehmend unter Drucke geraten, das scheint schon jetzt sehr sicher zu sein. So wäre auch das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Krankenhaus Waldfriede in Zehlendorf ein möglicher Standort für eine künftige Umnutzung.

Quellen: rbb24, Welt, DRK Kliniken Berlin, Bundesgesundheitsministerium, Senatskanzlei, Vivantes, Jüdisches Krankenhaus Berlin

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