Flammen, Rauch und ein aufgebrachter Mob: Am 17. Juni 1953 wurde das Columbushaus am Potsdamer Platz zum Symbol des Volksaufstands in der DDR. Dabei galt das Gebäude einst als eines der modernsten Bürohäuser Europas und als Meisterwerk des Architekten Erich Mendelsohn. Obwohl das Gebäude den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, wurde es Ende der 1950er Jahre abgerissen.

Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1932 setzte das Columbushaus mit seiner klaren Formensprache und innovativen Konstruktion neue Maßstäbe für den modernen Bürohausbau in Berlin. / © Foto: Wikimedia Commons, Waldemar Titzenthaler (gemeinfrei)
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons
Flammen schlagen aus den Fenstern, dichter Rauch steigt über dem Potsdamer Platz auf. Menschen werfen Möbel und Akten aus den oberen Stockwerken, Schaulustige verfolgen das Geschehen, sowjetische Panzer rücken in Richtung Innenstadt vor.
Es ist der 17. Juni 1953, der Tag des Volksaufstands in der DDR. Das Columbushaus, einst eines der modernsten Büro- und Geschäftshäuser Europas, steht in Flammen. Die Bilder des brennenden Gebäudes gehen um die Welt; und markieren zugleich den Anfang vom Ende eines Bauwerks, das Berlin architektonisch seiner Zeit weit voraus war.
Heute erinnert am ehemaligen Standort kaum noch etwas an das Gebäude. Wo einst das Columbushaus stand, prägen moderne Hochhäuser, Bürokomplexe und Hotels das Bild des Potsdamer Platzes. Dass sich hier bis 1957 eines der bedeutendsten Werke des Architekten Erich Mendelsohn befand, wissen heute nur noch wenige.
Der Brand machte das Columbushaus zum Symbol des 17. Juni 1953
Als am Morgen des 17. Juni 1953 tausende Menschen gegen das SED-Regime demonstrierten, entwickelte sich auch der Potsdamer Platz zu einem Brennpunkt der Ereignisse. Das Columbushaus, das nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem von Dienststellen der DDR genutzt wurde, geriet ins Zentrum der Proteste. Demonstrierende drangen in das Gebäude ein, zerstörten Einrichtungen und legten Feuer. Die Flammen beschädigten große Teile des Hauses.
Obwohl die markante Stahlkonstruktion den Brand weitgehend überstand, war das Schicksal des Columbushauses damit praktisch besiegelt. Die Ruine blieb noch einige Jahre stehen, ehe sie 1957 vollständig abgetragen wurde. Eine Sanierung oder ein Wiederaufbau kamen nicht mehr in Betracht; auch weil der Potsdamer Platz durch die politische Teilung Berlins zunehmend an Bedeutung verlor.

Eine Fotografie während des Baus des Columbushauses in den 1930er Jahren. Das Gebäude war hinter einer Holzfassade verborgen, welche für Plakatierungen genutzt werden konnte. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 102-06598 / CC-BY-SA 3.0
Columbushaus am Potsdamer Platz: Ein modernes Gebäude überlebt den Zweiten Weltkrieg
Bemerkenswert ist, dass nicht der Zweite Weltkrieg das Ende des Columbushauses bedeutete. Während große Teile der historischen Bebauung rund um den Potsdamer Platz zerstört wurden, blieb das Gebäude vergleichsweise gut erhalten. Seine moderne Stahlrahmenkonstruktion erwies sich als widerstandsfähig, viele Gebäudeteile konnten zunächst weiter genutzt werden.
Doch mit der Teilung Berlins veränderte sich auch die Funktion des Hauses. Direkt an der Grenze zwischen dem sowjetischen und den westlichen Sektoren gelegen, wurde das Columbushaus zu einem politischen Gebäude. Aus dem Symbol einer weltoffenen Metropole war innerhalb weniger Jahre ein Bauwerk im Spannungsfeld des Kalten Krieges geworden.
Erich Mendelsohn entwarf ein Gebäude für das Berlin der Zukunft
Als das Columbushaus Anfang der 1930er Jahre entstand, galt es als architektonische Sensation. Erich Mendelsohn entwarf einen konsequent modernen Stahlskelettbau mit weitläufigen Fensterbändern und einer elegant geschwungenen Fassade. Die klare Formensprache hob sich deutlich von den wilhelminischen Gebäuden am Potsdamer Platz ab und verkörperte den Aufbruch in ein neues Zeitalter.
Errichtet wurde das Gebäude auf dem Grundstück des ehemaligen Grand Hotels Bellevue. Auftraggeber war der Warenhauskonzern Wertheim, der dort moderne Büro- und Geschäftsräume schaffen wollte. Flexible Grundrisse, lichtdurchflutete Innenräume und eine innovative Konstruktion machten das Columbushaus zu einem Vorbild für den internationalen Bürohausbau.

Das Columbushaus überstand den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut und prägte auch in den Nachkriegsjahren weiterhin den Potsdamer Platz – umgeben von den Ruinen der zerstörten Innenstadt. / © Foto: Wikimedia Commons, Michael M. Dean (gemeinfrei)
Das verschwundene Columbushaus: Ein verlorenes Wahrzeichen des Potsdamer Platzes
Mit seinem vollständigen Abriss verschwand 1957 eines der bedeutendsten Bauwerke der Berliner Moderne. Wenige Jahre später verlief an dieser Stelle die Berliner Mauer, aus dem einst pulsierenden Verkehrsknoten wurde ein menschenleerer Grenzstreifen. Erst nach der Wiedervereinigung entstand rund um den Potsdamer Platz ein völlig neues Stadtquartier.
Das Columbushaus geriet dabei weitgehend in Vergessenheit. Dabei war es nicht nur eines der modernsten Gebäude seiner Zeit, sondern auch ein Bauwerk, das die Brüche der deutschen Geschichte wie kaum ein anderes widerspiegelt: geboren aus dem Optimismus der Weimarer Republik, überstanden vom Krieg, gezeichnet vom Volksaufstand und schließlich verschwunden in einer geteilten Stadt.
Heute lebt das Columbushaus nur noch auf historischen Fotografien weiter, als Sinnbild eines Berlins, das seiner Zeit bereits vor fast 100 Jahren weit voraus war.

Mit seiner markanten Glasfassade und den horizontalen Fensterbändern galt das von Erich Mendelsohn entworfene Columbushaus Anfang der 1930er Jahre als eines der modernsten Büro- und Geschäftshäuser Europas. Nach dem Krieg wurde das Gebäude weiter genutzt. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-19000-3579 / CC-BY-SA 3.0
Berlin Potsdamer Platz
Quellen: potsdamer-platz.org, Berliner Morgenpost, Wikipedia, Bundesarchiv Bild
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2 Kommentare
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Danke, dass Sie an diese ausgelöschte Ikone Erich Mendelsohns erinnern. Es sind nicht mehr viele Werke dieses herausragenden Architekten, die Berlin aufweisen kann.
Umso wichtiger, den WOGA Komplex am KuDamm als sein einziges realisiertes städtebauliches Werk zu erhalten. Seine Architektur und das Konzept der Mischnutzung haben Generationen inspiriert und begeistert. Auch angesichts der IBA ist es eine Schande, was hier trotz Denkmalschutz geplant ist.
Ich Chemnitz steht das Schocken (einst Kaufhaus selbiger Familie, heute Museum).
Man kann nur erahnen, wie beeindruckend das Haus in Berlin war. Sehr schade drum.