Pakete per Boot, Baustoffe per Schiff: Berlins Wasserstraßen rücken wieder stärker in den Fokus der Stadtlogistik. Ein neues DHL-Paketboot im Südosten ist dabei mehr als ein Pilotprojekt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Güterverkehr auf Spree, Havel und Dahme insgesamt deutlich zunimmt.

Der Gütertransport auf Berlins Wasserstraßen gewinnt seit einiger Zeit wieder an Bedeutung. Mit der Planung zusätzlicher Paketboot-Routen reagiert nun auch der Logistikdienstleister DHL auf dieses Potenzial und will die Auslieferung von Sendungen künftig stärker über Spree, Havel und Dahme organisieren. / © Foto: WNA Berlin
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Immer mehr Waren sollen in Berlin künftig über Wasserstraßen transportiert werden. Den jüngsten Impuls setzt DHL mit einer neuen Paketboot-Route im Südosten der Stadt. Nach einem bereits laufenden Solarboot zwischen Spandau und Westhafen ist nun eine zweite Strecke geplant, die von Köpenick über Oberschöneweide, Rummelsburg und Treptow bis zum Osthafen führen soll.
Das neue Boot soll größer sein und mehr Sendungen emissionsfrei transportieren können. Auch solarbetriebene Packstationen entlang der Route sind vorgesehen. Ein erstes Probeanlegen fand bereits in der Köpenicker Altstadt statt, der Regelbetrieb soll noch in diesem Jahr starten. Ziel ist es, Straßenverkehr zu reduzieren und innerstädtische Zustellung effizienter zu organisieren.
Paketlogistik der DHL per Schiff: Entlastung für Straßen und Stadtverkehr in Berlin
Gerade in dicht bebauten Bezirken gilt die Verlagerung von Lieferverkehren als möglicher Hebel gegen Stau und Emissionen. Bezirksvertreter im Südosten sehen im Paketboot die Chance, Transporte direkt an wassernahe Paketstationen zu verlagern. Laut DHL gegenüber dem Tagesspiegel könnten perspektivisch bis zu 15 Prozent aller Berliner Pakete über Wasserstraßen transportiert werden.
Dass dieses Modell nicht nur symbolischen Charakter hat, zeigt der Blick auf die bestehende Route im Westen der Stadt. Dort wurden seit 2022 bereits mehr als 300.000 Pakete per Solarboot befördert.
Güterverkehr auf Berlins Wasserstraßen: Transportmengen stiegen 2025 um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Parallel zu den Logistikprojekten nimmt auch der klassische Gütertransport auf Berlins Wasserstraßen zu. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg rund 1,04 Millionen Tonnen Güter befördert. Das entspricht einem Anstieg von 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders stark wuchs der Transport von Kohle, Erdöl und Erdgas sowie von Erzen, Steinen und Erden. Auch Holzprodukte und mineralische Erzeugnisse legten zu. Rückläufig war dagegen der Transport von Sekundärrohstoffen und Abfällen. Container spielten im Berliner Binnenverkehr weiterhin keine Rolle.
Wassertransport von Gütern in Berlin: Umweltfreundlich und günstig, aber weniger flexibel
Aus Sicht der Wirtschaft sprechen mehrere Faktoren für den Transport per Schiff. Die Industrie- und Handelskammer Berlin verweist darauf, dass der Energiebedarf der Binnenschifffahrt deutlich unter dem von Lkw und Bahn liegt. Entsprechend niedriger fallen CO₂-Emissionen und Umweltbelastungen aus.
Zugleich gilt der Transport über Wasser als vergleichsweise kostengünstig. Nachteile bestehen vor allem bei der Geschwindigkeit und der Flexibilität. Für Massengüter und planbare Lieferketten bleibt die Wasserstraße dennoch konkurrenzfähig.
Konkurrenzdruck auf Berliner Wasserstraßen: Gütertransport, Berufsschifffahrt und Wassertourismus schränken Kapazitäten ein
Die Berliner Wasserstraßen verteilen sich auf Zuständigkeiten von Bund und Land. Spree, Havel, Dahme, Teltowkanal oder der Landwehrkanal zählen zu den Bundeswasserstraßen und werden vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt betreut. Daneben existieren zahlreiche Landeswasserstraßen, etwa im Bereich von Häfen, Kanälen und Seen.
Die wachsende Nutzung wirft jedoch Fragen zur Finanzierung und zum Ausbau auf. Während Gütertransporte zunehmen, konkurrieren Berufsschifffahrt, Logistik und Wassertourismus um begrenzte Kapazitäten. Die aktuellen Entwicklungen zeigen dennoch: Berlins Wasserstraßen sind längst mehr als touristische Kulisse, sie entwickeln sich erneut zu einem relevanten Baustein urbaner Logistik.
Quellen: Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), Verkehrsinformationszentrale, Tagesspiegel, Statistik Berlin Brandenburg, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
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