Drogenkonsum, Überlastung und soziale Not: Mitten in Frankfurt verschärft sich die Lage seit Jahren. Nun soll ein neues Suchthilfezentrum im Bahnhofsviertel endlich konkrete Entlastung bringen.

Vor allem im Bahnhofsviertel kämpft die Stadt Frankfurt seit Jahrzehnten mit dem Drogenkonsum. Einher geht eine hohe Kriminalitätsrate und die Verschmutzung der Straßen. Nun soll der Problematik mithilfe eines neuen Suchthilfezentrums als lokale Intervention Einhalt geboten werden. / © Foto: IMAGO
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Die politische Hängepartie hat endlich ein Ende: Mit dem Beschluss für ein neues Suchthilfezentrum im Bahnhofsviertel will Frankfurt ein deutliches Zeichen für mehr Hilfe, Sicherheit und Ordnung setzen.
In der letzten Sitzung der Stadtverordneten, die am 3. Juli 2025 stattfand, wurde der Antrag, den GRÜNE, SPD, FDP und Volt gemeinsam stellten, mit einer Mehrheit beschlossen. Bis 2026 soll am Rand des Bahnhofsviertels ein Ort mit konkreten Hilfsangeboten entstehen.
Neues Suchthilfezentrum in Frankfurt: Hoffnung für das Bahnhofsviertel?
Bereits seit Jahren arbeiten die städtischen Verantwortlichen gemeinsam mit Vertretern der Suchthilfeinitiativen an der Planung einer neuen Anlaufstelle für Suchtkranke direkt vor Ort. Anfang Mai bestätigte die Stadt, dass nun eine geeignete Immobilie gefunden wurde.
In dem vierstöckigen Bestandsgebäude in der Niddastraße 76 sollen vielfältige Angebote für Suchtkranke entstehen: Aufenthalts- und Konsumräumen, Ruhebetten und Übernachtungsmöglichkeiten, medizinischer Behandlung und psychosozialer Beratung. Allein durch seine Größe gilt das neue Zentrum als bundesweit einzigartig.
Politische Debatte um das neue Suchthilfezentrum: Keine Einigung in der Ampel-Koalition
Der Antrag für ein neues Suchthilfezentrum war über Monate hinweg immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt zeigte sich in der Debatte um das neue Suchthilfezentrum gespalten. Trotz dieser Debatten kam es nun doch zu einer Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Grüne, Volt und Linke stimmten für das neue Suchthilfezentrum und somit gegen den Ampel-Koalitionspartner FDP.
Der Beschluss kam in letzter Minute und war dringlicher denn je. Wäre er nicht gefasst worden, hätte die Absprache mit dem Verkäufer des vorgesehenen Gebäudes innerhalb weniger Tage ihre Gültigkeit verloren. In diesem Fall wäre die Stadt gezwungen gewesen, erneut in Verhandlungen zu treten oder sogar nach einem alternativen Standort zu suchen. Das hätte den gesamten Zeitplan erneut ins Wanken gebracht.
Kritik an der Standortwahl: Lokale Unterstützung oder Dezentralisierung?
Der Weg zum endgültigen Beschluss verlief nicht ohne Widerstände. Immer wieder äußerten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Stadtgesellschaft kritisch gegenüber dem Vorhaben, ein zentrales Suchthilfezentrum im Bahnhofsviertel zu errichten.
Besonders die Wahl des Standorts löste zuletzt kontroverse Debatten aus. In einem offenen Brief forderten Anwohnerinnen und Anwohner, Hotelbetreiber und lokale Gewerbetreibende eine dezentrale Lösung. Eine Eigentümerinitiative brachte zwischenzeitlich einen alternativen Standort an der Mannheimer Straße ins Gespräch. Die zentrale Frage bleibt: Soll sich die Drogenhilfe auf das Problemviertel am Bahnhof konzentrieren oder auf mehrere Standorte im Stadtgebiet verteilt werden?
Neues Suchthilfezentrum: Ein Hilfsangebot nur für Frankfurterinnen und Frankfurter?
Ein weiterer Streitpunkt in der Debatte um das neue Suchthilfezentrum in der Niddastraße betraf die Frage, wer künftig Zugang zu den Hilfsangeboten erhalten soll. Ursprünglich enthielt der Antrag eine Klausel, wonach ausschließlich Menschen mit Wohnsitz in Frankfurt aufgenommen werden sollten. Personen von außerhalb hätten demnach nur eine Notversorgung erhalten und wären im Anschluss abgewiesen worden.
Diese Regelung sorgte für erhebliche Kritik. Die Fraktionen von Linke, Ökolinx-ELF und die „Fraktion“ setzten schließlich eine Änderung der Magistratsvorlage durch. Die umstrittene Zugangsbeschränkung wurde daraufhin gestrichen.
Neue Struktur, alte Probleme? Wie es mit der Drogenhilfe weitergeht
Mit dem geplanten Suchthilfezentrum geht Frankfurt einen wichtigen Schritt zur Entlastung des Bahnhofsviertels. Das umfassende Konzept vereint medizinische Versorgung, psychosoziale Beratung und sichere Aufenthaltsräume unter einem Dach. Die Entscheidung der Stadtverordneten schafft klare Perspektiven für betroffene Menschen und stärkt die vorhandenen Hilfestrukturen.
Ob das Vorhaben seine Wirkung voll entfalten und die Drogenkriese eindämmen kann, wird sich erst nach der Umsetzung zeigen. Entscheidend wird sein, wie gut das neue Zentrum in das Viertel integriert wird und ob es gelingt, Vertrauen bei Betroffenen, Anwohnern und Gewerbetreibenden aufzubauen.

Zwischen Altbauten und Hochhäusern: Das Bahnhofsviertel ist eines der ältesten Stadtviertel Frankfurts und eines der vielseitigsten. Der Bau eines neuen Suchthilfezentrums gilt als wichtiger Schritt, um die Drogenproblematik einzudämmen und den historischen Charme des Viertels wieder deutlicher aufleben zu lassen. / Foto: © ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Stadt Frankfurt, Frankfurter Rundschau
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