Luxushotels, internationale Gäste und dringend benötigte West-Devisen: In den letzten Jahren der DDR investierte Ost-Berlin massiv in repräsentative Hotelbauten. Vor allem rund um Friedrichstraße und Unter den Linden entstand eine exklusive Hotelwelt, die für die meisten DDR-Bürger unerreichbar blieb.

Internationaler Komfort im Ost-Berlin der späten 1980er-Jahre: Die großzügig gestaltete Lobby des damaligen DOM-Hotels verdeutlicht den repräsentativen Anspruch der sogenannten Devisenhotels. Mit hochwertiger Ausstattung sollten die Häuser vor allem zahlungskräftige Gäste aus dem Ausland anziehen. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-1991-0125-302 / CC-BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Bernd Settnik, (CC BY-SA 3.0)
Die Entwicklung der Ost-Berliner Friedrichstraße war über Jahrzehnte eng mit den politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der DDR verbunden. Nach den schweren Kriegszerstörungen blieb die einst bedeutende Geschäftsstraße zunächst vielerorts von Brachen geprägt.
Zwar entstanden bereits in den 1960er-Jahren neue Gebäude wie das „Hotel Unter den Linden“, doch größere Investitionen blieben lange aus. Erst in den 1970er- und vor allem in den 1980er-Jahren rückten repräsentative Hotelbauten zunehmend in den Mittelpunkt der staatlichen Planungen.
Interhotel-Gruppe spielte eine wichtige Rolle beim Hotelbau in Ost-Berlin
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Interhotel-Gruppe. 1977 entstand zwischen Mittel-, Friedrich- und Dorotheenstraße das rund 68 Meter hohe „Hotel Metropol“ mit etwa 400 Zimmern und Apartments.
Errichtet wurde der Komplex vom schwedischen Bauunternehmen SIAB. Das Hotel gehörte zu einer Reihe repräsentativer Einrichtungen, mit denen Ost-Berlin internationalen Gästen einen modernen und konkurrenzfähigen Eindruck vermitteln wollte.
In den 1980er-Jahren wurden West-Devisen für die DDR immer wichtiger
Eine neue Dynamik setzte Anfang der 1980er-Jahre ein. Im Februar 1984 gab Erich Honecker das Ziel aus, die Friedrichstraße zur „attraktivsten Geschäftsstraße der Hauptstadt“ zu entwickeln. Dahinter stand jedoch nicht allein der Wunsch nach einer städtebaulichen Aufwertung des Ost-Berliner Zentrums.
Die wirtschaftlich zunehmend angeschlagene DDR benötigte dringend West-Devisen. Viele der nun begonnenen Großprojekte sollten deshalb gezielt zahlungskräftige Besucher aus dem westlichen Ausland ansprechen.
Ost-Berlin ab 1984: Neue Strategie für Luxus-Hotels
Besonders deutlich wurde diese Strategie bei den neuen Luxushotels. Neben dem bereits bestehenden Hotel Metropol eröffnete 1987 das Grand Hotel an der Friedrichstraße nahe Unter den Linden.
Ein Jahr später folgte das DOM-Hotel gegenüber dem Deutschen Dom am Gendarmenmarkt, das heutige Hilton. Ergänzt wurde dieses Angebot durch das Haus der Unterhaltung an der Leipziger Straße, das als Spielcasino und Vergnügungsstätte ebenfalls vornehmlich Gäste aus dem westlichen Ausland anziehen sollte.

Großzügige Treppenanlagen, Galerien und eine repräsentative Ausstattung prägten das 1987 eröffnete Grand Hotel an der Friedrichstraße. Als Spitzenhotel der DDR sollte das Haus internationalen Standard demonstrieren und vor allem zahlungskräftige Gäste aus dem westlichen Ausland ansprechen. / © Foto: Wikimedia Commons, Ben Sinclaire (CC BY-SA 3.0)
Grand Hotel und DOM-Hotel sollten internationale Gäste anziehen
Die neuen Interhotels sollten weitgehend westlichen beziehungsweise ausländischen Gästen vorbehalten bleiben. Für die DDR-Bevölkerung verkörperten sie damit eine besondere Form der Parallelwelt: Während im Land vielerorts Mangelwirtschaft herrschte, entstanden im Zentrum Ost-Berlins Hotels mit internationalem Komfort und aufwendiger Ausstattung.
Ihr wirtschaftlicher Zweck war eindeutig: Sie sollten als „Devisenbringer“ möglichst viel harte Währung in die DDR holen. Das 1987 eröffnete Grand Hotel entwickelte sich dabei zum Spitzenhotel der DDR.
Die japanische Kajima Corporation entwickelte das Grand Hotel am Boulevard Unter den Linden
Entworfen und errichtet wurde es von der japanischen Kajima Corporation. Auch architektonisch sollte das Gebäude Repräsentationsansprüche erfüllen: Seine Gestaltung nahm Elemente der im Krieg zerstörten Kaisergalerie auf, unter anderem durch Passage-Achsen und das große Portal an der Ecke Behrenstraße.
Damit verband das Projekt internationalen Hotelstandard mit einer bewussten Rückbesinnung auf die historische Friedrichstraße.
Luxushotels als Teil der wirtschaftlichen Überlebensstrategie
Die sogenannten Devisenhotels waren somit weit mehr als Übernachtungsbetriebe. Sie waren Teil einer wirtschaftlichen Strategie, mit der die DDR in ihren letzten Jahren internationale Gäste und deren westliche Währungen nach Ost-Berlin holen wollte.
Gleichzeitig dienten sie als repräsentative Schaufenster des Staates und sollten vermitteln, dass Ost-Berlin auch im internationalen Vergleich über hochwertige Hotels, Gastronomie und Unterhaltung verfügte.
Die Baupolitik konnte die wirtschaftlich angeschlagene DDR nicht mehr retten
Die ambitionierte Baupolitik konnte die wirtschaftlichen Probleme der DDR allerdings nicht lösen. Einige Projekte blieben bis zum Mauerfall unvollendet, andere verloren nach 1989 ihre ursprüngliche Funktion.
Die Friedrichstraße wurde nach der Wiedervereinigung grundlegend neu geordnet. Gerade Bauten wie das ehemalige Grand Hotel oder das frühere Hotel Metropol erinnern jedoch bis heute an jene kurze Phase, in der luxuriöse Hotels im Zentrum Ost-Berlins nicht zuletzt dazu dienen sollten, dringend benötigte West-Devisen zu erwirtschaften.

Das 1988 eröffnete DOM-Hotel am Gendarmenmarkt gehörte zu den repräsentativen Hotelneubauten der späten DDR. Als Interhotel sollte es vor allem internationale Gäste ansprechen und dringend benötigte West-Devisen erwirtschaften; heute wird das Gebäude als Hilton Berlin genutzt. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin Freudenfett (CC BY-SA 3.0)
Grand Hotel Berlin
DOM Hotel (heute Hilton)
Quellen: Deutsches Architektur Forum, Architektur Urbanistik Berlin, Artikelreihe „Die Geschichte der Friedrichstraße“, Wikipedia, RBB
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